Nach Aufbau der Software-Organisation

Magnus Östberg verlässt Mercedes-Benz

Seit 2021 hatte Magnus Östberg die Software-Geschicke bei Mercedes-Benz verantwortet und den OEM ins Zeitalter des Software-Defined Vehicle begleitet. Nun verlässt der Schwede den Premium-OEM, wie die Stuttgarter gegenüber automotiveIT bestätigen.  

2 min
Nach nahezu exakt fünf Jahren ist Schluss: Chief Software Officer Magnus Östberg wird Mercedes-Benz verlassen.

Mit dem CLA hatte er noch dem ersten Software-Defined Vehicle von Mercedes-Benz auf die Straße verholfen, nun scheidet er als Chief Software Officer aus: Magnus Östberg wird den schwäbischen OEM nach fünf Jahren verlassen. Das bestätigte der Automobilhersteller gegenüber automotiveIT. „Nach dem Aufbau der Software-Organisation und der erfolgreichen Überführung in die Serie hat sich Magnus Östberg aus persönlichen Gründen entschieden, eine neue Phase seiner beruflichen Karriere zu beginnen“, teilten die Stuttgarter mit. Wohin es Östberg zieht und wer bei Mercedes-Benz als Software-Chef nachfolgt, ist derzeit noch nicht bekannt.

Östberg war im September 2021 von Aptiv zu Mercedes-Benz gestoßen und hatte als Chief Software Officer die Gesamtverantwortung für das neue Betriebssystem MB.OS übernommen. Seine Karriere startete er beim Software- und Beratungsunternehmen Mecel, anschließend übernahm er in Deutschland und den USA verschiedene Leitungsfunktionen bei Delphi.

Östberg machte Software bei Mercedes zum Produkt

Östbergs Abgang markiert für Mercedes den Übergang von der Aufbau- in die Skalierungsphase seiner Softwarestrategie. Unter seiner Führung entstand eine globale Softwareorganisation, Hardware und Software wurden stärker entkoppelt und die Entwicklung auf kontinuierliche Updates ausgerichtet. Mercedes habe damit „Software als Produkt“ etabliert, bilanzierte Östberg bereits 2024 gegenüber automotiveIT.

Dieser Punkt ist inzwischen erreicht. Noch im Juni 2026 beschrieb Östberg die Aufbauphase des Software-Defined Vehicle im Wesentlichen als abgeschlossen. Mercedes habe mittlerweile softwaredefinierte Fahrzeuge über mehrere Baureihen, Aufbauformen, Antriebe und Marken hinweg im Feld. Nach dem CLA gehören dazu inzwischen auch Hybride, Fahrzeuge im oberen Segment und Vans.

MB.OS geht vom Aufbau in die Skalierung

Damit verändert sich die Aufgabe. MB.OS muss nun nicht mehr grundsätzlich bewiesen, sondern über das Modellportfolio und unterschiedliche Märkte hinweg skaliert werden. Bei den überarbeiteten GLE und GLS beispielsweise hält eine auf MB.OS basierende neue Software samt Superscreen Einzug. Auch bei der S-Klasse spielt Software eine immer größere Rolle bei der Weiterentwicklung des Fahrzeugs.

Gleichzeitig wird die Flotte selbst zu einem wesentlichen Bestandteil der Softwareentwicklung. Rund 17 Millionen Fahrzeuge sind nach Angaben Östbergs mittlerweile mit dem Mercedes-Backend verbunden. Nutzung und Erfolg digitaler Funktionen können dadurch analysiert und über Datenpipelines wieder in die Produktentwicklung zurückgespielt werden.

Auf Östbergs Nachfolger warten neue Aufgaben

Für Östbergs Nachfolger verschieben sich damit die Schwerpunkte. MB.OS muss über weitere Modellreihen und Märkte skaliert, OTA-Updates, KI-Funktionen und automatisiertes Fahren schneller in die Serie gebracht und die Balance zwischen eigener Softwarekompetenz und Technologiepartnerschaften weiter austariert werden.

Hinzu kommt das digitale Kundenerlebnis. Mercedes-Chef Ola Källenius hat zuletzt im Interview mit Autocar eingeräumt, dass die Branche bei der Verlagerung klassischer Funktionen auf Touchscreens teilweise zu weit gegangen sei. Große Displays bleiben zwar gesetzt, physische Bedienelemente sollen aber dort wieder stärker zum Einsatz kommen, wo sie die Bedienung verbessern. Für die künftige Software-Führung zählt damit nicht allein technische Skalierung, sondern zunehmend auch der konkrete Kundennutzen digitaler Funktionen.

Auch die Konzern-IT stellt sich neu auf

Parallel verändert Mercedes seine Führung im IT-Bereich. Zum 1. Oktober übernimmt Jonas von Malottki den CIO-Posten von Katrin Lehmann und damit Themen wie SAP-Transformation, Cloud, Legacy-Ablösung und den Einsatz von KI in den Unternehmensprozessen. Fahrzeugsoftware und Enterprise-IT bleiben organisatorisch unterschiedliche Bereiche, wachsen über Datenplattformen, Cloud-Infrastruktur und KI technologisch jedoch immer stärker zusammen.