Rückstand auf USA und China wird größer

Deutschland investiert massiv in Rechenzentren

Der Bedarf an KI-Rechenleistung lässt den deutschen Rechenzentrumsmarkt kräftig wachsen. Doch trotz Rekordinvestitionen baut Deutschland seinen Rückstand auf die USA und China weiter aus.

2 min
Langer Gang zwischen Serverracks in einem Rechenzentrum mit heller Deckenbeleuchtung.
Der weltweite KI-Boom befeuert den Ausbau von Rechen-Infrastruktur.

Der Boom rund um künstliche Intelligenz verändert den Rechenzentrumsmarkt in Deutschland grundlegend. Einer aktuellen Studie des Digitalverbands Bitkom zufolge wird bis 2035 mehr als die Hälfte der deutschen Rechenzentrumskapazität für KI-Anwendungen und High Performance Computing (HPC) benötigt. Heute liegt dieser Anteil bei rund 20 Prozent. Gleichzeitig soll sich die gesamte IT-Anschlussleistung von derzeit 3,3 Gigawatt auf rund 9,7 Gigawatt nahezu verdreifachen.

Die Kapazität für KI-Workloads würde demnach von aktuell 670 Megawatt auf mehr als 5.300 Megawatt im Jahr 2035 steigen. Als besonderes Profil des Standorts Deutschland sehen die Studienautoren vor allem die Entwicklung von Industrial-AI-Anwendungen in Industrie, Maschinenbau und Fertigung. „Der KI-Wettbewerb ist auch ein Wettbewerb um Rechenleistung. Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert auch bei KI schnell den Anschluss“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

Rekordinvestitionen durch KI und Cloud

Balkendiagramm zu steigender Rechenzentrumskapazität in Deutschland bis 2035.

Der Ausbau der Infrastruktur schlägt sich auch in den Investitionen nieder. Für 2026 erwartet Bitkom Ausgaben von insgesamt 23,5 Milliarden Euro für Rechenzentren in Deutschland. Das entspricht einem Plus von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 18 Milliarden Euro fließen dabei in IT-Hardware wie Server und Speichersysteme, weitere 5,5 Milliarden Euro in Gebäude und technische Infrastruktur.

Neben KI bleibt die Cloud ein wesentlicher Wachstumstreiber. Die Kapazitäten von Cloud-Rechenzentren sollen von heute rund 1,9 Gigawatt auf mehr als sechs Gigawatt im Jahr 2035 steigen.

Deutschland bleibt Europas Nummer eins

Innerhalb Europas behauptet Deutschland seine Spitzenposition. Mit einer Rechenzentrumskapazität von rund 3,3 Gigawatt liegt die Bundesrepublik vor Großbritannien (2,9 Gigawatt), Frankreich (2,0 Gigawatt) und Irland (1,7 Gigawatt). Hessen bleibt dabei mit rund 1.200 Megawatt Anschlussleistung klar größter deutscher Rechenzentrumsstandort. Als aufstrebende Region gilt Brandenburg, wo derzeit mehr als 1.300 Megawatt zusätzliche Kapazitäten im Bau sind.

„Der Raum Frankfurt-Rhein-Main ist das Herzstück der deutschen Rechenzentrumslandschaft, gleichzeitig entwickeln sich im Norden Deutschlands neue Schwerpunktregionen“, so Wintergerst.

USA und China bauen ihren Vorsprung aus

Trotz des Wachstums wächst der Abstand zu den globalen Spitzenreitern. Während Deutschland bis 2035 auf knapp zehn Gigawatt Rechenzentrumskapazität kommen soll, werden für die USA rund 160 Gigawatt und für China etwa 90 Gigawatt erwartet. Europa insgesamt würde laut Prognose auf 37 Gigawatt kommen. Bereits 2025 verfügten die USA über rund 47 Gigawatt und China über 22 Gigawatt.

Aus Sicht des Bitkom gefährden insbesondere hohe Energiekosten, lange Genehmigungsverfahren und fehlende Flächen den weiteren Ausbau. Der Verband fordert deshalb bessere Investitionsbedingungen sowie einen schnelleren Ausbau der Strom- und Netzinfrastruktur.

Energiebedarf steigt deutlich

Mit den wachsenden Kapazitäten steigt auch der Strombedarf. Für 2026 prognostiziert Bitkom einen Energieverbrauch von rund 23 Milliarden Kilowattstunden für Rechenzentren und kleinere IT-Installationen in Deutschland. Bis 2035 könnte dieser Wert auf 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden anwachsen. Gleichzeitig verbessern sich die Effizienzwerte kontinuierlich. Der durchschnittliche PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) deutscher Rechenzentren sank von 1,63 im Jahr 2020 auf 1,42 im Jahr 2026.

„Rechenzentren bilden die infrastrukturelle Basis für das digitale Deutschland“, betont Bitkom-Präsident Wintergerst. „Sie ermöglichen nicht nur digitale Geschäftsmodelle, industrielle Transformation, Cloud und KI, sondern auch Arbeiten, Kommunikation, Streaming und viele öffentliche und private Dienstleistungen.“