Vorurteile bremsen Frauen in deutschen IT-Abteilungen aus
Hartnäckige Klischees bremsen Frauen in IT-Jobs: Laut Bitkom glaubt fast jedes zweite Unternehmen, Männer eigneten sich besser – und keine einzige IT-Abteilung hat mehr Frauen als Männer.
Die Grundsatzentscheidung fiel bereits Mitte 2016: Statt weiter im klassischen Wasserfallmodell zu arbeiten, wollte BMW lieber agil unterwegs sein.
(Bild: BMW)
Obwohl die deutsche Wirtschaft den Fachkräftemangel in den
IT-Abteilungen ohne weibliche Talente kaum lösen kann, halten sich veraltete
Stereotype in der Branche hartnäckig. Eine neue Bitkom-Studie anlässlich des
Weltfrauentags zeigt: Noch immer hält fast jedes zweite Unternehmen Männer für
schlichtweg besser geeignet für Tech-Berufe.
Diese Vorurteile spiegeln sich auch in den nackten Zahlen der repräsentativen
Befragung unter 603 Unternehmen wider: In keiner einzigen deutschen IT- oder
Digitalabteilung (null Prozent) arbeiten derzeit mehr Frauen als Männer. In 89
Prozent der Unternehmen stellen Frauen in diesen Fachbereichen weniger als die
Hälfte der Belegschaft. Lediglich neun Prozent berichten von einem annähernd
ausgeglichenen Geschlechterverhältnis.
Deutsche Wirtschaft unter den Nachzüglern
Dementsprechend kritisch bewertet die Wirtschaft ihre eigene Leistung: Zwei
Drittel (67 Prozent) sehen Deutschland beim Thema Gleichstellung in IT-Berufen
im internationalen Vergleich unter den Nachzüglern. Ganze 17 Prozent glauben
gar, die deutsche Wirtschaft habe den Anschluss bereits komplett verpasst. Die Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt allerdings auch, dass in den
Chefetagen durchaus ein Problembewusstsein vorhanden ist: 78 Prozent der
Firmenvertreter stimmen zu, dass die Wirtschaft ohne Frauen ihre Zukunft
verspielt. 65 Prozent sehen in ihnen den Schlüssel, um den massiven
IT-Fachkräftemangel zu lindern. Auch die Vorteile gemischter Teams sind
unumstritten: Neun von zehn Unternehmen loben das bessere Betriebsklima, acht
von zehn bescheinigen gemischten Teams eine höhere Produktivität und
Kreativität.
Vorurteile „in zu vielen Unternehmen verankert“
Trotz dieser Erkenntnis prägen Vorurteile den Einstellungsalltag: 43 Prozent
der Unternehmen geben offen an, Männer seien für IT- und Digitalberufe einfach
besser geeignet. Fast die Hälfte (48 Prozent) glaubt, dass solche Berufe Frauen
abschrecken. „Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen
verankert“, kritisierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Als größte Bremsklötze für Frauenkarrieren in der IT identifizieren die
Unternehmen Hürden beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit (50 Prozent) sowie
eine mangelnde Sensibilisierung der Führungskräfte (48 Prozent). Zudem klagen
39 Prozent der befragten Firmen über eine „gläserne Decke“, die Frauen trotz
gleicher Qualifikation benachteiligt. Ein weiteres Problem liegt im
Betriebsklima selbst: In mehr als jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) wird
Frauenförderung von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden.
Generell halten 28 Prozent der Unternehmen Frauenförderung für nicht mehr
notwendig.