Strategische Umkehr bei Renault
Sind Amperes Tage auf eigenen Füßen gezählt?
Laut Medienberichten plant Renault, seine Elektro- und Softwareeinheit Ampere als eigenständige Organisation aufzulösen und wieder in den Konzern zu integrieren. Damit würde CEO Provost ein zentrales Projekt der De-Meo-Ära strategisch neu ausrichten.
Als eigenständiger europäischer Player für Elektrofahrzeuge und Software sollte Ampere Renault technologisch wie finanziell neu positionieren.
(Bild: Renault)
Renault könnte bald einen zentralen Schlussstrich unter die Strategie der De-Meo-Ära ziehen. Der französische Automobilhersteller wolle seine Elektro- und Softwareeinheit Ampere Holding auflösen und vollständig wieder in den Konzern integrieren. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute Quellen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel der Maßnahme sei es, die Organisation zu vereinfachen, Kosten zu senken und künftige Entwicklungsprojekte schneller umzusetzen.
Für den neuen Renault-CEO François Provost ist es bereits die zweite grundlegende Kurskorrektur innerhalb weniger Wochen. Erst im Dezember hatte der Konzern angekündigt, die Carsharing-Aktivitäten der Tochter Mobilize einzustellen und deren Energie- und Datenaktivitäten ebenfalls wieder in die Gruppe einzugliedern. Beide Entscheidungen markieren eine deutliche Abkehr von den Struktur- und Plattformideen seines Vorgängers Luca de Meo, der das Unternehmen im vergangenen Jahr in Richtung Luxuskonzern Kering verlassen hatte.
Ampere war Ende 2023 mit großem Anspruch gestartet: Als eigenständiger europäischer Pure Player für Elektrofahrzeuge und Software sollte die Einheit Renault technologisch wie finanziell neu positionieren. „Ganz im Geiste von Renault wurde Ampere entwickelt, um Elektroautos und vernetzte Fahrzeuge für alle erschwinglich zu machen, die Herausforderungen der Energiewende zu erfüllen und die Wachstumschancen auf dem Markt zu nutzen“, sagte Ex-Reanult-Chef De Meo noch im Rahmen des Capital Market Day 2023, als die Unternehmenseinheit Ampere ihre eigenständige Arbeit aufnahm.
Ein geplanter Börsengang wurde jedoch Anfang 2024 wegen einer aus Konzernsicht zu niedrigen Bewertung abgesagt. Mit dem Wegfall der IPO-Perspektive entfiel auch die strategische Begründung für die rechtliche Eigenständigkeit.
Künftig soll Ampere als konzerninternes Advanced-Engineering-Zentrum für Elektrofahrzeuge und Software fungieren. Die zugehörigen Werke in Nordfrankreich sowie das Motorenwerk würden dann wieder direkt dem Automobilhersteller unterstellt werden. Der Reorganisationsplan wurde den Gewerkschaften vorgestellt und soll zum 1. Juli in Kraft treten. Auswirkungen auf Beschäftigung und bestehende Arbeitsverträge seien nach Angaben aus Unternehmenskreisen nicht zu erwarten.