Großkonzerne hängen Mittelstand bei Digitalisierung ab
Neue Bitkom-Zahlen zeigen: Großunternehmen treiben die Digitalisierung voran, während der Mittelstand zurückfällt. KI sorgt dabei für Tempo – und Innovationsdruck. Droht eine Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten?
Redaktion Redaktion
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Große Unternehmen haben im Digitalisierungs-Rennen häufig einen kompetitiven Vorteil.Adobe Stock / Framestock
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Die digitale Kluft in der deutschen Wirtschaft wächst. Laut
einer aktuelle Befragung des Digitalverbandes Bitkom sieht sich jedes zweite
Großunternehmen als Vorreiter, während vor allem kleine und mittelständische
Firmen weiter mit fehlenden Strategien ringen. Jedes fünfte kleine Unternehmen
verfügt sogar über keinerlei Digitalplan. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst
betont, dass dies kein Naturgesetz sei: „Erfolgreiche Digitalisierung muss
keine Frage der Größe sein.“ Doch gerade im Mittelstand mangele es häufig
„an Erfolgsgeschichten und dem Austausch mit anderen Unternehmen und Startups“.
KI sorgt für Tempo – und für Druck
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Künstliche Intelligenz ist laut Bitkom zum zentralen Motor
der Digitalisierung geworden. 41 Prozent der Unternehmen setzen KI bereits ein
– mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Für drei Viertel der Nutzer
verbessert sich dadurch die Wettbewerbsposition. Gleichzeitig wächst der Druck:
Die Hälfte der Unternehmen kämpft damit, den digitalen Wandel zu stemmen, 13
Prozent sehen ihre Existenz gefährdet. Wintergerst beschreibt die Lage als
gespalten: „Wir haben Unternehmen, die auch im internationalen Vergleich
ganz vorne mit dabei sind, und solche, die Gefahr laufen abgehängt zu werden“
Ungenutzte Daten: Der heimliche Bremsklotz
Trotz aller Digitalisierungsbemühungen nutzen viele
Unternehmen ihre Daten kaum. 61 Prozent schöpfen ihr Datenpotenzial nur wenig
oder gar nicht aus. Dabei wären strukturierte Daten entscheidend für neue
Geschäftsmodelle und KI-Anwendungen. Wintergerst sieht hier einen der größten
Hebel: „Viele Unternehmen sitzen auf einem Datenschatz, den sie noch nicht
gehoben haben – und von dem sie zu oft noch gar nichts wissen.“
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Zwar fällt es inzwischen einem Viertel der Unternehmen
leichter, digitale Produkte zu entwickeln, doch ein Drittel tut dies weiterhin
gar nicht. Wintergerst appelliert an die Unternehmen, digitale Erlöse stärker
in den Blick zu nehmen: „Wer heute ein erfolgreiches Produkt hat, muss
überlegen, wie es sich mit digitalen Dienstleistungen und neuen Anwendungen
aufwerten lässt.“
Trotz der Angst vor disruptiven Neulingen kooperieren zwei
Drittel der Unternehmen überhaupt nicht mit Startups. Für Wintergerst ist dies
ein strategischer Fehler. Er fordert: „Damit wir bei der Digitalisierung
echte Sprünge sehen, braucht es mehr Zusammenarbeit zwischen traditionellen
Unternehmen und jungen Tech-Firmen.“
Hürden bleiben: Datenschutz, Fachkräfte, fehlende Zeit
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Die größten Bremsen bleiben Datenschutzanforderungen,
Fachkräftemangel und fehlende Ressourcen im Tagesgeschäft. Wintergerst sieht
hier vor allem die Führungsebene in der Pflicht: „Damit Digitalisierung
erfolgreich ist, muss sie von Vorstand oder Geschäftsführung vorangetrieben
werden, zugleich müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen werden.“