Fachkräfte-Index

IT bleibt trotz Fachkräftekrise Erfolgsfaktor der Autoindustrie

Der Fachkräftemarkt bricht ein, doch die IT bleibt vergleichsweise stabil. Gerade in der Autoindustrie zeigt sich, welche Rollen jetzt unverzichtbar sind. Wer bei Software, Daten und KI spart, verliert Tempo in der Transformation.

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Während die Nachfrage nach neuen IT-Expertinnen und -Experten vergleichsweise stabil bleibt, sinkt die Zahl der Stellenausschreibungen in anderen für die Autoindustrie bedeutsamen Bereichen deutlich.

Der deutsche Fachkräftemarkt hat zum Jahresende 2025 deutlich an Dynamik verloren und sendet damit ein Warnsignal an die Automobilindustrie, die ohnehin unter Kostendruck, schwacher Konjunktur und einer stockenden Nachfrage in wichtigen Märkten leidet. Im vierten Quartal 2025 ist die Nachfrage nach Fachkräften gegenüber dem Vorjahresquartal massiv eingebrochen, wie der Personaldienstleister Hays in seinem Fachkräfte-Index berichtet. Der Index weist einen Rückgang von 47 Prozentpunkten aus. Auch im Vergleich zum dritten Quartal setzte sich der Abwärtstrend fort. Die Zahl der Stellenausschreibungen sank nochmals um 12 Prozentpunkte und liegt nun bei 35 Prozent. Im Jahresvergleich wird die Entwicklung besonders greifbar. Gegenüber 2024 hat sich das Niveau der Stellenausschreibungen im Jahr 2025 pro Quartal nahezu halbiert. 

Gerade im Automotive-Kontext ist dabei entscheidend, wie sich die Nachfrage nach IT-Kompetenzen entwickelt. Denn Software, Daten und digitale Plattformen sind längst nicht mehr Unterstützungsfunktionen, sondern Kern der Produktstrategie. Software Defined Vehicle, vernetzte Dienste, Over the Air Updates, Cybersecurity und KI gestützte Entwicklung verändern die Wertschöpfung. Gleichzeitig stehen OEMs und Zulieferer vor der Aufgabe, ihre IT Landschaften zu modernisieren, die Produktion zu digitalisieren und neue digitale Geschäftsmodelle aufzubauen. Vor diesem Hintergrund fällt auf, dass die IT-Nachfrage im vierten Quartal 2025 zwar ebenfalls rückläufig ist, insgesamt jedoch deutlich robuster bleibt als viele andere Berufsfelder. Der Index sinkt um 13 Prozentpunkte auf 59 Prozent. Im Vorjahresvergleich liegt die IT-Nachfrage in absoluten Zahlen rund 18 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Damit fällt der Rückgang geringer aus als im Gesamtmarkt. Für die Automobilindustrie bedeutet das, dass digitale Schlüsselkompetenzen selbst in einem Abschwung nicht vollständig aus dem Fokus geraten. 

Hays Fachkräfte-Index, nach Branchen sortiert
In allen Berufsgruppen sinkt die Anzahl an Vakanzen weiter. Am stärksten geht die Nachfrage im Finance zurück (-14 Prozentpunkte auf -67 Prozent). Ebenfalls deutlich ist der Rückgang im HR mit minus 13 Prozentpunkten auf -69 Prozent.

IT bleibt Pflicht, Engineering wird gekürzt

„Unternehmen reduzieren zwar ihre Einstellungsvolumina, verzichten jedoch nicht auf kritische IT-Kompetenzen. Insbesondere in den Bereichen Softwareentwicklung, SAP, IT-Architektur, Automatisierung und KI/Data bleibt der Bedarf strukturell hoch. Digitale Transformation wird daher auch in konjunkturell angespannten Phasen nicht ausgesetzt, sondern nur selektiver und strategischer betrieben“,  kommentiert Andreas Sauer, Bereichsleiter Technology bei Hays. Gerade in der Automobilindustrie zeigt sich diese Logik in vielen Projekten. OEMs arbeiten parallel an der Konsolidierung ihrer Backend Systeme, am Aufbau einheitlicher Fahrzeugdatenplattformen und an der Industrialisierung von KI Anwendungen. In den Werken entstehen neue Anforderungen durch vernetzte Produktionssysteme, digitale Qualitätsprüfung und datengetriebene Instandhaltung. Gleichzeitig müssen Entwicklungsbereiche ihre Toolchains modernisieren, Cloud Infrastruktur ausbauen und Cybersecurity Standards verschärfen. Wer in diesem Umfeld IT Kompetenzen abbaut, riskiert nicht nur Verzögerungen, sondern verliert Geschwindigkeit gegenüber Wettbewerbern, die Transformation auch im Abschwung konsequent vorantreiben. 

Während IT vergleichsweise stabil bleibt, gerät Engineering deutlich stärker unter Druck. Im vierten Quartal 2025 sinkt der Index zwar nur um sechs Prozentpunkte, doch im Vergleich zum Vorjahresquartal fällt er um 28 Prozentpunkte. Hays führt dies unter anderem auf die schwache Entwicklung in Industrieproduktion, Maschinen und Anlagenbau sowie der Automobilwirtschaft zurück. Elektronikingenieure werden weniger ausgeschrieben, ebenso Entwicklungsingenieure in Mechatronik und Antriebstechnik. Für die Automobilindustrie ist das ein heikler Befund. Denn gerade in der Transformation hin zu elektrifizierten und softwarezentrierten Fahrzeugen müssten eigentlich beide Welten zusammenwachsen. Der Rückgang klassischer Engineering Profile zeigt jedoch, dass viele Unternehmen kurzfristig vor allem dort bremsen, wo Investitionen in Hardware und Entwicklungskapazitäten direkt an Budgets hängen. Gleichzeitig bleiben digitale Rollen vergleichsweise resilient, weil sie nicht nur Entwicklung betreffen, sondern zunehmend auch Betrieb, Plattformen und datenbasierte Services.

HR-Krise trifft Recruiting und Transformationsfähigkeit

Besonders deutlich zeigt sich die Krise im Bereich Human Resources. Hier sinkt die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften im vierten Quartal 2025 um 23 Prozentpunkte auf 15 Prozent. Damit liegt die Gesamtnachfrage rund 47 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Für die Automobilindustrie ist das ein kritischer Nebeneffekt. Wenn HR-Bereiche unter Druck geraten, sinkt nicht nur die Recruiting-Leistung, sondern auch die Fähigkeit, große Transformationsprogramme personell zu begleiten. Gerade in der IT, wo Umschulung, interne Talentprogramme und Organisationsumbau eine zentrale Rolle spielen, kann ein Rückzug der HR-Funktion die Umsetzungsgeschwindigkeit zusätzlich bremsen.  „HR trifft die Krise am härtesten. Sobald Unternehmen Einstellungen stoppen und Personalplanung auf Eis legen, wird strategische HR-Arbeit automatisch zurückgefahren. Das hat gravierende Folgen für die Zukunftsfähigkeit der Organisationen“, warnt Florian Wagner, Lead Interim und HR Projects bei Hays.

In Summe zeigt der Fachkräfte Index, dass Unternehmen derzeit kurzfristige Stabilität priorisieren. Für die Automobilindustrie bedeutet das konkret, dass die Transformation nicht verschwindet, aber unter verschärften Effizienzdruck gerät. Die IT bleibt dabei ein strukturell getriebener Kernbereich, weil Digitalisierung, Automatisierung und KI keine optionalen Projekte mehr sind, sondern Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Wer jetzt selektiv einstellt, priorisiert und fokussiert, muss umso klarer definieren, welche IT Kompetenzen im eigenen Haus unverzichtbar sind. Denn gerade im Automotive Umfeld entscheidet sich in dieser Phase, wer die Transformation auch in einem Abschwung operationalisieren kann und wer sie nur verwaltet.

Über den Hays Fachkräfte-Index

Der Hays Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der Index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk Xing. Der Fachkräfte-Index zeigt die prozentuale Veränderung zum Ausgangswert vom 1. Quartal 2015 an. Sämtliche Positionsbezeichnungen gelten grundsätzlich für alle Geschlechter.