Mobility Circle 2021 Stefan Bratzel

Stefan Bratzel begrüßt im Namen von CAM Networx die Gäste des Mobility Circle 2021. (Bild: Facesbyfrank)

Einen „kleinen Big Bang im Mobilitätsuniversum“ prophezeit Gastgeber und CAM-Direktor Stefan Bratzel bereits in seiner Begrüßung. Neue Player drängen zunehmend in das begehrte Marktumfeld. Ein Trend, auf den die Autobranche reagieren muss. „Die Autohersteller werden lernen müssen, nicht nur in Hersteller-Zulieferer-Einstellungen einzutreten, sondern horizontale Kooperationsmuster zu nutzen“, so der Automobilexperte, der im Rahmen der Veranstaltung die zentralen Ergebnisse des Mobility Services Report 2021 von CAM und automotiveIT vorstellt.

Dezentrale Ökosysteme prägen die Zukunft

Die aktuellen und künftigen Herausforderungen der Branche thematisieren auch weitere Sprecher des Mobility Circle. So spricht etwa Christian Korff, Managing Director EnterpriseOne Germany bei Cisco Systems, über das zunehmende Auftauchen von Micro-Economies: Die Digitalisierung werde künftig in dezentralerer Form stattfinden als bisher. An Stelle von etablierten, großen Playern würden eher einzelne Mikrokosmen treten, in denen die Grenzen zwischen Partnern, Kunden und Unternehmen zunehmend verschwimmen. Für etablierte Player bedeute diese Entwicklung einerseits, dass Mut zur langfristigen Innovation auch losgelöst von kurzfristigen Ergebnissen stärker etabliert werden müsse. Außerdem brauche es auch Mut, an bestimmten Stellen die eigene Kontrolle zu mindern: Etwa beim Einsatz von Open Source-Software oder der Öffnung einer Ökosysteme auch für andere Player. Man müsse, so Korffs zentrale Aussage, den Willen haben, auch Andere zum Gewinner zu machen.

Die Online- und Offline-Welten müssen zusammenfinden

Wie entsprechende Modernisierungen seitens der Finanz- und Mobilitätsdienstleister aussehen kann, skizzieren unter anderem Stefan Imme (CDO von Volkswagen Financial Services), Christian Middelhauve (Head of Global Sales and Marketing Strategy bei Daimler Mobility) und Felix Boesten (General Manager Product Development & Value Chain bei Kinto). In vielen Punkten herrscht Einigkeit bei den drei Experten: Etwa hinsichtlich der notwendigen Verschränkung der Online- und Offline-Welt zur Optimierung von Touchpoints mit dem Kunden und der personalisierten Ansprache einzelner Nutzer, um für diesen einen Mehrwert zu generieren. Christian Middelhauve betont vor allem das hohe Interesse der Kunden an Fahrzeugabos, die etwa eine Drittel aller Nutzer von EQ-Elektrofahrzeugen wahrnehmen möchten. Stefan Imme hebt hingegen die notwendigen Faktoren hervor, um Mobilitätsbedürfnisse End-to-End abzudecken: Etwa einen stabilen Zugang zu Fahrzeugen, eine starke Marke sowie optimale Service Operations. Eine zentrale Rolle komme in diesem Zusammenhang den Händlerbetrieben zu, ergänzt hingegen Felix Boesten, da diese als starke Partner beim Zugang zu Fahrzeugen und Service-Angeboten ein immenses Asset bilden.

Paneldiskussion 1
Stefan Imme (CDO von Volkswagen Financial Services), Christian Middelhauve (Head of Global Sales and Marketing Strategy bei Daimler Mobility) und Felix Boesten (General Manager Product Development & Value Chain bei Kinto), diskutieren die Mobilität der Zukunft. (Bild: Facesbyfrank)

Alternativen zum Individualverkehr brauchen Förderung

Über die Möglichkeiten des Carsharings in der Gegenwart und Zukunft sprechen hingegen Joschi Jennermann, COO von WeShare und Miles-CEO Oliver Mackprang. „Carsharing ist kein Nischenprodukt mehr“, erklärt etwa Jennermann, gleichzeitig steige jedoch auch der private Fahrzeugbestand stetig weiter und sei oft noch sehr attraktiv. Miles-CEO Mackprang macht dies unter anderem an der Nutzung städtischer Parkplätze fest, deren Bewirtschaftungskosten öffentlich subventioniert werden.

Beide Experten sind sich einig: Es dürfe beim Wandel von der individuellen zur geteilten Mobilität nicht auf Verbote gesetzt werden, jedoch sei es trotzdem dringend nötig, nachhaltigere und platzsparende Alternativen zum eigenen Fahrzeug zu fördern. Ein probates Mittel hierfür sei etwa die Ausweisung von speziellen Carsharing-Parkplätzen, so Mackprang.

Um die eigenen Dienste attraktiver zu machen, setze man bei Miles etwa auf ein breites Angebot an Nutzungsoptionen und die intermodale Kooperation mit anderen Verkehrsträgern wie Jelbi oder Free Now. „Wir glauben, dass die Alternativen gemeinsam stärker sind als ein eigenes Auto“, erklärt der Miles-CEO. Auch WeShare-Manager Jennermann betont die Qualität und zuverlässige Verfügbarkeit der eigenen Flotte als wichtige Faktoren für die Mobilitätswende. Gleichzeitig arbeite man an einer besseren Verfügbarkeit von Fahrzeugen an Hotspots und der besseren Anbindung von Randgebieten.

Autonomes Fahren wird radikaler Gamechanger

Langfristig rechne man mit dem Durchbruch der autonomen, geteilten Mobilität, so Jennermann. Bis dahin existiere aber ein gewaltiges Potenzial für das klassische Carsharing. Den Weg zum autonomen Fahren im Volkswagen-Konzern skizziert hingegen Jan Michel, CTA der Technischen Entwicklung bei Audi. Unter anderem wolle man mit der Strategie „Vorsprung 2030“ den Verbrennungsmotor durch elektrische Antriebe ersetzen und führend beim autonomen Fahren und neuen Geschäftsmodellen im Rahmen eigener Plattformen sein.

Dazu brauche es einerseits einen Fokus auf neue Prozesse und Organisationsformen, aber auch neue Denkweisen in der Technologie: Einerseits müsse man bereits früh im Entwicklungsprozess die Hard- und Software bestmöglich verschränken, andererseits konzentriere man sich bereits jetzt auf ein neues Mindset im Design der Fahrzeuge. „Wir denken das Auto von innen nach außen“, so Michel. Durch das autonome Fahren gewinne das Interieur als Lebensraum zunehmend an Bedeutung. Um dem Kunden hier eine produktive Nutzung der gesparten Fahrtzeit zu erlauben oder das Entertainment-Programm während der Fahrt auszubauen, setzt Audi unter anderem auf Kooperationen mit IT-Playern.

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