Sorgen Robotaxis für mehr Verkehr in der Stadt?
Ein zentrales Versprechen autonomer Mobilität: Massive Entlastung des urbanen Verkehrs. Laut einer aktuellen Untersuchung tritt dieser Effekt nur bedingt ein.
Die selbstfahrenden Taxis von Waymo legen einen großen Teil ihrer Strecken ohne Fahrgast zurück – und sorgen so automatisch für mehr Verkehrsaufkommen in der Stadt.
Waymo
Robotaxis sollen nicht nur sicherer fahren als der Mensch,
sondern auch das städtische Verkehrssystem entlasten. Eine Auswertung zeigt nun
aber, dass das nicht automatisch funktioniert. Im ungünstigsten Fall können die
autonom fahrenden Autos sogar für mehr Staus sorgen.
Problem „Leermeilen“
Die in der Fachzeitschrift „Findings“ veröffentlichte Studie
wertet die ersten rund 1.000 Tage des kommerziellen Waymo-Fahrdienstes in
Kalifornien aus. Grundlage sind Meldedaten an die Behörden für den Zeitraum
August 2023 bis Dezember 2025. Berücksichtigt wurden rund 14 Millionen Fahrten
mit insgesamt knapp 140 Millionen gefahrenen Kilometern. Der Untersuchung
zufolge wurde nur gut die Hälfte der gefahrenen Strecke mit Fahrgast
zurückgelegt. Der Rest waren sogenannte Leermeilen – etwa beim Umpositionieren der
Fahrzeuge, beim Warten oder auf dem Weg zum nächsten Kunden.
Zwar hat sich die Effizienz nach dem Start zunächst
verbessert, seit Mitte 2025 stagniert der Wert jedoch weitgehend. Mit
wachsender Flotte und steigender Nachfrage können Robotaxis theoretisch besser
verteilt werden und kürzere Anfahrtswege haben, die bessere Logistik und
Organisation wird aber von einem anderen Effekt überdeckt: Denn gerade wegen des
fehlenden Fahrers können autonome Fahrzeuge pausenlos unterwegs bleiben und
somit leichter zusätzliche Wege ohne Insassen zurücklegen.
Anders als etwa ein privater Pkw müssen sie nicht geparkt
bleiben, sondern fahren selbstständig durch die Stadt, um Nachfrage zu suchen
oder Standorte zu wechseln. Für die Betreiber ist das andauernde Herumfahren
trotz des Energieverbrauchs unter Umständen auch finanziell attraktiv, müssten
sie ansonsten doch Parkraum vorhalten und zahlen.
Hohe Auslastung ist der Schlüssel
Hinzu kommt die geringe Besetzung der Robotaxis. Im Schnitt
saßen der Studie zufolge nur rund 1,4 Passagiere in einem Waymo-Fahrzeug. Damit
ähnelt der Dienst eher einem Taxi- oder Ridehailing-Angebot als einem
Sammelverkehr. Ob autonome Fahrzeuge Städte entlasten, hängt daher weniger von
der Technik selbst ab als vom Einsatzmodell: Als Sharing-Angebot mit hoher
Auslastung können sie Vorteile bringen. Als Einzelfahrten-Dienst mit vielen
Leermeilen drohen sie dagegen, den Verkehr eher zu vermehren als zu verringern.