Samuelsson tauscht CTO aus
Alexander Petrofski wird neuer Entwicklungschef bei Volvo
Volvo besetzt den CTO-Posten neu: Alexander Petrofski folgt auf Anders Bell, der die Software- und Plattformstrategie des Herstellers maßgeblich geprägt hat. Bell soll künftig in anderer Funktion die Skalierung der Volvo-Technologien vorantreiben.
Alexander Petrofski ist seit mehr als 20 Jahren im Hause Volvo tätig, unter anderem leitete er den Tech Fund der Schweden.
Volvo Cars
Volvo Cars stellt seine Führungsriege neu auf. Im Zentrum der Veränderungen steht der Wechsel an der Technologiespitze: Alexander Petrofski wird zum 1. September neuer Chief Technology Officer (CTO) und zieht in die Konzernleitung (EMT) ein. Er folgt auf Anders Bell, der künftig eine neu geschaffene strategische Initiative verantworten soll.
Bell gilt als einer der maßgeblichen Architekten von Volvos Software- und Elektrifizierungsstrategie der vergangenen Jahre. Unter seiner Führung entstand die technologische Grundlage für die aktuellen Software-Defined-Vehicle-Ambitionen des schwedischen Herstellers. Dazu gehören die zentrale Fahrzeugarchitektur HuginCore, die enge Zusammenarbeit mit Google, Nvidia und Qualcomm sowie die Entwicklung einer markenweiten Softwareplattform für die Elektrofahrzeug-Familie.
„Anders hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, unsere Technologie- und Softwareentwicklung in eine führende Position zu bringen, was nicht zuletzt durch den Erfolg unseres EX60 bestätigt wird“, sagte Volvo-Boss Hakan Samuelsson zur Personalie.
Bell bleibt an Bord
Ganz verlässt Bell die operative Verantwortung jedoch nicht. Stattdessen übernimmt er eine neu geschaffene strategische Aufgabe mit direkter Berichtslinie an den CEO. Sein noch etwas schwammig formulierter Auftrag: Möglichkeiten identifizieren, um die von Volvo selbst entwickelte Plattform- und Softwaretechnologie künftig stärker zu skalieren.
Die schwedische Geely-Tochter hat in den vergangenen Jahren einige sinnvolle Schritte in Richtung des softwaredefinierten Fahrens gemacht. Bell selbst hatte zuletzt mehrfach betont, dass Volvo Software nicht als Infotainment-Thema verstehe, sondern als Fundament der gesamten Fahrzeugentwicklung. Die Softwarearchitektur basiere auf zentralen Rechnern, Zonensteuergeräten, einem einheitlichen Betriebssystem sowie der Fähigkeit, Funktionen kontinuierlich per Over-the-Air-Update weiterzuentwickeln.
Der neue EX60 gilt dabei als bislang wichtigster Technologieträger der Strategie. Das Elektro-SUV nutzt die weiterentwickelte Core-Computing-Architektur HuginCore und basiert auf derselben Software-Masterbasis wie EX90 und ES90. Gleichzeitig fungiert Volvo inzwischen als Referenzpartner für Android Automotive OS und bringt als erster Hersteller Googles KI-Assistenten Gemini in ein Serienfahrzeug.
Software wird bei Volvo zum Kerngeschäft
Die Bedeutung der CTO-Rolle ist bei Volvo zuletzt kontinuierlich gewachsen. Bell beschrieb das Unternehmen im Frühjahr als Organisation mit drei Fabriken: einer Fahrzeugfabrik, einer Technologiefabrik und einer Softwarefabrik. Letztere erstellt täglich zahlreiche vollständige Fahrzeugsoftware-Builds und liefert regelmäßig OTA-Updates an Kundenfahrzeuge aus. Die Softwareentwicklung erfolgt dabei modellübergreifend aus einem zentralen Repository heraus.
„Traditionell durchlief ein Fahrzeug die Fabrik, Qualitätsgates und industrielle Validierung, bevor es beim Kunden ankam. Jetzt liefern wir zusätzlich digitale Produkte direkt an Kunden über Software-Updates aus“, erklärte Bell im Gespräch mit automotiveIT.
Mit Petrofski übernimmt nun ein Manager die technologische Gesamtverantwortung, der diese Transformation fortführen soll. Petrofski arbeitet bereits zwei Jahrzehnte bei den Schweden, unter anderem als Chef der Venture-Capital-Tochter von Volvo. Zuletzt war er im erweiterten Vorstand verantwortlich für die kleineren Modelle wie EX30, EX40 oder XC40. Volvo machte zunächst keine weitergehenden Angaben zu seinen künftigen inhaltlichen Schwerpunkten.
Weitere Änderungen in der Konzernleitung
Neben dem CTO-Wechsel beruft Volvo auch Magnus Nilsson, bislang Werkleiter im belgischen Gent, als Chief Manufacturing Officer in die Konzernleitung. Er verantwortet künftig Produktion und Manufacturing Engineering. Francesca Gamboni konzentriert sich künftig auf ihre Rolle als Chief Procurement and Supply Chain Officer. Auch diese Änderungen treten zum 1. September in Kraft.