Audi leitet „OneTeam“ mit Cariad
Darum ordnet Volkswagen die ADAS-Entwicklung neu
Volkswagen stellt die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und hochautomatisiertem Fahren in Europa neu auf. Die neue Organisation wird von Audi angeführt und soll die ADAS-Kompetenzen aller Marken stärker bündeln. An der Spitze steht ein Cariad-Manager.
Audi und Cariad sollen künftig "ein Team" sein, wenn es um die Entwicklung neuer ADAS-Funktionen im VW-Konzern geht.
Cariad
Volkswagen richtet die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und hochautomatisiertem Fahren in Europa neu aus. Wie zuerst die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf eine interne Mitteilung berichtete, bündelt der Konzern die entsprechenden Aktivitäten von Cariad und den Marken künftig in einer neuen Organisation namens „OneTeam“. Die interne Mitteilung liegt auch automotiveIT vor.
Mit dem Schritt reagiert Volkswagen auf die anhaltende Neuordnung seiner Software- und ADAS-Aktivitäten. Erst im Sommer hatten Cariad und Bosch ihre gemeinsame Entwicklungsallianz für Fahrerassistenzsysteme beendet. Die dabei entstandene Technologie soll jedoch weiterhin im Konzern genutzt und ausgebaut werden.
Audi übernimmt die Führung
Laut der internen Mitteilung führt das OneTeam die ADAS-Kompetenzen von Cariad und den Konzernmarken in einer gemeinsamen Entwicklungsorganisation zusammen. Ziel sei es, „bei ADAS schneller und direkter mit den Marken zusammenzuarbeiten und die Entwicklungsgeschwindigkeit zu steigern“. Der Aufbau beginne unmittelbar, offiziell soll die Organisation im November die Arbeit aufnehmen.
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei Audi. Konzernentwicklungschef Werner Tietz bezeichnet die neue Struktur als „weiteren Handlungsschritt zur Effizienzsteigerung des Konzern-Entwicklungsverbunds im Rahmen unserer Transformation“. Weiter heißt es: „Wir optimieren damit unsere ADAS-Entwicklung im Westen und steigern die Geschwindigkeit. Wir schaffen eine klare Verantwortlichkeit durch Führung der Leadmarke Audi und nutzen unsere technologischen Kompetenzen gemeinsam und für alle.“
Die neue Organisation soll Technologie-, Produkt- und Ressourcenentscheidungen beschleunigen und die Zusammenarbeit zwischen Marken, Cariad und Technologiepartnern vereinfachen. Zudem verweist Volkswagen darauf, dass damit die Umsetzung der ersten Software-defined-Vehicle-Anwendungen vorangetrieben werden soll.
Manuel Birke leitet die neue Organisation
Die Leitung von OneTeam übernimmt Manuel Birke, der bislang als CTO ADAS die Entwicklung im Bereich Fahrerassistenz bei Cariad verantwortete. Birke soll die neue Einheit aufbauen und berichtet in dieser Funktion an Audi-Entwicklungsvorstand Rouven Mohr. Parallel bleibt er für seine bisherigen Aufgaben bei Cariad verantwortlich und berichtet dort weiterhin an den Vorstand.
„Cariad und die Marken im Konzern bringen starke ADAS-Kompetenzen mit“, wird Birke in der internen Mitteilung zitiert. „Als gemeinsames Team bündeln wir diese Stärken und wollen auf Basis unserer bisherigen Entwicklungsarbeit einen leistungsfähigen und KI-basierten ADAS-Stack für den Volkswagen-Konzern entwickeln.“
Auch Rouven Mohr betont die neue Rollenverteilung: „Mit dem OneTeam nutzen wir unsere Konzernsynergien gezielt und übernehmen klare Verantwortung. So bringen wir leistungsfähige ADAS-Technologien schneller ins Fahrzeug.“
Konsequenz aus dem Cariad-Umbau
Die Neuorganisation passt zur strategischen Neuausrichtung von Cariad unter Konzernchef Oliver Blume. Die Softwaretochter konzentriert sich zunehmend auf ausgewählte Kerntechnologien, während Volkswagen in mehreren Bereichen verstärkt auf externe Technologiepartner setzt.
Ein sichtbares Beispiel dafür war das Ende der sogenannten Automated Driving Alliance zwischen Bosch und Cariad. Beide Unternehmen hatten nach eigenen Angaben einen serienreifen, KI-basierten Software-Stack für Fahrerassistenzsysteme bis Level 2 entwickelt und die gemeinsame Entwicklungsphase anschließend beendet. Künftig verfolgen beide Partner eigene Skalierungsstrategien.
Gleichzeitig wird im Markt bereits über den nächsten Technologiepartner von Volkswagen im ADAS-Umfeld spekuliert. Ein Cariad-Sprecher bestätigte gegenüber automotiveIT, dass die Bekanntgabe einer neuen Partnerschaft kurz bevorstehe. Als möglicher Kandidat gilt derzeit das britische KI-Startup Wayve, das auf datengetriebene Fahrassistenz- und Automatisierungssysteme spezialisiert ist. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang jedoch nicht.
KI-basierte Plattform als gemeinsames Ziel
Für Cariad-Chef Peter Bosch soll die neue Organisationsstruktur die Grundlage für die weitere Skalierung der konzernweiten ADAS-Technologie bilden. In der internen Mitteilung heißt es: „Gemeinsam mit meinen Kollegen in den Marken setzen wir einen Entwicklungsansatz um, der die Automotive-Expertise und das Software-Know-how unseres Konzerns in einer Organisation vereint. Damit schaffen wir die Grundlage für eine höchst wettbewerbsfähige, gemeinsam konzernweit nutzbare Technologieplattform.“
Mit OneTeam verlagert Volkswagen die Verantwortung für die ADAS-Entwicklung damit stärker in die Markenorganisation und insbesondere zu Audi. Für die Ingolstädter habe das Thema Top-Priorität, sagte der Cariad-Sprecher. Angesichts der Fortschritte, die die Konkurrenz von BMW und Mercedes-Benz in den vergangenen Jahren gemacht haben, gilt es für Audi hier Tempo aufzunehmen.
Für Cariad bietet die neue zentralisierte Struktur jetzt die Chance, bei einem so wichtigen Technologiethema wieder deutlich näher an die Fahrzeugprogramme und Entscheidungsstrukturen des Konzerns und dessen Marken zu rücken.