Level-3-Systeme sollen 2027 serienreif sein

Volkswagen darf hochautomatisiertes Fahren in China testen

Volkswagen darf in China erstmals Level-3-Systeme unter realen Verkehrsbedingungen testen. Die Genehmigung gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Serienreife entsprechender Systeme im kommenden Jahr.

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Getarntes Fahrzeug fährt über eine Kreuzung zwischen modernen Hochhäusern in einer chinesischen Innenstadt.
Volkswagen testet in China hochautomatisiertes Fahren auf Level 3.

Die Volkswagen Group China hat eine Genehmigung für Straßentests von Fahrzeugen mit Level-3-Automatisierung in Hefei, in der chinesischen Provinz Anhui, erhalten. Die Erlaubnis umfasst Fahrten im öffentlichen Straßenverkehr sowie die großflächige Erhebung von Fahrdaten. Nach Angaben des Konzerns erfolgt die Freigabe unter einem besonders strengen regulatorischen Rahmen für hochautomatisiertes Fahren.

Die Tests haben bereits begonnen. Volkswagen verfolgt das Ziel, ab 2027 erste Level-3-Funktionen für Kunden in China bereitzustellen. „Bei Volkswagen haben Sicherheit und Zuverlässigkeit beim autonomen Fahren oberste Priorität. Technologischer Fortschritt darf niemals auf Kosten der Sicherheit gehen“, sagt Ralf Brandstätter, CEO von Volkswagen Group China. „Mit dieser Genehmigung können wir im realen Verkehr in Hefei testen und Daten in großem Umfang sammeln. Das ist der nächste Schritt auf unserem Weg zur Level-3-Bereitschaft.“

VWs Zentrum für automatisiertes Fahren liegt in China

Die Testgenehmigung ist Teil einer umfassenderen Lokalisierungsstrategie. Volkswagen hat seine Aktivitäten für automatisiertes Fahren in China in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Über die Entwicklungseinheit Carizon arbeitet der Konzern an einem eigenen Technologie-Stack aus Software, KI-Modellen, Datenplattformen und Halbleitern.

Erst im Sommer hatte Volkswagen die Zusammenarbeit mit Horizon Robotics ausgeweitet und Zugriff auf ein KI-Basismodell erhalten, das die Entwicklung von Level-3- und perspektivisch Level-4-Funktionen beschleunigen soll. Ziel ist ein eigenes KI-Fahrmodell, das Verkehrssituationen analysiert, Fahrentscheidungen ableitet und auch seltene Szenarien besser erkennen kann.  Bereits Ende 2025 brachte Carizon ein erstes L2+-System auf den Markt. Die weiterentwickelte L2++-Variante befindet sich inzwischen in der Serienproduktion und soll zusätzliche automatisierte Funktionen im Stadtverkehr ermöglichen. Die Auslieferung erster Level-3-Funktionen ist weiterhin für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Damit geht VW in China beim autonomen Fahren deutlich weiter als es Hersteller hierzulande aktuell tun. OEMs wie BMW oder Mercedes-Benz fokussieren sich derzeit vor allem auf die Weiterentwicklung von Level-2++-Systemen, da sie in höheren Automatisierungsstufen im Moment noch keinen Mehrwert für Kunden sehen und zudem die Kosten für entsprechende Systeme zu hoch seien.

KI simuliert Millionen von Testkilometern

Volkswagen setzt bei der Entwicklung zunehmend auf künstliche Intelligenz. Das konzerninterne World Model „GAIA 2.0“ simuliert täglich ADAS-Sicherheitstests mit einem Umfang von rund fünf Millionen virtuellen Fahrkilometern. Grundlage dafür sind bis zu 30 Millionen aufgezeichnete Verkehrsszenarien.

Für die nächste Entwicklungsstufe plant Volkswagen, die Trainingsbasis auf das Äquivalent von zehn Millionen Kilometern pro Tag auszubauen. Dadurch sollen auch seltene oder unerwartete Verkehrssituationen bereits in der Entwicklung trainiert werden, bevor Kunden ihnen im realen Straßenverkehr begegnen.

Parallel arbeitet der Konzern an dem eigenen System-on-Chip C7H, das künftig zusammen mit den KI-Modellen und der Datenplattform die technologische Grundlage für hochautomatisierte Fahrfunktionen auf Level 4 bilden soll. Bereits angekündigt wurde zudem eine engere Verzahnung mit der China Electronic Architecture (CEA), die als zentrale Software- und Hardwareplattform für kommende Fahrzeuggenerationen dient.

Vom softwaredefinierten zum KI-definierten Fahrzeug

Die L3-Offensive fügt sich in Volkswagens umfassendere China-Strategie ein. Der Konzern positioniert das Land zunehmend als Entwicklungszentrum für KI-basierte Mobilitätslösungen. So sollen seit 2026 lokal entwickelte Fahrzeuge mit agentenbasierten KI-Systemen ausgestattet werden, die Funktionen im Fahrzeug kontextbezogen steuern und verschiedene Software-Domänen miteinander verbinden. Perspektivisch ist ein Multiagentensystem vorgesehen, das Fahrfunktionen, Cockpit-Anwendungen und digitale Dienste koordiniert.

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