Valtech-Studie

Agentic AI trifft Unternehmen unvorbereitet

Künstliche Intelligenz hat sich im Arbeitsalltag etabliert. Eine Valtech-Studie zeigt jedoch, dass Prozesse, Governance und IT-Strukturen vieler Unternehmen noch nicht auf Agentic AI vorbereitet sind.

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Das Potenzial von KI-Agenten beruht allem voran auf Umsatzsteigerungen und Kosteneffizienz.

Künstliche Intelligenz wird in vielen Unternehmen bereits regelmäßig eingesetzt. Nach Angaben der Valtech-Studie „The Agentic Age“ berichten 86 Prozent der Befragten, dass KI ihre Produktivität um mindestens zehn Prozent erhöht hat. Grundlage der Untersuchung ist eine strukturierte Online-Befragung von 1.003 Fachkräften aus Europa, den USA und dem asiatisch-pazifischen Raum. Alle Teilnehmenden nutzten KI bereits im beruflichen Kontext. Die Erhebung fand im Mai 2026 statt. Befragt wurden Fachkräfte aus Bereichen wie Operations, Software Engineering, Data Science, Produktmanagement, Marketing, Finanzen, Strategie, digitaler Transformation, Qualitätssicherung und Programmmanagement.

Die Ergebnisse zeigen, dass KI die Experimentierphase in Teilen des Arbeitsalltags verlassen hat. Gleichzeitig bleibt ihr Einsatz häufig auf einzelne Anwendungen, Teams oder Prozessschritte begrenzt.

Warum durchgängige KI-Prozesse fehlen

75 Prozent der Befragten geben an, noch keine integrierten oder durchgängig KI-gestützten Arbeitsprozesse erreicht zu haben. Einzelne Anwendungen sind demnach zwar vorhanden, aber häufig nicht mit angrenzenden Systemen, Datenquellen und Arbeitsschritten verbunden. Der Engpass liegt damit weniger beim Zugang zu KI als bei ihrer Einbettung in betriebliche Abläufe. Fragmentierte Systeme, getrennte Zuständigkeiten und uneinheitliche Regeln erschweren eine unternehmensweite Nutzung. Nur 4,3 Prozent der Befragten glauben, dass zusätzliche KI-Pilotprojekte den größten Mehrwert schaffen würden. Erwartet werden stattdessen weniger Reibungsverluste zwischen Teams, Anwendungen und Prozessen.

Agentic AI auf dem automotiveIT Kongress 2026

Agentic AI wird auch auf dem automotiveIT Kongress am 14. Oktober 2026 in Ingolstadt eine Rolle spielen. Im Fokus stehen die Voraussetzungen für skalierbare KI – von Datenqualität und Governance bis zu moderner Infrastruktur und integrierten Prozessen. Der Kongress zeigt, wie IT entlang der automobilen Wertschöpfung zum strategischen Hebel werden kann. CIOs, CDOs, CTOs und IT-Verantwortliche diskutieren dazu Anwendungen, Architekturfragen und neue Betriebsmodelle.

Eine im Februar 2026 veröffentlichte Cognizant-Studie hatte diese Lücke bereits aus technischer Perspektive beschrieben. 85 Prozent der dort befragten Führungskräfte äußerten die Sorge, dass ihre bestehende Technologiebasis die Integration und Skalierung von KI gefährden könnte. Die Valtech-Ergebnisse zeigen nun, wie sich solche Defizite in den Arbeitsabläufen auswirken.

Von der Assistenz zur Agentic AI

KI wird im Arbeitsalltag häufig als Assistenzsystem eingesetzt. Agentic AI erweitert diesen Ansatz um die eigenständige Ausführung klar definierter Aufgaben. Solche Systeme können mehrere Anwendungen einbeziehen, Prozessschritte koordinieren und innerhalb festgelegter Grenzen Aktionen auslösen. Damit stellt sich für Unternehmen die Frage, wo KI unterstützen, wo sie handeln und an welchen Stellen der Mensch entscheiden soll. Diese Abgrenzung betrifft sowohl technische Berechtigungen als auch organisatorische Verantwortlichkeiten. Je mehr Aufgaben ein System übernimmt, desto klarer müssen Kontrollpunkte und Freigaben definiert sein.

Welche Aufgaben soll KI übernehmen?

85 Prozent der von Valtech befragten Fachkräfte wünschen sich, dass KI mehr repetitive Aufgaben übernimmt. 79 Prozent erwarten dadurch zusätzliche Zeit für Tätigkeiten, die Beurteilung, Kreativität oder fachliche Abwägung erfordern.

77 Prozent sprechen sich außerdem dafür aus, KI stärker zur Verbindung von Teams und Systemen einzusetzen. Die Erwartungen richten sich damit zunehmend auf durchgängige Abläufe statt auf einzelne Anwendungen. Beschäftigte verbinden den Einsatz von Agentic AI vor allem mit einer Entlastung im Arbeitsalltag. Zugleich soll KI Übergaben beschleunigen und die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg erleichtern.

Menschliche Kontrolle bleibt gefordert

Die Infografik trägt die Überschrift „Agentic AI: Sind Unternehmen technisch und organisatorisch vorbereitet?“.
Sie zeigt zentrale Ergebnisse der Valtech-Studie „The Agentic Age“ aus dem Jahr 2026.
Die Grafik ist im Hochformat gestaltet.
Der Hintergrund ist hell und weitgehend weiß.
Als Akzentfarben werden Dunkelblau und Petrol verwendet.
Im oberen rechten Bereich ist die technische Linienzeichnung eines modernen Autos zu sehen.
Unter der Überschrift steht der Hinweis, dass KI die Produktivität steigert, während durchgängige Prozesse häufig noch fehlen.
Die Infografik ist in zwei große Inhaltsbereiche gegliedert.
Der linke Bereich zeigt eine vereinfachte System- und Prozessdarstellung.
Im Zentrum befindet sich ein sechseckiges Element mit der Beschriftung „Agentic AI“.
Das zentrale KI-System ist mit mehreren Unternehmensbereichen verbunden.
Zu den dargestellten Bereichen gehören Entwicklung, Produktion, Logistik und Aftersales.
Oberhalb der zentralen KI-Komponente ist eine Datenplattform dargestellt.
Pfeile symbolisieren den Daten- und Informationsaustausch zwischen den Systemen.
Unterhalb der Systemarchitektur wird ein vereinfachter Prozessablauf gezeigt.
Der Prozess beginnt mit dem Erfassen von Daten.
Anschließend werden die Daten analysiert.
Danach plant das KI-System die erforderlichen Schritte.
Auf die Planung folgt die Ausführung einer definierten Aufgabe.
Am Ende des Prozesses ist eine menschliche Freigabe vorgesehen.
Der rechte Bereich der Infografik zeigt fünf Studienergebnisse in Prozent.
86 Prozent der Befragten geben an, dass KI ihre Produktivität um mindestens zehn Prozent verbessert hat.
75 Prozent haben noch keine integrierten oder durchgängigen KI-gestützten Arbeitsprozesse erreicht.
77 Prozent wünschen sich eine bessere Zusammenarbeit über Teams und Systeme hinweg.
74 Prozent akzeptieren, dass KI klar definierte Aufgaben eigenständig übernimmt.
Voraussetzung dafür ist, dass die Verantwortung beim Menschen bleibt.
Nur vier Prozent sehen zusätzliche KI-Pilotprojekte als größten Hebel für weiteren Mehrwert.
Jeder Prozentwert wird durch ein eigenes sachliches Symbol ergänzt.
Am unteren Rand fasst eine hervorgehobene Aussage die Kernaussage der Grafik zusammen.
Die Aussage betont, dass die Integration von KI in Prozesse und Systeme den entscheidenden Engpass bildet.
Die Valtech-Studie zeigt, wie groß die Lücke zwischen der Akzeptanz von Agentic AI und ihrer organisatorischen Umsetzung ist: Während 86 Prozent der Befragten bereits Produktivitätsgewinne durch KI verzeichnen, fehlen in drei Vierteln der Unternehmen noch durchgängige KI-gestützte Prozesse.

74 Prozent der Befragten akzeptieren die eigenständige Ausführung klar definierter Aufgaben durch KI, sofern Verantwortung und Kontrolle beim Menschen bleiben. Vor allem bei Personalentscheidungen, strategischen Fragen sowie ethisch oder geschäftlich riskanten Themen wird weiterhin eine menschliche Freigabe erwartet. Unternehmen müssen daher festlegen, welche Aufgaben automatisiert werden dürfen und wann ein Eingreifen erforderlich ist. Dafür braucht es nachvollziehbare Entscheidungswege und klar zugewiesene Zuständigkeiten. Auch bei weitgehend automatisierten Prozessen bleibt die Verantwortung für Freigaben und Folgen bei der Organisation.

Governance und Systeme als Engpass

Die Studie nennt fragmentierte Systeme, getrennte Arbeitsabläufe und uneinheitliche Governance als zentrale Hindernisse. 75 Prozent der Befragten haben bislang keine integrierten oder durchgängig KI-gestützten Prozesse erreicht.

Die Cognizant-Studie vom Februar 2026 ergänzt diesen Befund aus technischer Sicht. Nur 17 Prozent der dort befragten Führungskräfte hielten ihre Infrastruktur für geeignet, agentische Systeme zu tragen. Damit zeigt sich, dass organisatorische und technische Voraussetzungen eng zusammenhängen. Fehlende Standards erschweren zudem die Kontrolle automatisierter Prozessketten. Unternehmen müssen deshalb Regeln für Datenzugriffe, Protokollierung und Eingriffsrechte festlegen.

Legacy-Systeme erschweren die Integration

Agentic AI benötigt Zugriff auf mehrere Datenquellen und Anwendungen. Historisch gewachsene IT-Landschaften, uneinheitliche Datenmodelle und fehlende Schnittstellen können diese Integration erschweren. Auch die Budgetstruktur spielt eine Rolle. Laut Cognizant fließen rund 61 Prozent der IT-Ausgaben in Betrieb und Pflege von Legacy-Systemen. Dadurch fehlen Mittel für Integrationsplattformen, Datenarchitekturen und Governance-Strukturen. Technische Altlasten verlängern außerdem Entwicklungs- und Abstimmungsprozesse. Für agentische Systeme entstehen dadurch zusätzliche Risiken bei Datenqualität, Zugriffskontrolle und Prozessstabilität.

Warum weitere KI-Tools nicht ausreichen 

Nur rund vier Prozent der Valtech-Befragten glauben, dass zusätzliche Pilotprojekte den größten Mehrwert schaffen würden. Erwartet werden stattdessen besser verbundene Prozesse und weniger Reibungsverluste zwischen Teams und Systemen.

Die Ergebnisse zeigen damit eine Lücke zwischen der Bereitschaft der Beschäftigten und den Strukturen der Unternehmen. Der weitere Einsatz von Agentic AI hängt vor allem davon ab, ob Prozesse, Zuständigkeiten und technische Grundlagen aufeinander abgestimmt werden. Entscheidend ist daher die Überführung einzelner Anwendungen in verbindliche Arbeitsabläufe. Erst auf dieser Grundlage kann Agentic AI über einzelne Teams und Anwendungsfälle hinaus eingesetzt werden.