Open-Source-Initiative S-CORE wächst
VDA und Eclipse Foundation bauen Software-Ökosystem aus
Die Eclipse Foundation und der VDA erweitern ihr Open-Source-Ökosystem für softwaredefinierte Fahrzeuge deutlich. Mit Eclipse S-CORE soll eine gemeinsame Softwarebasis entstehen, die Entwicklungsaufwände senken und die Markteinführung beschleunigen soll.
Im Auto der Zukunft soll nach dem Willen großer Teile der Auto- und IT-Industrie nicht wettbewerbsdifferenzierende Software Open Source zur Verfügung gestellt werden.
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Die Eclipse Foundation und der Verband der Automobilindustrie (VDA) treiben den Aufbau eines offenen Software-Ökosystems für softwaredefinierte Fahrzeuge weiter voran. Innerhalb der Eclipse SDV Working Group ist die Zahl der Unternehmen, die das entsprechende Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet haben, seit dem Start im Juni deutlich gewachsen. Statt elf sind es inzwischen 32 Unterzeichner, insgesamt beteiligen sich nach Angaben der Initiatoren 52 Unternehmen an der Initiative.
„Die zunehmende Beteiligung an dieser Kooperation spiegelt
einen klaren globalen Trend hin zu offener Innovation in der Automobilindustrie
wider“, sagt Mike Milinkovich, Geschäftsführer der Eclipse Foundation.
„Marktvorreiter erkennen, dass vertrauenswürdige Grundlagen in Open-Source
unerlässlich sind, um die nächste Generation sicherer, intelligenter und
vernetzter Fahrzeuge zu entwickeln.“
Ziel der Zusammenarbeit ist es, nicht wettbewerbsdifferenzierende Software künftig gemeinsam als Open Source zu entwickeln. Damit reagieren die Beteiligten auf den stark wachsenden Softwareanteil in Fahrzeugen, der Entwicklungs- und Integrationsaufwände ebenso erhöht wie die langfristigen Wartungskosten über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus. Durch eine gemeinsame Basis sollen Fragmentierung reduziert und Ressourcen gezielter auf differenzierende Funktionen gelenkt werden.
S-CORE als Fundament für softwaredefinierte Fahrzeuge
Im Zentrum der Initiative steht Eclipse „S-CORE", ein offener Software-Stack, der Betriebssystem-, Middleware- und Basisfunktionen für softwaredefinierte Fahrzeuge bündelt. Auf dieser Basis können Fahrzeughersteller und Zulieferer eigene, herstellerspezifische Anwendungen und Funktionen entwickeln.
Die erste öffentliche Version von Eclipse S-CORE (Release 0.5) wurde im November 2025 veröffentlicht. Eine serienreife Version 1.0 ist für Ende 2026 geplant und soll als Ausgangspunkt für Fahrzeugprogramme dienen, die ab etwa 2030 auf den Markt kommen. Nach Einschätzung der Projektpartner lassen sich durch den gemeinsamen Ansatz Entwicklungs-, Integrations- und Wartungsaufwände um bis zu 40 Prozent reduzieren, während sich die Markteinführungszeit um bis zu 30 Prozent verkürzen lässt.
„Durch die gemeinsame Entwicklung von nichtdifferenzierender Software können Hersteller und Zulieferer ihre Ressourcen auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Bereitstellung einzigartiger, kundenorientierter Erlebnisse“, erklärt VDA-Geschäftsführer Marcus Bollig.
Wachsende internationale Beteiligung und klare Governance
Das Ökosystem umfasst Unternehmen entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette – von Fahrzeugherstellern über Zulieferer bis hin zu Software-, Halbleiter- und Cloud-Anbietern. Zu den neuen Unterzeichnern zählen unter anderem Accenture, AVL, Capgemini, Elektrobit, Infineon, LG Electronics, Qualcomm, Red Hat, Schaeffler oder T-Systems. Unter den Autobauern sind Stellantis und Traton neu dabei. Die Gründungsmitglieder wie BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, Bosch, ZF und Valeo bleiben weiterhin aktiv eingebunden.
Auch international stößt die Initiative auf Interesse. Gespräche mit Unternehmen aus den USA und Japan liefen bereits, während chinesische Hersteller bislang noch nicht aktiv am Projekt mitarbeiteten, heißt es von den Projektpartnern. Gleichzeitig betonen Eclipse Foundation und VDA, dass die Zusammenarbeit unter einer etablierten Open-Source-Governance erfolge. Transparente Entscheidungsprozesse, öffentliche Protokolle und klare kartellrechtliche Leitplanken sollen sicherstellen, dass Kooperation und Wettbewerb klar voneinander getrennt bleiben. Auf europäischer Ebene ist das Projekt zudem eng an Initiativen der EU-Kommission zur Stärkung der technologischen Souveränität angebunden.
Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten zu Eclipse S-CORE
- Was ist Eclipse S-CORE?
Eclipse S-CORE ist ein offener Software-Stack für softwaredefinierte Fahrzeuge. Er bündelt Betriebssystem-, Middleware- und Basisfunktionen und dient als technisches Fundament für herstellerspezifische Anwendungen.
- Liefert S-CORE autonome Fahrfunktionen?
Nein. S-CORE stellt ausschließlich die unteren Software-Schichten bereit. Autonome Fahrfunktionen und andere Applikationen werden von OEMs und Zulieferern darauf aufbauend entwickelt.
- Wie ist der Zeitplan des Projekts?
Die Initiative liegt im Plan. Eine serienreife Version 1.0 von Eclipse S-CORE ist für Ende 2026 vorgesehen.
- Wie viele Unternehmen sind beteiligt?
Aktuell sind 52 Unternehmen Mitglied der Eclipse-SDV-Initiative, 31 davon haben das Memorandum of Understanding unterzeichnet.
- Welche OEMs und Zulieferer machen mit?
Zu den Beteiligten zählen unter anderem BMW, Mercedes-Benz, Stellantis, Volkswagen, Bosch, ZF, Valeo sowie zahlreiche internationale Zulieferer, Software- und Halbleiterunternehmen.
- Warum tragen manche OEMs mehr Code bei als andere?
Die Menge an Code-Beiträgen ist kein Maßstab für Bedeutung oder spätere Nutzung. Entscheidend ist die Qualität und Relevanz der eingebrachten IP, nicht die Anzahl der Codezeilen.
- Welche Rolle spielen Tech-Unternehmen?
Tech-Unternehmen bringen vor allem Knowhow in den Bereichen Cloud, Backend, Infrastruktur, Over-the-Air-Updates und Cybersecurity ein – zentrale Bausteine softwaredefinierter Fahrzeuge.
- Ist das Projekt international ausgerichtet?
Ja. Neben europäischen Unternehmen gibt es Gespräche mit Akteuren aus den USA und Japan. Ein global einsetzbarer Software-Stack ist erklärtes Ziel.
- Ersetzt S-CORE bestehende proprietäre Software?
Teilweise. Nichtdifferenzierende Basissoftware soll durch Open Source ersetzt werden. Proprietäre Komponenten können weiterhin Teil des Gesamtsystems sein.
- Wie sind Wettbewerbs- und Kartellrechtsfragen geregelt?
Die Zusammenarbeit erfolgt unter der Governance der Eclipse Foundation mit klaren Antitrust-Regeln, transparenter Arbeitsweise und zusätzlicher kartellrechtlicher Prüfung durch den VDA.