Mehr digitale Souveränität

Volkswagen setzt auf Private Cloud von T-Systems

Volkswagen verlagert zentrale Anwendungen in eine neue konzernweite Private Cloud von T-Systems. Ziel sind mehr Kontrolle über Daten, höhere Resilienz und weniger Abhängigkeit von US-Hyperscalern. Doch der Umbau wirft Fragen zur künftigen Cloud-Strategie auf.

3 min
Volkswagen will T-Systems' Private Cloud in die bestehende IT-Landschaft integrieren, um mehr digitale Souveränität und Resilienz aufzubauen.

Volkswagen richtet seine IT-Infrastruktur neu aus und setzt dabei verstärkt auf eine zentrale Private Cloud. Künftig soll die sogenannte „Group Private Cloud 2.0“ als gemeinsame Plattform für Anwendungen im gesamten Konzern dienen. Den Aufbau und weltweiten Betrieb übernimmt T‑Systems im Rahmen eines umfassenden Großauftrags.

Neue Anwendungen werden nach Unternehmensangaben ab sofort in dieser Umgebung entwickelt, während bestehende Systeme schrittweise migriert werden sollen. Die neue Plattform ergänzt die bisherige IT im Eigenbetrieb und ist auf einen langfristigen Transformationsprozess ausgelegt. Um welche Unternehmensbereiche es sich konkret handelt, wollte Volkswagen auf Nachfrage von automotiveIT noch nicht sagen. 

Fokus auf Datensouveränität und Resilienz

Mit dem Schritt verfolgt der Konzern vor allem das Ziel, die Kontrolle über Daten und IT-Prozesse zu erhöhen. Volkswagen betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Datenverarbeitung im europäischen Rechtsraum. Sensible und geschäftskritische Anwendungen sollen verstärkt in einer Umgebung betrieben werden, die regulatorische Anforderungen leichter erfüllt und zugleich höhere Sicherheitsstandards ermöglicht. Die Cloud werde nach Unternehmensangaben auf den Rechenzentren in Wolfsburg und Ingolstadt laufen.

IT-Vorständin Hauke Stars beschreibt die Neuausrichtung als Teil einer umfassenderen Strategie: „Wir stärken unsere digitale Resilienz mit einer klugen Kombination aus Technologiepartnerschaften, europäischen Initiativen und starker eigener Infrastruktur.“ Zugleich formuliert sie den Anspruch, durch die Private Cloud künftig mehr Daten selbst zu verarbeiten und damit wirtschaftlich unabhängiger zu werden.

Das ist insbesondere interessant vor dem Hintergrund, dass Volkswagen in den kommenden Jahren intensiv in künstliche Intelligenz investieren will. Auf der letztjährigen IAA in München kündigte IT-Vorständin Stars an, bis 2030 bis zu einer Milliarde Euro für entsprechende Anwendungen in der Entwicklung oder der IT-Infrastruktur bereitzustellen. Die neue Private Cloud soll nun dazu beitragen, die unter anderem mit KI verarbeiteten, teils hochsensiblen Daten ausschließlich in Europa zu nutzen.

Private Cloud mit klassischen Cloud-Versprechen

Technisch setzt Volkswagen mit der „T Cloud Private“ auf eine dedizierte Infrastruktur, die sich von klassischen Public-Cloud-Angeboten unterscheidet. Während große Hyperscaler ihre Dienste in geteilten, global skalierbaren Umgebungen bereitstellen, verspricht die Private Cloud eine stärkere Kontrolle über Datenstandorte, Sicherheitsmechanismen und Betriebsprozesse. Gleichzeitig sollen typische Cloud-Eigenschaften wie Skalierbarkeit, Automatisierung und effizientere Ressourcennutzung erhalten bleiben.

Der Anspruch ist damit klar umrissen: Volkswagen will die Vorteile moderner Cloud-Architekturen nutzen, ohne die Kontrolle über kritische Daten abzugeben. Allerdings ist der Weg dorthin komplex. Die Transformation erfolgt nicht als radikaler Schnitt, sondern schrittweise und parallel zum laufenden Betrieb der bestehenden Systeme. Das deutet auf eine hybride Zielarchitektur hin, in der klassische IT-Strukturen und neue Cloud-Umgebungen über längere Zeit nebeneinander bestehen.

Damit steigen auch Anforderungen an Integration, Governance und Betrieb. Unklar bleibt bislang, nach welchen Kriterien Volkswagen die Migration priorisiert und wie schnell sich die angestrebten Effizienzgewinne tatsächlich realisieren lassen. Gerade in großen Konzernstrukturen gelten parallele IT-Landschaften als potenzielle Treiber zusätzlicher Komplexität und Kosten.

T‑Systems als zentraler Betreiber

Eine zentrale Rolle übernimmt dabei T‑Systems. Der Telekom-Dienstleister wird nicht nur die Infrastruktur bereitstellen, sondern die Cloud auch direkt an Volkswagen-Standorten betreiben. Damit verlagert der Automobilkonzern Teile der operativen Verantwortung an einen externen Partner, behält aber formal die Kontrolle über die Infrastrukturarchitektur.

T-Systems-CEO Ferri Abolhassan betont in diesem Zusammenhang den Kostenvorteil der deutschen Private Cloud: „Souveränität muss nicht teuer sein.“ Die T-Systems-Cloud verbinde geringere Kosten mit mehr Unabhängigkeit und Sicherheit. „Damit können wir sogar viele Public-Cloud-Angebote der Hyperscaler preislich unterbieten“, so Abolhassan.

Auch Volkswagen betont die finanzielle Dimension:  „Die Group Private Cloud gibt uns einen wirtschaftlichen Hebel in Preisverhandlungen mit Dritten“, so ein Sprecher des Unternehmens. Die gleiche wirtschaftliche Logik gelte zum Beispiel auch im Kontext der Batterietochter PowerCo.

Multi-Cloud bleibt gesetzt

Der Schritt hin zur Private Cloud bedeutet indes keine Abkehr von bestehenden Cloud-Partnerschaften. Volkswagen sehe in der neuen Public Cloud „kein Instrument der Abschottung“, heißt es gegenüber automotiveIT. Man bleibe eng mit internationalen Tech-Partnern verbunden und arbeite auch weiter mit ihnen zusammen. Die Wolfsburger verfolgen seit Jahren eine Multi-Cloud-Strategie und setzen insbesondere im industriellen Umfeld auf Public-Cloud-Angebote.

Ein zentrales Beispiel ist die Digitale Produktionsplattform (DPP), die gemeinsam mit Amazon Web Services entwickelt wurde. Diese „Fabrik-Cloud“ vernetzt zentrale Prozesse von Auftragseingang über Logistik bis zur Fertigung und dient als Grundlage für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Produktion. Bereits zahlreiche Werke sind an die Plattform angebunden, die kontinuierlich weiter ausgebaut wird.

Die DPP zeigt, wie stark Volkswagen auf skalierbare Cloud-Infrastrukturen angewiesen ist, wenn es um datenintensive Anwendungen und KI-Modelle geht. Parallel arbeitet der Konzern an weiteren Cloud-Initiativen, etwa für digitale Dienste im Fahrzeug.

Zwischen Souveränität und Skalierung

Vor diesem Hintergrund wird die neue konzernweite Private Cloud vor allem zur Ergänzung der bestehenden Strategie. Sie adressiert Anwendungen mit hohen Anforderungen an Datenschutz, Kontrolle und Compliance, während Public Clouds weiterhin für Skalierung und Innovation genutzt werden.

Volkswagen bleibt damit auf dem Weg eines differenzierten Cloud-Modells, das je nach Anwendungsfall unterschiedliche Plattformen vorsieht. Die Herausforderung wird sein, diese Welten konsistent zu orchestrieren. Ob der Spagat zwischen Souveränität, Effizienz und Innovationsfähigkeit gelingt, dürfte entscheidend für den Erfolg der neuen Cloud-Strategie sein.