Digitale Resilienz

Cloud-Ausfälle gefährden Betriebsfähigkeit vieler Firmen

Eine Bitkom-Umfrage zeigt, wie stark deutsche Unternehmen inzwischen von Cloud-Diensten abhängen. Viele Betriebe hätten Notfallpläne, doch fast die Hälfte müsste bei längeren Ausfällen den Geschäftsbetrieb einstellen.

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Person arbeitet an einem Laptop, darüber liegen digitale Sicherheitssymbole wie Schlösser, Dokumente, Cloud und ein Schutzschild.
Cloud-Dienste sind für viele Unternehmen zentral für den laufenden Betrieb. Fallen sie aus, können fehlende Notfallstrukturen schnell zu erheblichen Risiken für Geschäftsprozesse und Datenverfügbarkeit führen.

Cloud-Dienste sind für viele Unternehmen in Deutschland zu einem zentralen Bestandteil des laufenden Betriebs geworden. Fielen entsprechende Anwendungen plötzlich aus oder wären sie nicht mehr erreichbar, hätte das nach einer aktuellen Bitkom-Umfrage für zahlreiche Betriebe erhebliche Folgen. Fast die Hälfte der Unternehmen würde den Geschäftsbetrieb früher oder später einstellen müssen.

Nach Angaben des Digitalverbands könnten neun Prozent der Firmen im Fall eines Cloud-Ausfalls sofort nicht mehr weiterarbeiten. Weitere Unternehmen gingen davon aus, nur wenige Stunden oder höchstens zwei Tage durchhalten zu können. Im Durchschnitt schätzten Cloud-Nutzer ihre verbleibende Handlungsfähigkeit auf rund 78 Stunden.

Abhängigkeit von Cloud-Diensten nimmt zu

Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland. Von ihnen nutzen 517 Betriebe Cloud-Dienste. Das entspricht 86 Prozent der befragten Unternehmen. Ein Viertel der Firmen erklärte, ein Cloud-Ausfall würde sie nicht so stark treffen, dass der Betrieb eingestellt werden müsste. 14 Prozent nutzen keine Cloud-Dienste. 16 Prozent machten keine Angabe oder konnten die Folgen nicht einschätzen.

„Eine funktionsfähige Cloud ist für Unternehmen so wichtig wie stabile Stromversorgung und Zugang zum Internet. Büro-Software, Kommunikation, Datenbanken oder auch KI-Lösungen sind bei einer Cloud-Störung nicht verfügbar, dabei sind sie unverzichtbar für den Geschäftsbetrieb vieler Unternehmen“, ordnet Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst ein. „Gleichzeitig ist die Nutzung von Cloud-Diensten häufig sicherer und stabiler, als auf eigene Server zu setzen. Wichtig ist deshalb, die Cloud in ein Sicherheitskonzept für das Unternehmen zu integrieren.“

Notfallpläne sind weit verbreitet

Zu gravierenden Cloud-Ausfällen kam es laut der Erhebung in den vergangenen zwölf Monaten bei 28 Prozent der Unternehmen, die entsprechende Dienste einsetzen. Die Ursachen können unterschiedlich sein. Genannt werden etwa Internetstörungen, Stromausfälle oder Probleme infolge von Software-Updates. Für viele Betriebe stellt sich damit nicht nur die Frage, ob Cloud-Dienste verfügbar sind. Entscheidend ist auch, wie schnell sie auf Störungen reagieren und wie lange geschäftskritische Prozesse über alternative Wege fortgeführt werden können.

Viele Unternehmen haben bereits Maßnahmen getroffen, um Ausfälle abzufedern. 82 Prozent der Cloud-Nutzer verfügen nach Bitkom-Angaben über Notfall- und Wiederanlaufpläne. 75 Prozent sichern wichtige Daten außerhalb der Cloud. Auch das Monitoring der Dienste spielt eine wichtige Rolle. 69 Prozent der befragten Cloud-Nutzer überwachen ihre Cloud-Anwendungen selbst, um Störungen frühzeitig zu erkennen. 68 Prozent haben vertragliche Vereinbarungen mit ihren Anbietern geschlossen. 66 Prozent können einen Notbetrieb mit lokalen Lösungen starten.

Redundanz bleibt ausbaufähig

Bei technischen Ausweichstrukturen zeigt sich ein gemischtes Bild. 59 Prozent der Unternehmen haben Anwendungen auf verschiedene Systeme verteilt. Redundante Systeme nutzen 35 Prozent. Einen zweiten Cloud-Anbieter setzen 8 Prozent der Cloud-Nutzer als Schutzmaßnahme gegen Ausfälle ein.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele Unternehmen zwar organisatorisch vorbereitet sind, technische Redundanz aber seltener umfassend umgesetzt wird. Für geschäftskritische Anwendungen bleibt die Frage zentral, wie stark einzelne Cloud-Dienste, Anbieter oder Betriebsmodelle in den laufenden Prozessen verankert sind.

Ausfallsicherheit wird zum strategischen Faktor

Die Umfrage macht deutlich, dass Cloud-Resilienz zunehmend über die reine IT-Verfügbarkeit hinausreicht. Wenn zentrale Anwendungen, Datenbestände oder Kommunikationssysteme nicht erreichbar sind, kann dies unmittelbar auf Produktion, Verwaltung und Kundenprozesse wirken. Für Unternehmen bedeutet das, Cloud-Dienste nicht isoliert zu betrachten. Notfallpläne, Datenkopien, Monitoring, Vertragsgestaltung und alternative Betriebsmodelle müssen zusammenspielen. Nur so lässt sich verhindern, dass eine technische Störung in kurzer Zeit zu einem umfassenden betrieblichen Problem wird.