Autonome Flotten

Geely präsentiert eigenes Robotaxi

Mit dem Eva Cab zeigt Geely auf der Auto China 2026 sein vollständig für den autonomen Betrieb entwickeltes Robotaxi. Das Fahrzeug soll ab 2027 in Serie gehen und ist Teil einer groß angelegten Mobilitätsstrategie mit bis zu 100.000 Einheiten.

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Auf einer Messebühne steht ein futuristisch gestaltetes, weißes Robotaxi mit glatter, kastenförmiger Karosserie und großen Glasflächen. Neben dem Fahrzeug befindet sich ein humanoider Roboter. Im Hintergrund ist eine große digitale Anzeige mit dem Geely-Logo zu sehen. Das Fahrzeug wirkt als Konzept für autonomes Fahren ohne klassischen Fahrerarbeitsplatz.
Der chinesische Automobilkonzern Geely zeigt auf der Auto China ein neu entwickeltes Fahrzeugkonzept für den fahrerlosen Einsatz im urbanen Mobilitätsdienst.

Mit dem „Eva Cab" hat Geely auf der Auto China 2026 in Peking ein Fahrzeug vorgestellt, das einen Paradigmenwechsel im Robotaxi-Segment markieren soll. Dabei handele es sich laut Unternehmensangaben um das erste Robotaxi-Modell in China, das konsequent von Grund auf für den autonomen Fahrbetrieb entwickelt wurde und nicht auf einer bestehenden Serienplattform basiert. Hinter dem Projekt steht ein Zusammenspiel mehrerer Akteure innerhalb des Geely-Ökosystems. Während der Automobilkonzern seine Kompetenzen in Entwicklung und Produktion einbringt, steuert die Mobilitätsplattform CaoCao operative Erfahrung aus dem Ride-Hailing-Geschäft bei. Ergänzt wird dies durch die autonome Fahrtechnologie des Partners Qianli Haohan, deren L4-System den fahrerlosen Betrieb in definierten Einsatzbereichen ermöglichen soll.

Der strategische Unterschied zu bisherigen Robotaxi-Konzepten liegt in der gezielten Auslegung auf den kommerziellen Flottenbetrieb. Der Eva Cab wurde nicht als umgerüstetes Serienfahrzeug konzipiert, sondern auf Dauerbetrieb, hohe Auslastung und geringe Lebenszykluskosten hin entwickelt. Das betrifft sowohl die Fahrzeugarchitektur als auch das Interieur. Im Innenraum folgt die Gestaltung einer Logik aus Funktionalität und Robustheit. Klassische Komfortmerkmale werden reduziert oder neu gedacht, um Wartungskosten zu begrenzen und die Wahrscheinlichkeit verlorener Gegenstände zu senken. Zugleich ist die Mensch-Maschine-Interaktion auf den fahrerlosen Einsatz ausgelegt.

Geely plant Robotaxi-Flotte ab 2027

Technologisch setzt Geely auf eine umfassend integrierte Architektur aus Software, Sensorik und KI. Das Fahrzeug nutzt eine leistungsfähige Rechenplattform und kombiniert verschiedene Sensoren, darunter hochauflösende LiDAR-Systeme, um eine zuverlässige Umfelderkennung zu ermöglichen. Die zugrunde liegende Softwareplattform ist auf Level-4-Automatisierung ausgelegt und soll den Betrieb ohne menschlichen Fahrer unter bestimmten Bedingungen ermöglichen.

Mit dem Eva Cab verfolgt Geely mehr als nur einen technologischen Ansatz. Dahinter steckt auch eine klare Skalierungsstrategie. Die Serienproduktion ist für 2027 geplant. Bis zum Jahr 2030 will das Unternehmen eine Flotte von rund 100.000 Fahrzeugen aufbauen. Damit positioniert sich Geely in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt, in dem sowohl chinesische als auch internationale Akteure um die Vorherrschaft im Robotaxi-Segment kämpfen. Der Schritt hin zu dedizierten Robotaxi-Fahrzeugen gilt als entscheidend für die Wirtschaftlichkeit autonomer Mobilitätsdienste. Durch die gezielte Auslegung auf Dauerbetrieb, hohe Auslastung und reduzierte Komplexität lassen sich Kostenstrukturen optimieren, die bei umgerüsteten Serienfahrzeugen häufig als limitierender Faktor gelten. Gleichzeitig eröffnet der Ansatz neue Möglichkeiten für Design, Raumkonzepte und Nutzererlebnis.

Der Eva Cab ist damit Teil einer breiteren Entwicklung, die sich derzeit insbesondere in China beobachten lässt. Automobilhersteller treiben die Integration von Software, KI und neuen Mobilitätsdiensten mit hoher Geschwindigkeit voran. Robotaxis gelten dabei als Schlüsselanwendung, um zusätzliche Geschäftsmodelle jenseits des klassischen Fahrzeugverkaufs zu erschließen. Mit dem Debüt des ersten speziell entwickelten Robotaxis setzt Geely ein deutliches Signal in Richtung Industrialisierung autonomer Mobilität. Ob sich das Konzept im großflächigen Einsatz bewährt, wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell regulatorische Rahmenbedingungen, technologische Reife und wirtschaftliche Skalierung zusammenfinden.