Ein Smartphone vor einem Auto.

Der Großteil der neuen Mobilitätsdienste wird als On-Demand-Angebot über das Smartphone für den Nutzer bereitgestellt. (Bild: Adobe Stock / VAKSMANV)

In der perfekten Mobilitätswelt ist nur eine App notwendig. Sämtliche Fortbewegungsmittel sollten in ihr sichtbar und direkt buchbar sein. Reisedauer, Reisekosten und Reisekomfort könnten perfektioniert werden. Der jährlich erscheinende Mobility Services Report - aber auch der Blick aufs eigene Smartphone - zeigen auf, wie weit eine solche Vision von der Realität entfernt ist. Die meisten Menschen haben zahlreiche Applikationen, die ihnen dabei helfen, mobil zu sein.

In den letzten Jahren war die Entwicklung der Mobilitätsdienste sehr volatil. Die weltweiten Krisen haben ihren Teil dazu beigetragen. Welche Formen der Mobilität sich durchsetzen werden, ist heute schwer absehbar. Viele Menschen fremdeln noch mit smarten Mobilitätsdiensten. Nur knapp jeder zehnte Deutsche nutzt Uber, Free Now und Co. In unserem großen Überblick beleuchten wir die unterschiedlichen Servicetypen und deren Unterkategorien – vom Carsharing, über E-Scooter, bis hin zu Robotaxis.

Diese Mobilitätsdienste gibt es:

Fahrdienstvermittlung: Taxi-Portale, Ridesharing-Angebote, Privattaxis oder On-Demand-Shuttles.

Multimodale Dienste: Mobilitäts-Flatrates, Multimodales Routing, Multimodale Provider sowie Intermodale Provider.

Carsharing: stationsbasiertes, Free-Floating oder Peer-to-Peer Carsharing.

Autonome Services: Robotaxis, autonome Shuttles und autonome Flugtaxis.

Micromobility: E-Scooter, E-Roller, E-Bikes oder klassisches Bikesharing.

Wer bietet Mobilitätsdienste an?

Mobility as a Service (MaaS) begründet neue Geschäftsmodelle. Für Automobilhersteller ergibt sich durch vernetzte Mobilitätsdienste - in Kombination mit dem autonomen Fahren - die Chance von neuen Geschäftsfeldern. Sie ergänzen zunehmend die klassische Einnahmequelle des Autokaufs (Ownership). Gleichsam erweitert sich das Wettbewerbsumfeld durch Digitalplayer wie Apple, Google, Alibaba oder Baidu, die ihre Ökosysteme um Mobilitätsdienste erweitern wollen. Außerdem drängen Startups wie Uber, Lyft, BlaBlaCar mit innovativen Services einer digitalen Mobility-on-Demand auf den Markt.

Uber und Didi sind die größten Fahrdienstvermittler

Per Definition bieten Fahrdienstvermittler entgeltliche Beförderungsdienstleistungen an, indem sie Fahrgäste über eine App oder eine andere Digitalplattform auf Abruf an Anbieter vermitteln. DIese nuntzen entweder ein gewerbliches Taxi oder ihr privates Fahrzeug. Bei den meisten Servicetypen bestimmt der Fahrgast, mit welchem konkreten Ziel eine Fahrt unternommen wird. Taxi-Portale und Privattaxi sind derzeit die wichtigsten Servicetypen, die von wenigen Unternehmen wie Uber und Didi Chuxing dominiert werden. Während Uber bei der Anzahl der verfügbaren Städte mit rund 10.000 deutlich führt, hat Didi Chuxing bei der Kundenanzahl mit 550 Millionen meilenweit die Nase vorn.

Was bedeutet multimodaler Verkehr?

Für den multimodalen Verkehr bedarf es multimodaler Dienste. Diese zielen auf die Bündelung verschiedener Verkehrsträger (ÖPNV, Carsharing, Privattaxi, Micromobility etc.) zur Optimierung der Reisekette ab. Sie können Routeninformation, Routenplanung und Buchung ermöglichen. Unterschieden wird zwischen Multimodalität, bei der Verkehrsteilnehmern innerhalb eines Weges verschiedene Verkehrsmittel zur Verfügung stehen und Intermodalität. Letztere ergänzt diese Auswahl durch die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln zu wechseln. Hinzu kommen Mobilitäts-Flatrates sowie multimodales Routing, also eine App zur Reiseplanung, die mehrere Verkehrsträger bündelt. Hierzu zählt beispielsweise Google Maps. Die App ist mittlerweile zu einem umfassenden Ökosystem angewachsen, das öffentliche, gewerbliche und private Daten verschmelzen lässt.

Wie funktioniert Carsharing?

Carsharing umfasst die gemeinschaftliche Nutzung eines oder mehrerer Autos auf Grundlage einer Rahmenvereinbarung. Diese kann gewerblicher oder privater Natur sein. Carsharing erlaubt – anders als konventionelle Autovermietungen – auch ein kurzzeitiges Anmieten von Fahrzeugen. Bei einer Variante des Sharings müssen Annahme und Rückgabe an festen Stationen erfolgen. Bei Free-Floating-Angeboten ist dies nicht der Fall. Werden Autos von Privatpersonen geteilt, spricht man hingegen von Peer-to-Peer-Carsharing.

Welche Carsharing-Anbieter gibt es?

Zu den größten Carsharing-Anbietern gehören Share Now, Flinkster und Miles. Die zuletzt überraschendste Veränderung auf dem Markt war die Übernahme des BMW und Mercedes-Benz Joint Ventures ShareNow durch die Stellantis-Tochter Free2Move. Mit der Übernahme entstand der mit Abstand größte Anbieter für Free-Floating-Carsharing und insgesamt einer der größten Carsharing-Dienste weltweit. Nach Aussage von Stellantis soll Free2move bis 2030 einer der führenden Anbieter von Mobilität mit 15 Millionen Kunden und 2,8 Milliarden Euro Umsatz bei gleichzeitig hoher Profitabilität werden. Ein Ziel, das Mercedes-Benz und BMW zuvor nicht einmal gemeinsam erreichen konnten.

Was bringt autonomes Fahren?

Autonomes Fahren soll vor allem für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. In Bezug auf die Mobilität der Zukunft gelten autonome Fahrdienste als eine der größten Hoffnungen. Sie bieten Personentransporte an, bei denen auf menschliche Fahrer verzichtet wird. Teils ist noch Sicherheitspersonal an Bord, das im Notfall eingreifen kann. Insgesamt ist die Technologiebranche, allen voran die Google-Schwesterfirma Waymo, den etablierten Automobilherstellern bei gefahrenen Robotaxi-Strecken deutlich überlegen. Es ist abzusehen, dass auch in Zukunft nur wenige Unternehmen die Kompetenzen besitzen, um das autonome Fahren entscheidend voranzutreiben. Bei autonomen Fahrsystemen werden sich mittel- und langfristig, aufgrund des hohen Investment,s deshalb nur wenige Anbieter durchsetzen, so die Analyse des Center of Automotive Management (CAM) im Mobility Services Report 2022.

Welche Dienste zählen zur Mikromobilität?

Micromobility umfasst die Personenmobilität der „letzten Meile“ mit Hilfe elektrischer oder mit Körperkraft betriebener Ein-Personen-Fahrzeuge. Dazu zählen etwa Scooter, Roller oder Fahrräder. Aktuell sind Bikesharing und E-Scooter-Sharing die relevantesten Angebote im Micromobility-Bereich. Wurde die Einführung der E-Scooter anfangs herbeigesehnt, hat ihr Image in Deutschland durch das unkontrollierte Abstellen ziemlichen Schaden genommen. Auch beim Bike-Sharing sind die Deutschen skeptisch. Bei einer Umfrage im Rahmen des Mobility Services Report 2022 gaben 65 Prozent der Befragten an, dass sie sich die Nutzung von Bike-Sharing nicht vorstellen können.

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