Chinesische Autobauer setzen Benchmark im KI-Zeitalter
Innovationen im vernetzten Fahrzeug schön und gut. Doch künftig entscheidet nicht allein die Anzahl neuer Funktionen, sondern die Fähigkeit, Software, KI und digitale Ökosysteme schnell zu skalieren. Die neue Connected-Car-Innovation-Studie sieht hier vor allem junge chinesische OEMs vorne.
Chinesische Autohersteller sind laut aktueller CCI-Studie am besten auf das Software- und KI-Zeitalter vorbereitet.Zeekr
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automotiveIT car.summit 2026
Alle Ergebnisse der Connected-Car-Innovation-Studie 2026 wird CAM-Direktor Prof. Stefan Bratzel am 20. November auf dem automotiveIT car.summit präsentieren. Die Veranstaltung findet am 19. und 20. November 2026 in München statt und bringt Entscheider aus Engineering und IT zusammen. Im Mittelpunkt steht der Schritt vom Software Defined Vehicle zum AI Defined Vehicle und damit die Frage, wie Software, KI und Fahrzeugentwicklung künftig zusammenspielen.
Die Automobilindustrie tritt in eine neue Phase des Wettbewerbs ein. Während Connected-Car-Innovationen lange vor allem anhand neuer Displays, Infotainment-Dienste oder Fahrerassistenzsysteme bewertet wurden, rückt nun eine andere Frage in den Mittelpunkt: Welche Hersteller verfügen überhaupt über die Voraussetzungen, um softwaredefinierte und KI-gestützte Fahrzeuge künftig schnell zu entwickeln, kontinuierlich zu verbessern und weltweit auszurollen?
Genau diese Frage untersucht die erstmals erhobene „Connected Car Readiness (CCR)“ als neuer Bestandteil der aktuellen Connected-Car-Innovation-Studie, die das Center of Automotive Management (CAM) gemeinsam mit automotiveIT und Cisco Systems jährlich veröffentlicht.Die Analyse bewertet die technologische, organisatorische und strategische Zukunftsfähigkeit von 20 globalen Automobilherstellern und ergänzt damit den etablierten Connected-Car-Innovation-Index (CCI), der seit Jahren die Innovationsleistung der OEMs misst. „Die Automobilindustrie befindet sich mitten im Übergang vom softwaredefinierten zum zunehmend KI-definierten Fahrzeug“, sagt CAM-Direktor und Studienleiter Prof. Stefan Bratzel. „Entscheidend ist künftig nicht allein, wer heute die meisten Innovationen vorweisen kann. Erfolgreich werden jene Hersteller sein, die Software, Daten und künstliche Intelligenz dauerhaft beherrschen und in hoher Geschwindigkeit in ihre Fahrzeuge bringen können.“
Für die Branche besitzt diese Entwicklung enorme Bedeutung. „Innovationen entstehen zunehmend im Zusammenspiel von Fahrzeug, Cloud und digitalen Ökosystemen“, analysiert auch Peter Laxy, Automotive-Experte bei Cisco Deutschland. „Der Kundennutzen wird immer stärker durch kontinuierliche Software-Weiterentwicklungen über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus geschaffen. Das geht nur noch mit vollvernetzten Fahrzeugen.“
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Neue Spielregeln im SDV-Zeitalter
Für die aktuelle Studie analysierte das CAM mehr als 2.500 vernetzungsrelevante Innovationen der 30 größten Automobilhersteller weltweit. 1.894 davon wurden bereits in Serienfahrzeugen eingeführt, 582 als Weltneuheiten klassifiziert. Dabei zeigt sich: Die Innovationsdynamik rund um Connected Cars hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Gegenüber dem Zeitraum von 2016 bis 2020 stieg die Zahl serienreifer Connected-Car-Innovationen um rund ein Viertel. Besonders dynamisch entwickelten sich die Bereiche Connectivity & Infotainment, intelligente Interfaces sowie das noch junge Technologiefeld EV Ecosystem.
Entscheidend ist künftig nicht allein, wer heute die meisten Innovationen vorweisen kann. Erfolgreich werden jene Hersteller sein, die Software, Daten und künstliche Intelligenz dauerhaft beherrschen und in hoher Geschwindigkeit in ihre Fahrzeuge bringen können.
Stefan Bratzel, CAM
Die eigentliche Erkenntnis der Studie reicht jedoch über reine Innovationszahlen hinaus. Denn während der CCI den sichtbaren Innovationserfolg misst, untersucht die Connected Car Readiness die strukturellen Voraussetzungen hinter diesen Innovationen. Bewertet werden vier zentrale Faktoren: die SDV-Readiness von Hard- und Software, die Integration künstlicher Intelligenz, die Stärke der Technologie-Ökosysteme und Partnernetzwerke sowie Kultur und Organisation der Unternehmen. Insgesamt fließen 56 Einzelindikatoren in die Bewertung ein.
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„Viele Hersteller verfügen heute über interessante Connected-Car-Funktionen. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, ob sie diese Fähigkeiten auch skalieren und kontinuierlich weiterentwickeln können“, erklärt Bratzel. „Im Zeitalter des Software-Defined Vehicle werden Plattformkompetenz, KI-Integration und Organisationsgeschwindigkeit zu den eigentlichen Wettbewerbsfaktoren.“
China dominiert die Readiness-Rangliste
Die Ergebnisse der neuen CCR zeigen einen tiefgreifenden Strukturwandel der Branche. Die höchste Connected Car Readiness erreicht XPeng mit 97 Prozent, dicht gefolgt von Xiaomi. Ebenfalls in der Spitzengruppe finden sich Tesla, Nio, Li Auto, Rivian sowie die von Huawei geprägte HIMA-Allianz. Gemeinsam ist diesen Unternehmen ihre konsequente Softwareorientierung, moderne Elektronikarchitekturen und eine hohe organisatorische Agilität.
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Die etablierten OEMs haben bei Software und KI noch Nachholbedarf.CAM
Besonders auffällig ist die Dominanz chinesischer Hersteller. Sie besetzen einen Großteil der Spitzenplätze und haben sich in den vergangenen Jahren vom Herausforderer zum Taktgeber entwickelt. „Viele chinesische Hersteller denken das Fahrzeug von Beginn an als digitales Produkt“, sagt Bratzel. „Dadurch können sie beispielsweise KI-basierte Nutzererlebnisse deutlich schneller entwickeln und auf die Straße bringen als viele traditionelle Wettbewerber.“
Den besten deutschen CCR-Wert erzielt BMW mit 80 Prozent. Dahinter folgen Mercedes-Benz mit 73 Prozent sowie mit größerem Abstand Volkswagen, das mit 47 Prozent lediglich im hinteren Mittelfeld landet. Gerade die Wolfsburger verfügen zwar weiterhin über eine hohe Innovationsstärke, kämpfen aufgrund ihrer Konzernkomplexität jedoch stärker mit der Skalierung moderner Softwareplattformen.
Deutsche Hersteller bleiben bei Innovationen stark
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Der Blick auf den eigentlichen Connected-Car-Innovation-Index zeichnet allerdings ein differenzierteres Bild. Hier behaupten sich die deutschen Hersteller weiterhin an der Spitze. Volkswagen führt das OEM-Ranking vor Mercedes-Benz und BMW an. Dahinter folgen die chinesischen Gruppen Geely, BYD und SAIC.
Viele Hersteller verfügen über ein ausgewogenes Innovationsportfolio.CAM
Vor allem die Breite des Innovationsportfolios erweist sich als Stärke deutscher Hersteller. Volkswagen zählt in den Bereichen Interfaces, Connectivity & Infotainment sowie ADAS zu den führenden Akteuren. Mercedes-Benz erzielt die höchste Innovationsleistung bei Connectivity-Funktionen, während BMW insbesondere bei intelligenten Bedien- und Anzeigekonzepten punktet.
Nach mehreren Jahren relativer Rückgänge konnten deutsche Hersteller ihren Anteil an der weltweiten Connected-Car-Innovationsstärke zuletzt sogar wieder erhöhen. Während chinesische OEMs mittlerweile 40,7 Prozent der globalen Innovationsstärke auf sich vereinen, erreichen die deutschen Hersteller 35,4 Prozent und verkürzen damit den Abstand deutlich. „Die deutschen Hersteller haben ihre Innovationsdynamik zuletzt wieder spürbar erhöht“, sagt Bratzel. „Vor allem in den so zukunftsträchtigen Bereichen rund um das Thema Fahrzeugsoftware sehen wir wichtige Fortschritte.“
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KI wird zum Gamechanger
Eine zentrale Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz. Die Studie zeigt, dass sich die Automobilindustrie zunehmend vom softwaredefinierten zum KI-definierten Fahrzeug entwickelt. Bewertet wurden unter anderem generative Sprachassistenten, personalisierte Nutzerfunktionen und sogenannte Agentic-AI-Systeme, die selbstständig Aufgaben übernehmen können.
Die deutschen Hersteller haben ihre Innovationsdynamik zuletzt wieder spürbar erhöht
Stefan Bratzel, CAM
Zu den führenden Herstellern in diesem Bereich zählen zahlreiche chinesische OEMs, aber auch BMW, Mercedes-Benz und Tesla. Gerade intelligente Sprachassistenten entwickeln sich dabei zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal moderner Fahrzeuge.
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Parallel dazu gewinnen leistungsfähige Partnernetzwerke an Bedeutung. Kaum ein Hersteller kann heute alle notwendigen Technologien selbst entwickeln. Kooperationen mit Cloud-Anbietern, Chipherstellern, Kartendienstleistern oder Content-Plattformen werden deshalb zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Besonders gut positioniert sind laut Studie BMW, Tesla und XPeng. Geely, Volkswagen und Toyota kombinieren eigene Kompetenzen mit starken Partnerökosystemen.
Die Ergebnisse der diesjährigen Studie machen deutlich, dass die Automobilindustrie vor einer grundlegenden Neuverteilung der Wettbewerbspositionen steht. Während traditionelle Stärken in Produktion, Skalierung und Vertrieb weiterhin wichtig bleiben, gewinnen Softwarekompetenz, KI-Fähigkeiten und agile Organisationsstrukturen zunehmend an Bedeutung.
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass deutsche Hersteller trotz schwieriger Marktbedingungen ihre Innovationskraft behaupten und teilweise sogar ausbauen konnten. Die entscheidende Herausforderung besteht nun darin, die hohe Innovationsleistung auch in dauerhaft wettbewerbsfähige Software- und KI-Plattformen zu überführen. „Die nächste Dekade wird in der Autoindustrie nicht primär in den Fabriken entschieden“, resümiert Bratzel. „Der Wettbewerb verlagert sich in Richtung Software, KI und digitale Ökosysteme. Wer dort dauerhaft Tempo aufnehmen kann, wird die Mobilität von morgen prägen.“
Die Connected-Car-Innovation-Studie 2026
Der Connected-Car-Innovation-Index (CCI) ist eine jährlich durchgeführte Branchenstudie, die Innovationstrends und Innovationsleistungen von 30 weltweiten Automobilherstellern in den Bereichen Interfaces, Connectivity & Infotainment, Electric Vehicle Ecosystem und ADAS & autonomes Fahren analysiert. Über die neue Connected Car Readiness (CCR) werden zudem die strukturellen Voraussetzungen bewertet, künftig wettbewerbsfähige Software-Defined Vehicles zu entwickeln und erfolgreich zu skalieren. Basis der Studie ist die Innovationsdatenbank des Center of Automotive Management (CAM). Alles zur Methodik, weitere Rankings, Analysen und Hintergründe zum CCI- und CCR-Index 2026 sowie die Möglichkeit zum Download der Executive Summary und der gesamten CCI-Studie finden Sie hier.