Softwaredefinierte Fahrzeuge

Valeo und Anritsu verlagern Fahrzeugtests in die Cloud

Valeo und Anritsu erweitern ihre Zusammenarbeit bei der virtuellen Validierung vernetzter Fahrzeuge. Eine gemeinsame Simulationslösung soll komplexe Mobilfunkszenarien reproduzierbar abbilden und den Aufwand für physische Testfahrten verringern.

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Digitale Darstellung zweier vernetzter Fahrzeuge in grünen und blauen Linien mit 5G- und Funksymbolen.
Valeo und Anritsu kombinieren virtuelle Steuergeräte mit simulierten Mobilfunknetzen, um Kommunikationsszenarien softwaredefinierter Fahrzeuge unter kontrollierten Bedingungen zu testen.

Der französische Automobilzulieferer Valeo und der japanische Messtechnikspezialist Anritsu stellen eine gemeinsame Validierungslösung für softwaredefinierte Fahrzeuge vor. Die Technologie kombiniert eine virtualisierte elektronische Steuereinheit mit einer simulierten Mobilfunkumgebung. Mit der Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge steigen die Anforderungen an die Konnektivität. Funktionen wie Over-the-Air-Updates, die Integration von Cloud-Diensten und die Kommunikation über 5G oder Cellular Vehicle-to-Everything (C-V2X) erfordern zuverlässige Netzwerkverbindungen. Ihre Validierung unter realen Bedingungen ist jedoch aufwendig, da unterschiedliche Mobilfunknetze, Fahrzeugzustände und Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden müssen.

Um den Testaufwand zu reduzieren, haben die beiden Unternehmen die virtualisierte ECU-Simulationsplattform von Valeo mit der Mobilfunktesttechnologie von Anritsu verbunden. Die Lösung integriert einen Software-in-the-Loop-Simulator des japanischen Unternehmens, mit dem sich unterschiedliche Netzwerkbedingungen virtuell nachbilden lassen. Auf dieser Grundlage können digitale Zwillinge sowohl in der Cloud als auch in lokalen Entwicklungsumgebungen betrieben werden. Fahrzeughersteller sollen damit unter anderem Netzwechsel zwischen verschiedenen Mobilfunkbetreibern simulieren können.

Darüber hinaus unterstützt die Plattform die virtuelle Untersuchung von Vehicle-to-Network- (V2N) und V2X-Szenarien mit mehreren Fahrzeugen. Der Ansatz ermöglicht es laut den Partnern, komplexe Kommunikationssituationen unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen zu untersuchen. Dadurch ließen sich Fehlerquellen bereits in früheren Entwicklungsphasen identifizieren, ohne für jeden Testfall auf ein physisches Fahrzeug angewiesen zu sein.

Automatischer Notruf als weiterer Anwendungsfall

Die aktuelle Präsentation knüpft an einen gemeinsamen Auftritt auf dem Mobile World Congress im März 2026 an. Während die Unternehmen dort bereits ihre Zusammenarbeit bei der virtuellen Validierung demonstrierten, erweitern sie nun die gezeigten Anwendungsmöglichkeiten. Zu den neuen Szenarien zählt der automatische Notruf eCall. Die Einbindung dieser sicherheitsrelevanten Funktion soll verdeutlichen, wie sich auch anspruchsvolle Kommunikationsabläufe innerhalb einer simulierten Netzwerkumgebung überprüfen lassen.

Nach Angaben von Valeo sollen solche virtuellen Tests dazu beitragen, Entwicklungszyklen zu verkürzen und die Kosten für physische Erprobungen zu senken. Insbesondere bei komplexen Netzwerkbedingungen könnten digitale Testumgebungen die bislang erforderlichen Fahrversuche ergänzen.

Virtuelle Tests sollen Entwicklungsprozesse entlasten

Anritsu sieht in der Verbindung aus virtuellen Steuergeräten und Netzwerksimulation einen Ansatz, um die Validierung stärker zu standardisieren. Durch die Kombination realer Fahrdaten mit reproduzierbaren Laborbedingungen könnten Entwickler auch selten auftretende Verbindungsprobleme gezielter untersuchen.

Die gemeinsame Plattform soll zudem die Skalierbarkeit der Testprozesse verbessern. Angesichts der Vielzahl möglicher Kombinationen aus Mobilfunknetzen und Betriebszuständen stößt eine ausschließlich fahrzeugbasierte Erprobung hinsichtlich Zeitaufwand und Wiederholbarkeit an Grenzen. Mit der erweiterten Kooperation verfolgen Valeo und Anritsu das Ziel, die virtuelle Absicherung von Konnektivitätsfunktionen stärker in die Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge einzubinden.