Ein grüner Audi E-Tron lädt an einer Ladestation.

Dynamisches und zeitversetztes Laden kann das lokale Stromnetz entlasten. Bild: Audi

| von Claas Berlin

In einem Forschungsprojekt hat Audi gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Gisa und weiteren Partnern ein Überlast-Szenario im lokalen Stromnetz abgebildet: In einem Straßenzug, der von einem Ortsnetz-Transformator versorgt wird, laden mehrere Elektroautos gleichzeitig mit hoher Leistung.

Das netzdienliche Laden soll dabei einer Überlastung mit dem Management von Ladevorgängen entgegenwirken und eine Netzüberlastung vermeiden. So steuert eine gezielte Kommunikation zwischen Elektroauto und Netzbetreiber den Ladevorgang dynamisch. In der Praxis bedeutet das zukünftig beispielsweise ein zeitversetztes Laden unter Berücksichtigung des Abfahrtswunsches und der tatsächlichen Last im Stromnetz.

Das E-Auto nutzt im Feldversuch Standzeiten für das Vollladen mit einer flexiblen Anpassung der Ladeleistung und entlastet gleichzeitig das Stromnetz, ohne dabei die Mobilitätsbedürfnisse der Kunden einzuschränken. Möglich machen das neue Bausteine im Hausnetz für eine gemeinsame Sprache zwischen Haus, Elektroauto und Energienetz.

Die zentrale Komponente ist ein sogenanntes Smartmeter Gateway (SMGW) – ein Gerät, das schon heute Pflicht ist, wenn der Stromverbrauch des Haushalts im Jahr über 6.000 Kilowattstunden liegt. Das SMGW stellt über ein zertifiziertes IT-Backend eine sichere Datenverbindung zwischen Haus und Netzbetreiber her. Alle notwendigen Informationen und Steuersignale werden weitergeleitet – entweder zum Heimenergie-Managementsystem (HEMS) oder direkt zum Ladesystem Connect, das Audi optional anbietet.

Mittelfristig soll es die neue Vernetzungstechnik erlauben, die Ladeleistung, den Ladezeitpunkt und die Ladedauer für jedes Auto beeinflussen zu können. Zusätzlich könnten sich weitere Perspektiven eröffnen: Ein Kunde, der seinen Audi E-Tron auch am Arbeitsplatz laden kann, könnte beispielsweise beim Laden zuhause gewisse Einschränkungen akzeptieren. Im Gegenzug bekäme er den Strom von seinem Anbieter zu einem vergünstigten Preis.

Das intelligente Laden von Stromern ist aus Sicht des Ingolstädter Premiumherstellers ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Energiewirtschaft der Zukunft. Wenn die Potenziale gezielt genutzt werden, könnten Elektroautos laut Audi perspektivisch auch als flexible Speicher für Sonnen- und Windstrom dienen – eine Ressource, die nur sehr wechselhaft zur Verfügung steht.

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