Modernisierung der Konzern-IT
BMW ersetzt 30 Jahre altes IT-System für 15.000 Server
BMW hat ein 30 Jahre altes Verwaltungssystem für seine HPC-Infrastruktur abgelöst. Mit Red Hat Ansible automatisiert der Konzern die Verwaltung von 15.000 Servern und verkürzt einzelne Prozesse erheblich. Besonders die Zeitersparnis fällt deutlich aus.
Rechenintensive Anwendungen spielen in der Fahrzeugentwicklung bei BMW eine wichtige Rolle. Für Simulationen, 3D-Modellierung und Fahrzeugdesign nutzt der Konzern eine HPC-Infrastruktur mit rund 15.000 Servern, deren Verwaltung nun mit Red Hat Ansible automatisiert wurde.
BMW
Drei Jahrzehnte lang verwaltete BMW seine High-Performance-Computing-Infrastruktur (HPC) mit einer selbst entwickelten Software namens scVenus. Nun hat der Automobilhersteller das System durch die Red Hat Ansible Automation Platform ersetzt. Damit sollen sich die rund 15.000 Linux- und Windows-Server der HPC-Umgebung effizienter verwalten und IT-Services für etwa 30.000 interne Nutzer schneller bereitstellen lassen.
Die Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle in der Fahrzeugentwicklung. Auf den Systemen laufen rechenintensive Anwendungen für 3D-Modellierung, Fahrzeugdesign und virtuelle Crashtests. Wie groß der Bedarf an Rechenleistung ist, zeigt auch die Zusammenarbeit von BMW und Mistral AI bei der Crashsimulation. BMW führt nach eigenen Angaben jede Woche mehrere Tausend virtuelle Crashsimulationen durch und nutzt die dabei entstehenden Daten zunehmend für KI-Anwendungen.
Warum BMW sein bisheriges HPC-System ablöst
Bisher setzte BMW auf eine Verwaltungssoftware namens scVenus, die sich jedoch nach rund 30 Jahren dem Ende ihres Supports näherte. BMW benötigte deshalb eine skalierbare Lösung, die sich in bestehende IT- und Cloud-Umgebungen integrieren lässt und zugleich die Sicherheits- und Compliance-Anforderungen des Konzerns erfüllt.
Die Wahl fiel auf die Red Hat Ansible Automation Platform, mit der Infrastrukturkonfigurationen und wiederkehrende Verwaltungsaufgaben über sogenannte Ansible Playbooks automatisiert werden können.
Die Migration erfolgte in Zusammenarbeit mit Red Hat sowie den Technologiepartnern IBM und Puzzle ITC AG. Nach Unternehmensangaben wurden die zugehörigen Anwendungen, Server und Clients innerhalb des vorgesehenen Zeit- und Budgetrahmens umgestellt. Der laufende Betrieb der Entwicklungsinfrastruktur sollte dabei unbeeinträchtigt bleiben.
Von 60 Stunden auf 20 Minuten
Die Auswirkungen der Umstellung zeigen sich vor allem bei der Automatisierung komplexer Infrastrukturaufgaben. Nach Angaben von Red Hat benötigten bestimmte Prozesse zuvor bis zu 60 Stunden Rechenzeit über Tausende von Knoten hinweg. Mithilfe optimierter Ansible Playbooks ließen sich diese Aufgaben auf 20 Minuten verkürzen. Auch bei anderen regelmäßig anfallenden Verwaltungsprozessen ging der Zeitaufwand laut Red Hat deutlich zurück. Tätigkeiten, die zuvor zwölf Stunden beanspruchten, sollen nun innerhalb von drei Stunden abgeschlossen sein.
Zusätzlich hat BMW ein zentrales Self-Service-Portal eingerichtet. Darüber können Beschäftigte unter anderem Softwarelizenzen verlängern und Supportanfragen stellen. Die IT-Abteilungen sollen dadurch von wiederkehrenden Aufgaben entlastet werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausfallsicherheit. Redundante Systeme und automatisierte Disaster-Recovery-Prozesse sollen die Verfügbarkeit der Infrastruktur über mehrere Availability Zones hinweg absichern. Auch hierfür nutzt BMW den Infrastructure-as-Code-Ansatz.
BMW arbeitet parallel an weiteren Legacy-Systemen
Die Erneuerung der HPC-Verwaltung ist eines von mehreren IT-Modernisierungsprojekten bei BMW. Parallel arbeitet der Konzern mit AWS daran, mehr als 370 geschäftskritische Legacy-Anwendungen bis 2028 in neue Cloud-Architekturen zu überführen. Dabei kommen unter anderem KI-gestützte Verfahren zur Migration bestehender Mainframe-Anwendungen zum Einsatz.
Auch die Automatisierungsplattform von Red Hat könnte künftig über den HPC-Bereich hinaus eingesetzt werden. BMW prüft nach Angaben des Softwareanbieters eine Ausweitung auf weitere IT-Bereiche. Geplant sind unter anderem ereignisgesteuerte Automatisierungen, die wiederkehrende Störungen selbstständig erkennen und beheben sollen. Zudem bereitet der Konzern eine stärker containerisierte und Cloud-native Infrastruktur vor.
Welche Rolle KI bei der IT-Automatisierung spielen soll
Perspektivisch plant BMW außerdem den Einsatz von KI-Coding-Assistenten in Verbindung mit automatisierten Policy-as-Code-Verfahren. Damit sollen sich Entwicklungs- und Konfigurationsaufgaben beschleunigen lassen, während definierte Sicherheits- und Compliance-Vorgaben weiterhin eingehalten werden.
Der Ansatz fügt sich in die breitere KI-Strategie des Automobilherstellers ein. Im Interview mit automotiveIT erläuterte BMW-CIO Franz Decker kürzlich die Vision einer Agentic Enterprise. Zu den größten Herausforderungen zählt er dabei Governance, die Skalierung von KI-Anwendungen und den Umgang mit gewachsenen IT-Strukturen.
Bei der Automatisierung produktiver IT-Systeme zieht BMW allerdings klare Grenzen für den unmittelbaren Einsatz künstlicher Intelligenz. Johan Barnard, Team Lead Ansible Core bei der BMW Group, betont: „KI kann nicht direkt damit betraut werden, Produktionssysteme zu verwalten – dafür braucht es eine vertrauenswürdige Automatisierungsschicht.“