Mit diesen Drittanbietern teilen vernetzte Fahrzeuge ihre Daten
Eine Untersuchung von Northeastern University und Consumer Reports zeigt, wie stark moderne Fahrzeuge und ihre Begleit-Apps mit externen Diensten kommunizieren. Besonders die Weitergabe persönlicher Kennungen wirft Fragen zum Umgang mit Fahrzeugdaten auf.
Ronja SchmiedchenRonjaSchmiedchenRedaktion, Social Media & Moderation
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Vernetzte Fahrzeuge erzeugen zahlreiche Datenströme. Besonders Infotainmentsysteme und begleitende Apps können Verbindungen zu externen Analyse-, Tracking- und Plattformdiensten herstellen.stock.adobe.com / chartphoto
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Moderne Fahrzeuge stehen über Mobilfunk, WLAN und begleitende Smartphone-Anwendungen mit einer wachsenden Zahl externer Systeme in Verbindung. Eine Untersuchung der Northeastern University in Zusammenarbeit mit Consumer Reports gibt nun einen Einblick in den Umfang dieser Datenströme. Die Forschenden analysierten 21 aktuelle Fahrzeuge von 19 Marken sowie 30 dazugehörige mobile Anwendungen.
Nach Angaben des Forschungsteams stellte jedes der untersuchten Fahrzeuge mindestens eine Verbindung zu einer Domain eines Drittanbieters her. Mehr als die Hälfte kontaktierte dabei Dienste aus den Bereichen Werbung, Tracking oder Analyse. Zu den beobachteten Unternehmen gehörten unter anderem Adobe, LexisNexis und Amplitude. Für die Analyse des Fahrzeugverkehrs leiteten die Forschenden die Internetkommunikation über eine kontrollierte Infrastruktur. WLAN-Verbindungen ließen sich unter anderem mit einem im Fahrzeug eingesetzten Raspberry Pi erfassen. Zusätzlich kam eine abgeschirmte Umgebung zum Einsatz, um Fahrzeuge dazu zu bringen, statt einer Mobilfunkverbindung das kontrollierte WLAN zu nutzen. Die Inhalte der vom Fahrzeug übertragenen Daten konnten dabei nicht grundsätzlich entschlüsselt werden. Die Untersuchung erlaubte jedoch Rückschlüsse darauf, mit welchen Domains die Fahrzeuge kommunizierten. Dafür wertete das Team unter anderem Netzwerkmetadaten und Verbindungsinformationen aus. Entsprechend lässt sich aus einer Verbindung zu einem externen Dienst nicht in jedem Fall ableiten, welche konkreten Informationen übertragen wurden.
Für die Untersuchung erfassten die Forschenden den Datenverkehr der Fahrzeuge und Apps unter kontrollierten Bedingungen. Dazu analysierten sie WLAN-Verbindungen, isolierte Mobilfunksignale und prüften die Kommunikation der Anwendungen bei typischen Funktionen.Consumer Reports
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Infotainmentsysteme und Apps treiben externe Datenflüsse
Besonders viele externe Verbindungen stellten laut der Untersuchung Fahrzeuge mit umfangreichen Infotainmentsystemen her. Systeme auf Basis von Android Automotive OS mit Google Automotive Services spielten dabei eine auffällige Rolle. Nach Einschätzung der Forschenden beeinflusst damit auch die eingesetzte Softwareplattform, wie viele externe Dienste mit dem Fahrzeug kommunizieren.
Bei den mobilen Anwendungen konnten die Forschenden die übertragenen Inhalte detaillierter untersuchen. Sieben der 30 getesteten Apps übermittelten demnach persönliche beziehungsweise einem Fahrzeug eindeutig zuordenbare Informationen an Dienste aus den Bereichen Werbung und Analyse.
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Betroffen waren laut Untersuchung HondaLink, Lincoln, MyNissan sowie Anwendungen von Cadillac, Chevrolet, Buick und GMC. Zu den beobachteten Daten gehörten unter anderem Fahrzeug-Identifizierungsnummern, Telefonnummern und präzise Standortinformationen. Mehr als 70 Prozent der untersuchten Apps stellten Verbindungen zu mindestens fünf verschiedenen Werbe-, Tracking- oder Analysediensten her.
Die Kombination mehrerer Merkmale ist aus Datenschutzsicht besonders relevant. Eine Fahrzeug-Identifizierungsnummer kann ein Auto dauerhaft eindeutig kennzeichnen. Wird sie gemeinsam mit personenbezogenen Informationen übertragen, können verschiedene Datenbestände leichter miteinander verknüpft werden.
Hersteller reagieren unterschiedlich auf die Ergebnisse
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Die Reaktionen der betroffenen Automobilunternehmen fielen der Untersuchung zufolge unterschiedlich aus. Einige Hersteller verwiesen darauf, dass ihre Datenverarbeitung im Einklang mit den geltenden Vereinbarungen und Datenschutzbestimmungen stehe. Andere Unternehmen nahmen nach Hinweisen der Forschenden Änderungen vor.
Honda habe beispielsweise seinen Analysedienstleister Amplitude aufgefordert, zuvor erhaltene Standortdaten zu löschen. Zudem sei die HondaLink-Anwendung angepasst worden, damit entsprechende Geodaten künftig nicht mehr an den Anbieter übertragen würden. Die Northeastern University bestätigt diese Reaktion in ihrer Darstellung der Untersuchung.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Datenschutz bei vernetzten Fahrzeugen nicht allein von der Fahrzeughardware abhängt. Infotainmentplattformen, Cloud-Dienste und Smartphone-Anwendungen bilden gemeinsam eine technische Infrastruktur, in der zahlreiche Unternehmen an der Verarbeitung von Informationen beteiligt sein können.
Für Automobilhersteller gewinnt damit die Transparenz der Datenflüsse an Bedeutung. Zugleich stellt sich die Frage, wie Einwilligungen gestaltet werden und welche Funktionen ohne eine Datenfreigabe nutzbar bleiben. Forschungsleiter David Choffnes spricht sich in diesem Zusammenhang für klarere Informationen und stärker auf ausdrücklicher Zustimmung basierende Verfahren aus.
Die Untersuchung bezieht sich auf eine begrenzte Auswahl aktueller Fahrzeuge und Anwendungen auf dem US-Markt. Sie liefert daher keine vollständige Bestandsaufnahme der gesamten Branche. Die Ergebnisse zeigen jedoch, wie komplex die Datenwege moderner Fahrzeuge inzwischen geworden sind und welche Bedeutung die eingesetzte Software für die Weitergabe von Informationen an externe Dienste haben kann.