Kontrollierter Fortschritt

Wie weitreichend ist das Software-Update der neuen S-Klasse?

Mit der neuen S-Klasse modernisiert Mercedes-Benz sein Flaggschiff gezielt weiter. Kern der automobilen „Neuerfindung“ ist die Software. Welche  digitalen Features wurden bereits angekündigt und wie weitreichend ist die Modernisierung am Ende tatsächlich?

2 min
Getarnter Prototyp der neuen Mercedes-Benz S-Klasse in einer Halle. Das Fahrzeug ist mit orange-schwarzer Tarnfolie versehen und steht vor einer weißen Wand mit MANUFAKTUR-Schriftzug.
Mercedes-Benz zeigt erste Details der überarbeiteten S-Klasse. Die Modellpflege der Baureihe W223 soll unter anderem Software, Komfortfunktionen und Individualisierungsoptionen weiterentwickeln.

Mit der Ankündigung der neuen S-Klasse schlägt Mercedes-Benz kein neues Kapitel auf, sondern schreibt eine bewährte Geschichte konsequent weiter. Im Mittelpunkt steht eine umfassende Überarbeitung der aktuellen Baureihe W223, die den Anspruch des Modells als technologische und komfortorientierte Referenz im Luxussegment untermauern soll. Nach Angaben des Automobilherstellers wurden mehr als 50 Prozent der Bauteile neu entwickelt oder überarbeitet, insgesamt rund 2.700 Komponenten. Mercedes nutzt die Modellpflege damit gezielt, um die S-Klasse in zentralen Bereichen zu modernisieren, ohne ihre Grundarchitektur oder ihre Rolle innerhalb der Modellpalette zu verändern. 

„Die S-Klasse gilt als Ikone. 1972 erhielt die Baureihe 116 erstmals offiziell die Bezeichnung S-Klasse, auch wenn ihre Geschichte bis ins Jahr 1903 zurückreicht. Seit jeher steht sie für technologische Neuerungen. So feierten unter anderem die Sicherheitskarosserie und das erste elektronisch geregelte Antiblockiersystem (ABS) in der Luxusklasse von Mercedes-Benz ihre Premiere. Dank der Arbeit der Teams rund um den Globus setzt die S-Klasse diese Tradition fort", kündigt Jörg Burzer, Produktionsvorstand beim Stuttgarter Automobilhersteller in einem Post bei LinkedIn an. 

CEO Ola Källenius ordnet die Weiterentwicklung entsprechend ein. Die S-Klasse stehe wie kaum ein anderes Fahrzeug für den technologischen Anspruch der Marke und für kontinuierlichen Fortschritt, so der Mercedes-Chef. Dieses Selbstverständnis solle auch die überarbeitete Version prägen. In einem vorab veröffentlichten YouTube-Video gibt er einen ersten Einblick in das noch getarnte Fahrzeug und skizziert die inhaltlichen Schwerpunkte der Überarbeitung. Noch vor der Weltpremiere am 29. Januar 2026 nennt Mercedes-Benz erste Anpassungen, unter anderem bei der Software-Architektur, bei digitalen Personalisierungsoptionen sowie bei der softwaregestützten Auslegung von Komfort- und Fahrwerksfunktionen. 

MB.OS als neue Softwarebasis der S-Klasse 

Zu den technischen Schwerpunkten der überarbeiteten S-Klasse zählt nach Angaben von Mercedes-Benz die weiter gestärkte Rolle von Software, insbesondere im Bereich Infotainment und Bedienung. Mit dem Facelift sollen erstmals Elemente des Mercedes-Benz Operating System in das Luxusmodell integriert werden. MB.OS bilde künftig die Grundlage für eine stärkere Bündelung und Weiterentwicklung digitaler Fahrzeugfunktionen, bleibe in der aktuellen Ausprägung jedoch in die bestehende Architektur eingebettet. Mercedes-Benz verfolge damit keinen grundlegenden Neustart, sondern einen schrittweisen Ausbau der Softwarebasis innerhalb der bestehenden Fahrzeugstruktur. 

Konkret kündigt der Hersteller ein Software-Upgrade für das MBUX-Infotainmentsystem an. Ziel sei es, die Bedienung intuitiver zu gestalten und die digitale Nutzererfahrung weiterzuentwickeln. Optimierungen sollen dabei auch per Over-the-Air-Updates erfolgen. Diese würden unter anderem die Navigation verbessern und den Sprachassistenten funktional erweitern. Nach Angaben von Mercedes-Benz komme dabei künstliche Intelligenz zum Einsatz, unter anderem durch die Integration von ChatGPT über den Microsoft Azure OpenAI Service. Die Aktivierung des Sprachassistenten erfolge weiterhin über den bekannten Sprachbefehl, die Interaktion solle jedoch stärker kontextbezogen ausfallen und komplexere Dialoge ermöglichen. 

Mercedes setzt auf  digital unterstützte Individualisierung

Auch die Navigationsdarstellung werde softwareseitig weiterentwickelt. Eine hochauflösende Google-Satellitenansicht ergänze die Kartenansicht um eine Vogelperspektive, die insbesondere in komplexen Verkehrssituationen für bessere Übersicht sorgen könne. Darüber hinaus baue Mercedes-Benz das digitale Entertainment-Angebot aus. Mit dem Entertainment-Paket Plus sollen zusätzliche Streaming-Dienste direkt im Fahrzeug nutzbar werden, darunter die YouTube Web App sowie der Video-Streaming-Dienst Ridevu von Sony Pictures Entertainment. 

Parallel dazu verweist Mercedes-Benz auf softwarebasierte Weiterentwicklungen klassischer Komfortfunktionen. Dazu zähle unter anderem die Airmatic Luftfederung, deren Regelung weiter verfeinert worden sei und Fahrbahnunebenheiten situationsabhängig ausgleichen solle. Ergänzt werde dies durch erweiterte Manufaktur Made to Measure-Optionen, die eine leistungsfähigere digitale Infrastruktur voraussetzten, da Individualisierung, Konfiguration und Fertigung stärker softwaregestützt miteinander verknüpft würden. Insgesamt positioniert der OEM die Software in der S-Klasse weniger als eigenständiges Innovationsmerkmal, sondern als unterstützenden Faktor für Komfort, Qualität und Personalisierung.