Einer der cleversten Fahrsimulatoren steht in Österreich
Die TU Graz und Magna präsentieren im neuen Advanced Driving Simulation Center einen der modernsten Fahrsimulatoren. Forschenden bietet er ein weit gefächertes Spektrum an Möglichkeiten, zu denen auch E-Mobilität und autonomes Fahren zählen
Das in Graz stationierte System bietet eine hohe Bandbreite sowie sechs Freiheitsgrade.
Lunghammer, TU Graz
Der Campus Inffeldgasse ist der größte der drei Standorte
der Universität Graz. Der Forschung bietet man hier im wahren Wortsinn Raum,
denn der Campus soll bis 2030 auf gut 185.000 Quadratmeter Nettogeschoßfläche
wachsen. Gemeinsam mit dem Technologieunternehmen Magna hat die Universität
dort nun einen der modernsten Fahrsimulatoren vorgestellt. Mit ihm will man die
Bedürfnisse an Forschung und Entwicklung neuester Fahrzeuggenerationen
bedienen.
Der Simulator soll das Fahrerlebnis äußerst realistisch
abbilden. So können Forschungs- und Entwicklungsteams am Simulator
unterschiedliche Fahrzeuge, Fahrwerks- und Reifensetups sowie verschiedene
Fahrerassistenzsysteme realitätsnah prüfen und optimieren. Die Verantwortlichen
betonen zunächst die hohe Bandbreite sowie die sechs Freiheitsgrade des
Systems. Mit einer Frequenz von über 100 Hz kann der Simulator selbst feinste
Vibrationen übertragen. Fahrer und Fahrerinnen können dadurch kleinste
Bodenwellen, Fahrbahnmarkierungen oder Änderungen der Reifentraktion spüren.
Das Cockpit wird dazu über sechs bewegliche Streben gesteuert, wodurch sich
Fahrzeugbewegungen in alle Richtungen präzise nachbilden lassen: vor, zurück,
Heben, Senken, Drehen, Neigen, Nicken.
Das System verspricht beschleunigte Entwicklungsprozesse
Zu den weiteren Besonderheiten zählen die VR-Integration
sowie eine extrem niedrige Latenz. Mit Virtual-Reality-Systemen lassen sich
verschiedenste Fahr- und Verkehrssituationen fotorealistisch simulieren,
wodurch die Anwender neue Anzeige-, Bedien- und Assistenzsysteme im Cockpit
testen können. Eine sehr schnelle Systemreaktion von drei bis vier
Millisekunden ermöglicht den Experten zufolge zudem ein realistisches
Fahrgefühl mit geringerem Risiko von Bewegungsübelkeit für Testfahrer und
Testfahrerinnen. „Zu den wichtigsten Einsatzbereichen zählen die Optimierung
und Abstimmung von Fahrwerk und Reifen verschiedenster Fahrzeugtypen in frühen
Phasen von Entwicklungsprojekten, weit bevor echte Fahrzeugprototypen zur
Verfügung stehen. Das beschleunigt Entwicklungsprozesse und schafft
zusätzlichen Raum für Innovationen“, sagt Severin Stadler, der als Leiter für
F&E seitens Magna verantwortlich für die Umsetzung des Zentrums ist.
Aufgrund der hohen Bandbreite kann der Simulator selbst feinste Vibrationen generieren,
die von verschiedenen Straßenbelägen im Fahrzeug ausgelöst werden, erläutert
Stadler. Für die Optimierung von Elektrofahrzeugen sei dies essenziell, da
Insassen diese Vibrationen wegen der fehlenden Motorgeräusche viel stärker
wahrnehmen als bei Verbrennern. Dank der VR-Technologie soll das Advanced
Driving Simulation Center zudem eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen bis hin zu
autonomen Fahrzeugen spielen.
Arno Eichberger, Leiter des Instituts für Fahrzeugtechnik,
betont: „Das Advanced Driving Simulation Center erlaubt uns Fahrzeugstudien
durchzuführen, deren Ergebnisse exakt mit den physikalischen Gegebenheiten der
realen Welt übereinstimmen“. Mit dem neuen Simulator schließt man ihm zufolge
die Lücke zwischen theoretischer Fahrzeugmodellierung und realer menschlicher
Wahrnehmung der Testfahrer. Magna wird das Advanced Driving Simulation Center
in Entwicklungsprojekten mit internationalen Automobilherstellern nutzen und
Innovation im Rahmen von Forschungsprojekten am Standort forcieren. Der
Zulieferer übernahm die Anschaffungs- und Installationskosten, die TU Graz
finanziert den laufenden Betrieb des Centers.