| von Stefan Grundhoff

Auch der Mercedes EQA wurde nicht eigenständig als Elektroauto entwickelt, sondern ist auf derselben Plattform unterwegs, die auch die Verbrenner-Modelle der Frontantriebsplattform trägt. Insofern sind Proportionen und Abmessungen mehr als ähnlich zu dem, was man von Mercedes GLA, GLB oder aus CLA und A-Klasse kennt. Den Auftakt der elektrischen SUV-Baureihe bildet der Mercedes EQA 250, mit seinen 140 kW / 190 PS ins Herz vieler potenziellen Kunden treffen dürfte. Der EQA konkurriert dabei mit vielen anderen Modellen der neuen Elektro-SUV, die in der Mittelklasse angesiedelt sind und zwischen 40.000 und 50.000 Euro kosten. VW ID.4, Skoda Enyaq, Ioniq 5 oder Audi Q4 E-Tron - in dieser Liga wird bald einiges passieren. Damit der EQA hier glänzen kann, gibt es bald nicht nur mehr Leistung, sondern auch einen Allradantrieb. Der dürfte viele locken, denn das maximale Drehmoment von 375 Nm an der Vorderachse sorgt dafür, dass die Lenkung bereits auf trockener Fahrbahn spürbare Antriebskräfte an den Fahrer weitergibt.

Für das lockere Fortkommen sind die 140 kW / 190 PS jedoch allemal ausreichend. Auf der Autobahn sieht das jedoch schon anders aus, denn anders als die meisten Konkurrenten wird der Mercedes EQA allzu früh bei 160 km/h abgeregelt. Eine längere Urlaubsfahrt wird damit schon einmal zum müden Geschäft, denn ab Tempo 140 wird es hinter dem Steuer des EQA recht zäh - egal, in welchem der Fahrprogramme man unterwegs ist. Daran ändert auch nichts, dass man bequem sitzt und man auf die vom Mercedes GLA / GLB bekannten Displays schaut, die sich vielfältig den Wünschen des Fahrers anpassen. Überaus angenehm ist das sehr geringe Geräuschniveau im Innern des Mercedes EQA, denn egal bei welchem Tempo ist allenfalls das sanfte Abrollgeräusch der Räder zu vernehmen. Der Normverbrauch: 17,7 kWh pro 100 Kilometer.

Mit voll geladenem Akku zeigt der 4,46 Meter lange Mercedes EQA gerade einmal etwas mehr als 380 Kilometer Reichweite. So dürfte es für den EQA schwer werden gegen einen Mercedes GLA 220d mit Allradantrieb, deutlich über 200 km/h Spitze und Reichweiten von 1.000 Kilometern. Die knapp 400 Kilometer des EQA sind fraglos ausreichend; aber doch eben etwas wenig des Guten und kein Argument für Bedenkenträger. Ein größeres Akkupaket wie es auch die Wettbewerber anbieten, ist mehr als empfehlenswert, das Angebot lässt aber noch auf sich warten. Immerhin kann der zweite Elektro-SUV der Schwaben an einer Schnellladesäule mit bis zu 100 Kilowatt nachtanken. Dann dauert die komplette Nachladung immerhin noch 30 Minuten; an einer normalen Ladesäule sind es stattliche 5:45 Stunden.

Teure Extras

Beim Fahrwerk lässt es der über zwei Tonnen schwere Mercedes EQA betont komfortabel angehen. Das passt ins Bild, weil auch der Antrieb keinerlei sportliche Ambitionen hat und so kann man lässig cruisen. Die Rückmeldung von der Lenkung ist etwas synthetisch; aber auch hier passt ins Bild, dass der EQA eher der Familie gefallen möchte und nicht dynamisch gefordert wird. Insofern fallen die leichten Nick- und speziell Wankbewegungen bei der Alltagsfahrt kaum ins Gewicht und man genießt den Reisekomfort mit etwas strammem Anfedern an gröberen Bodenunebenheiten. Über die Schaltpedale am Lenkrad kann der Fahrer die Rekuperation in verschiedenen Stufen einstellen und so in der stärksten Stufe durch die maximale Verzögerung nahezu komplett mit dem Gaspedal fahren ohne bremsen zu müssen (One-Pedal-Feeling). Wer nach bekannter Fahrweise eher rollen oder segeln möchte, kann dies jedoch ebenfalls tun - ganz nach Gusto.

Das Platzangebot im Innern passt, obschon dem Mercedes EQA hier anzumerken ist, dass er eng mit den Verbrennermodellen verwandt ist. Denn in der zweiten Reihe ist das Platzangebot gerade einmal ausreichend, wenn man doch einmal mit drei oder vier Personen unterwegs sein sollte. Ärgerlich bleibt, dass für den Basispreis von 47.540 Euro für den Mercedes EQA die Serienausstattung überaus mäßig ist. Insofern kommt man um die drei Ausstattungspakete nicht herum, die die Schwaben für ihren Hoffnungsträger gestrickt haben. Immerhin gibt es LED-Scheinwerfer, eine elektrische Heckklappe für den 340 bis 1.320 Liter großen Laderaum und elektrische Sitze serienmäßig; doch das war es auch schon.

Erst im sogenannten Advanced-Paket für 2.570 Euro gibt es Komfort- und Sicherheitsextras, die man ab Werk erwartet. Darin enthalten sind die beiden 10,25-Zoll-Displays sowie Totwinkelassistent, Spiegel- und Parkpaket inklusive Rückfahrkamera. Kaum zu glauben, dass solche Ausstattungselemente bei einem fast 50.000 Euro teuren Elektroauto eines Premiumherstellern noch extra geordert werden müssen. Beim Advanced-Plus-Paket gibt es für 3.677 Euro Details wie schlüssellosen Zugang, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Soundsystem sowie kabellose Smartphone-Aufladung. Die meisten Kunden dürften sich darüber hinaus für das Premiumpaket entscheiden, das für 5.557 Euro unter anderem Panorama-Schiebedach, das Burmester-Soundsystem und eine 360-Grad-Kamera bietet.

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