SDV-Architekturen, KI und digitale Plattformen im Fokus

Das sind die Software-Innovationen auf der CES 2026

Softwaredefinierte Fahrzeuge, KI-basierte Wahrnehmung und virtualisierte Entwicklungsumgebungen prägen die CES in diesem Jahr. Wir zeigen, wie IT-Architekturen, Plattformen und Datenmodelle die nächste Fahrzeuggeneration formen.

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Die CES 2026 steht sinnbildlich für den Wandel des Automobils. Digitale Strukturen und softwarebasierte Logik werden zum prägenden Fundament der Mobilität.

Die CES steht seit Jahren für technologische Richtungsentscheidungen – auch 2026 bildet da keine Ausnahme. In diesem Jahr rücken insbesondere Software- und IT-Themen rund um das Fahrzeug in den Mittelpunkt – und das, obschon viele Autobauer der Technologiemesse dieses Mal die kalte Schulter zeigen. Daher sind es vor allem Zulieferer und Tech-Unternehmen, die präsentieren, wie sich komplexe SDV-Architekturen, KI-basierte Fahrfunktionen und digitale Entwicklungsplattformen skalierbar umsetzen lassen und welche Rolle Daten, Virtualisierung und Cloud-Anbindung dabei spielen. Parallel dazu finden sich auf der Messe zahlreiche Neuheiten aus angrenzenden Technologiebereichen, etwa aus Sensorik, Hochfrequenz- und Messtechnik oder der Anzeige- und Systemtechnik. Diese Aspekte greifen unsere Kolleginnen und Kollegen bei all-electronics in einem eigenen CES-Vorbericht auf.

Elektrobit: SDV-Architekturen zwischen Komplexität und Serienreife

Elektrobit adressiert die zunehmende Komplexität softwaredefinierter Fahrzeuge mit modularen Software- und Plattformbausteinen. Im Fokus stehen ein sicherheitszertifizierbares Linux für ADAS- und Cockpit-Systeme, automatisierte Integrations- und Testprozesse entlang von CI/CD-Workflows sowie skalierbare Cockpit-Plattformen auf Basis modularer Betriebssysteme. Ergänzt wird der Ansatz durch eine gemeinsam mit Foxconn entwickelte EV-Plattform, die standardisierte Steuergeräte und eine herstellerunabhängige Softwarearchitektur kombiniert. Ziel ist es, Entwicklungsaufwand zu reduzieren und gleichzeitig die Serienreife abzusichern.

QNX: Softwarebasis für sicherheitskritische Fahrzeugplattformen

QNX stellt softwarebasierte Cockpit- und Systemplattformen für zentralisierte, sicherheitskritische Embedded-Architekturen vor.
QNX positioniert eine integrierte Softwareplattform als Basis für sicherheitskritische Fahrzeugfunktionen.

QNX positioniert sich als grundlegende Softwarebasis für softwaredefinierte Fahrzeuge und andere sicherheitskritische Systeme. Im Mittelpunkt steht eine gemeinsam mit Vector entwickelte Fahrzeugsoftwareplattform, die Betriebssystem, Virtualisierung und Middleware eng verzahnt. Ergänzend werden cloudbasierte Entwicklungsumgebungen für digitale Cockpits sowie Softwarelösungen für zentralisierte Audioarchitekturen vorgestellt. Ziel ist es, Integrationsaufwand zu senken und komplexe Software-Stacks beherrschbar zu machen.

Imagry: Autonomes Fahren ohne HD-Karten und Lidar

Imagry verfolgt einen softwarezentrierten Ansatz für autonomes Fahren, der vollständig ohne HD-Karten und Lidar auskommt. Stattdessen setzt das System auf KI-gestützte, überwachte Lernmodelle und kamerabasierte Wahrnehmung, um die Umgebung in Echtzeit zu interpretieren. Fahrzeuge leiten befahrbare Routen direkt aus dem aktuellen Verkehrsgeschehen ab. Die Lösung ist plattformunabhängig ausgelegt und bereits in mehreren internationalen Projekten des autonomen öffentlichen Verkehrs im Einsatz.

Aumovio: Virtualisierte Entwicklungsumgebungen für SDV-Plattformen

Aumovio zeigt auf der CES, wie sich softwaredefinierte Fahrzeuge mit durchgängig virtualisierten Entwicklungsumgebungen realisieren lassen. Vorgestellt werden zentrale Rechnerarchitekturen, Zonensteuergeräte und standardisierte Schnittstellen, mit denen sich Fahrzeugfunktionen frühzeitig softwareseitig entwickeln und testen lassen. Der Fokus liegt auf Skalierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und der Entkopplung von Software und Hardware. Ergänzend werden modulare Systeme für assistiertes und automatisiertes Fahren gezeigt.

Aumovio demonstriert auf der CES 2026 erstmals die Leistungsfähigkeit der neuesten Generation ihres Vehicle Control High-Performance Computers. Dieser bündelt zum Beispiel Funktionen aus den Bereichen Fahrwerk, Fahrdynamik und Komfort und basiert auf der neuen „Super-Integrationsprozessor-Serie S32N7" von NXP Semiconductors. Der S32N79 vereinfache die Systemarchitektur, indem er verschiedene Domänen auf einer einzigen Plattform zusammenführt. Gleichzeitig ermögliche er ein sicheres, modular aufgebautes Rechensystem, in dem mehrere zentrale Fahrzeugfunktionen hardwareseitig voneinander getrennt und zuverlässig gemeinsam betrieben werden können. „Unser Ziel ist es, Rechenleistung im Fahrzeug sicherer, effizienter und flexibler zu machen“, erklärt Jean-François Tarabbia, Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsfelds Architecture and Network Solutions bei Aumovio. „Unser VC HPC schafft die technologische Grundlage, dass Fahrzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg reibungslos neue und verbesserte Software-Funktionen erhalten können.“

Der Vehicle Control High-Performance Computer von Aumovio mit dem NXP S32N79 bündelt Funktionen aus den Bereichen Fahrwerk, Fahrdynamik und Komfort in einer integrierten Fahrzeugarchitektur.

Die neueste Generation des VC HPC kombiniere Aumovios System- und Softwarekompetenz mit der Leistungsfähigkeit und Sicherheitsarchitektur des neuen S32N79 von NXP. Durch die Virtualisierung der gesamten Entwicklungs- und Testumgebung habe das Technologieunternehmen die Software bereits im digitalen Zwilling erstellen und validieren können, noch bevor der physische Chip verfügbar gewesen sei. Dadurch habe Aumovio nach Erhalt des ersten S32N79 den VC-HPC-Prototyp in kürzester Zeit funktionsfähig aufbauen können.  „Unsere enge Zusammenarbeit mit Aumovio zeigt, wie wichtig es ist, Hardware und Software von Anfang an gemeinsam zu denken - von der Systemarchitektur bis zur Integration in reale Fahrzeugumgebungen“, kommentiert Jens Hinrichsen, Executive Vice President und General Manager, Analog and Automotive Embedded Systems bei NXP. „Unsere Lösungen verschaffen Automobilherstellern einen klaren Vorteil bei der Umsetzung softwaredefinierter Fahrzeugkonzepte - mit einer Plattform, die skalierbar, sicher, energieeffizient & über die gesamte S32N-Familie hinweg softwarekompatibel ist." 

Bosch: Softwarebasierte Mobilität und Datensysteme

Bosch bündelt auf der CES seine Aktivitäten rund um softwarebasierte Mobilität, datengetriebene Plattformen und KI-gestützte Systeme. Thematisiert werden unter anderem Flottenservices, Fahrzeugbewegungsmanagement und softwaredefinierte Fahrzeugfunktionen. Auch im Umfeld von Smart Home und Fertigung setzt Bosch auf cloudnahe Architekturen und datenbasierte Ansätze. Der Auftritt verdeutlicht, wie stark sich die Wertschöpfung im Mobilitätsumfeld in Richtung Software und Services verschiebt.

dSPACE: KI-gestützte Teststrategien für softwaredefinierte Fahrzeuge

KI-gestützte Software-in-the-Loop- und Hardware-in-the-Loop-Lösungen von dSPACE ermöglichen eine durchgängige Validierung softwaredefinierter Fahrzeuge – von der virtuellen Entwicklung bis zur HIL-Absicherung.
DSpace zeigt auf der CES 2026, wie sich SDV-Software mit KI-gestützten SIL-/HIL-Tests und cloud-nahen CI/CT-Konzepten effizient und skalierbar absichern lässt.

DSpace adressiert die wachsende Komplexität softwaredefinierter Fahrzeuge mit KI-gestützten Test- und Validierungslösungen. Im Fokus stehen Software-in-the-Loop- und Hardware-in-the-Loop-Ansätze, die sich nahtlos in CI/CD- und CI/CT-Workflows integrieren lassen. Gezeigt werden cloud-nahe Testpipelines sowie Lösungen für das effiziente Management von HIL-Testfarmen. Ergänzend stellt dSPACE ein Cybersecurity-Testframework vor, das Sicherheitsprüfungen frühzeitig in den Entwicklungsprozess integriert und so die Serienreife von SDV-Architekturen unterstützt.

Renesas: Rechenplattform für softwaredefinierte Fahrzeuge

Der R-Car X5H von Renesas ist der erste Automotive-Multi-Domain-SoC in 3-nm-Technologie und vereint ADAS-, Infotainment- und Gateway-Funktionen auf einem Chip.
Mit dem R-Car X5H präsentiert Renesas eine zentrale Rechenplattform für softwaredefinierte Fahrzeuge, ausgelegt für KI-basierte Multi-Domain-Architekturen.

Renesas erweitert zur CES 2026 sein SDV-Portfolio um den R-Car X5H, den ersten Automotive-Multi-Domain-SoC in 3-nm-Technologie. Der Baustein vereint ADAS-, IVI- und Gateway-Funktionen auf einer zentralen Rechenplattform und ist auf KI-basierte Fahrzeugarchitekturen ausgelegt. Ergänzend stellt Renesas das offene RoX Whitebox SDK vor, das Linux-, Android- und Hypervisor-Umgebungen integriert und CI/CD-nahe Entwicklungsansätze unterstützt. Ziel ist es, die Entwicklung skalierbarer, softwaredefinierter Fahrzeuge mit kurzen Markteinführungszeiten zu ermöglichen.

ZF: Softwarebasierte Geräuschreduktion für das softwaredefinierte Fahrwerk

ZF reduziert Reifengeräusche direkt im Fahrwerk: Sensoren, intelligente Algorithmen und semiaktive Dämpfer kompensieren störende Vibrationen rein softwarebasiert.
ZF demonstriert unter anderem mit „Active Noise Reduction“, wie sich neue Komfortfunktionen im softwaredefinierten Fahrzeug durch Software über vernetzte Fahrwerksaktuatoren realisieren lassen.

ZF und Qualcomm vertiefen ihre Partnerschaft, wie die Unternehmen auf der CES bekanntgeben. Im Mittelpunkt steht dabei eine skalierbare ADAS Plattform, die leistungsfähige KI Rechenarchitekturen mit kamerabasierter Wahrnehmung und Sensorfusion verbindet. Grundlage ist der ZF ProAI Supercomputer in Kombination mit den Snapdragon Ride System on Chips, die je nach Fahrzeugarchitektur als Zonen, Domain oder Zentralrechner eingesetzt werden könnten. Die Lösung decke ein breites Spektrum von Fahrerassistenzfunktionen ab, von Komfort und Parken bis hin zu freihändigem Fahren auf der Autobahn und urbaner Assistenz auf Level 3 Niveau. Besonderes Augenmerk liegt auf einer offenen und modularen Architektur, die Fahrzeugherstellern hohe Flexibilität bei der Auswahl und Integration von Softwarefunktionen biete und auch Drittanbieter einbinde. Ergänzt wird das System durch eine Entwicklungsumgebung mit Simulations und Testtools, die eine schnelle Validierung und Skalierung über verschiedene Fahrzeugklassen hinweg ermögliche. Damit wollen ZF und Qualcomm zentrale Anforderungen der Branche wie kurze Entwicklungszeiten, hohe Sicherheitsstandards, Over the Air Updates und eine langfristige Erweiterbarkeit über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus adressieren. 

Mercedes treibt die Softwareintegration im Fahrzeug voran

Mercedes-Benz rückt die Software als zentralen Innovationshebel im Fahrzeug in den Fokus. Der Hersteller nutzt die Messe, um zu zeigen, wie sich digitale Plattformen, KI-Technologien und Partnerlösungen künftig zu einer durchgängigen Softwarearchitektur verbinden sollen. Im Mittelpunkt steht das neue Betriebssystem MB.OS, das als technisches Fundament für die nächste Fahrzeuggeneration dient. Es trennt Hardware und Software konsequent voneinander, ermögliche schnellere Updates over the air und schaffe die Basis für neue Funktionen über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg. Gleichzeitig öffnet MB.OS die Plattform stärker für externe Technologiepartner und deren Dienste.

Der neue elektrische Mercedes-Benz GLC feiert auf der CES 2026 sein Debüt in den USA.

Darauf aufbauend präsentiert Mercedes-Benz die vierte Generation des Infotainmentsystems MBUX, das erstmals KI-Technologien von Microsoft und Google integriert. Ziel ist es, Sprachbedienung, Personalisierung und Kontextverständnis deutlich zu erweitern. Das System soll nicht nur auf einzelne Sprachbefehle reagieren, sondern Nutzerabsichten erkennen und Funktionen proaktiv vorschlagen – etwa bei Navigation, Medien oder Fahrzeugbedienung. Ergänzt wird diese Softwarestrategie durch eine enge Verzahnung mit Apple CarPlay, das künftig Spatial Audio mit Dolby Atmos unterstützt und tiefer in das MBUX-System eingebunden ist. Auch im Bereich digitaler Inhalte demonstriert Mercedes-Benz neue softwarebasierte Ansätze. Video-Streaming-Lösungen wie DTS AutoStage Video powered by TiVo sowie Ridevu von Sony Pictures Entertainment bringen IMAX-optimierte Inhalte und DTS:X-Sound ins Fahrzeug. Die Angebote seien softwareseitig so ausgelegt, dass sie sich dynamisch an Fahrzeugzustand, Displaykonfiguration und Nutzungsszenarien anpassen – etwa während Ladepausen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Software für Fahrerassistenzsysteme. Mit MB.DRIVE zeigt Mercedes-Benz eine Plattform, die Fahrassistenz und Navigation softwareseitig zusammenführt. Entwickelt in Partnerschaft mit Nvidia, nutzt das System KI-Modelle, Full-Stack-AV-Software und die Rechenplattform NVIDIA DRIVE AGX. Funktionen wie MB.DRIVE Assist Pro ermöglichen automatisiertes Fahren auf SAE-Level 2, bei dem Software kontinuierlich durch Daten, Simulation und Updates weiterentwickelt wird.

HERE Technologies: KI-gestützte Karten- und Softwareplattform für das softwaredefinierte Fahrzeug

Here Technologies zeigt auf der CES 2026, wie KI-gestützte Karten, Softwareplattformen und Entwicklungswerkzeuge Navigation, Fahrerassistenz und automatisierte Fahrfunktionen zu einer durchgängigen SDV-Architektur zusammenführen.
Here zeigt auf der CES 2026, wie KI-gestützte Karten, Softwareplattformen und Entwicklungswerkzeuge Navigation, Fahrerassistenz und automatisierte Fahrfunktionen zu einer durchgängigen SDV-Architektur zusammenführen.

Here Technologies rückt auf der CES 2026 seine Karten- und Softwareplattform als integralen Baustein softwaredefinierter Fahrzeuge in den Fokus. Vorgestellt wird ein KI-gestütztes Portfolio, das Navigation, Fahrerassistenz und automatisierte Fahrfunktionen auf einer einheitlichen Daten- und Softwarebasis zusammenführt. Ziel ist es, bislang getrennte Systeme zu konsolidieren, Komplexität und Kosten zu reduzieren und zugleich markenspezifische Nutzererlebnisse über globale Fahrzeugplattformen hinweg zu ermöglichen.

Kern des Ansatzes ist eine Live-Karte in Kombination mit modularen Softwarebausteinen und SDKs für Navigation und ADAS. Bereits in der Entwicklungsphase können OEMs digitale Cockpits und Assistenzfunktionen in virtualisierten Umgebungen entwerfen, testen und validieren. Im Fahrzeug selbst unterstützt die Plattform eine enge Verzahnung von Navigation, ADAS und perspektivisch auch Navigation on Autopilot.

Technisch erweitert Here sein Navigation SDK um fahrspurspezifische Visualisierungen und kontextbezogene Routenführung. Ergänzt wird dies durch die E-Horizon-Technologie, die vorausschauende Informationen über den Streckenverlauf liefert und Assistenzfunktionen über die Reichweite der Bord-Sensorik hinaus absichert. Für die Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen zeigt Here zudem KI-gestützte Werkzeuge für Simulation und Validierung.

Mit dem CES-Auftritt positioniert sich Here Technologies als Software- und Datenpartner für SDV-Architekturen. Karten- und ortsbezogene Daten werden dabei nicht mehr nur als Navigationsgrundlage verstanden, sondern als zentrale Softwarekomponente für skalierbare Fahrzeugplattformen über den gesamten Lebenszyklus hinweg.