Quantencomputing

Bosch investiert 160 Millionen Euro in Quantum Motion

Bosch Ventures hat erneut in Quantum Motion investiert. Die Investition fällt in eine Phase, in der Bosch Kosten senkt und neue Geschäftsfelder aufbauen will. Dahinter steht eine strategische Frage, die über einzelne Beteiligungen hinausreicht.

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Nahaufnahme einer grünen Leiterplatte mit feinen Leiterbahnen, goldfarbenen Steck- und Kontaktflächen sowie mehreren runden Koaxialanschlüssen. Im Zentrum ist ein kleiner Chip in einem goldfarbenen Träger zu sehen, der über dünne Bonddrähte mit der Platine verbunden ist. Rechts neben dem Chip befindet sich das weiße Logo von Quantum Motion auf der Platine. Das Bild visualisiert die technische Grundlage von Quantencomputing auf Halbleiterbasis und passt zur Beteiligung von Bosch Ventures an Quantum Motion.
Bosch Ventures beteiligt sich erneut an Quantum Motion und investiert damit in Quantencomputer auf Basis von Siliziumtechnologie. Die Finanzierungsrunde über 160 Millionen US-Dollar fällt in eine Phase, in der Bosch Kosten senkt, Stellen abbaut und zugleich neue Geschäftsfelder über Beteiligungen und Startup-Aktivitäten erschließen will.

Bosch Ventures beteiligt sich an der Series-C-Finanzierungsrunde des Londoner Deep-Tech-Unternehmens Quantum Motion. Die Runde umfasst 160 Millionen US-Dollar und wird gemeinsam von den Deep-Tech-Investoren DCVC und Kembara angeführt. Weitere Beteiligte sind unter anderem die staatliche britische Förderbank British Business Bank, dem auf Quantencomputing spezialisierten Investor Firgun sowie bereits beteiligten Kapitalgebern.

Quantum Motion arbeitet an Quantencomputern auf Basis von Siliziumtransistoren. Der Ansatz nutzt damit eine Technologie, die auch im heutigen Halbleiterumfeld eingesetzt wird. Nach Angaben von Bosch soll dies Kosten, Platzbedarf und Energieverbrauch im Vergleich zu anderen Quantencomputing-Technologien senken. Für Bosch Ventures entsteht damit ein Bezug zu Rechenzentren, Halbleitern und energieintensiven digitalen Anwendungen. Die Beteiligung ordnet sich in ein Feld ein, in dem technische Skalierbarkeit und industrielle Anschlussfähigkeit über die spätere Nutzung entscheiden.

Bosch zwischen Sparkurs und Zukunftsinvestitionen

Die Investition steht im Zusammenhang mit einem Konzernumbau. Bosch verzeichnete 2025 nach vorläufigen Zahlen einen Rückgang des operativen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern um gut 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 91,0 Milliarden Euro. Belastend wirkten unter anderem Kosten für den Stellenabbau, Zölle und ein hoher Wettbewerbsdruck.

Bosch hatte im September 2025 weitere Stellenstreichungen angekündigt. Für sozialverträgliche Lösungen wurden laut Bericht rund 2,7 Milliarden Euro zurückgestellt. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf die Notwendigkeit, Investitionsfähigkeit für künftige Geschäftsfelder zu sichern. Die Beteiligung an Quantum Motion zeigt daher einen Zielkonflikt zwischen Kostendisziplin und Technologieaufbau. Während etablierte Bereiche unter Druck stehen, werden ausgewählte Zukunftsfelder weiter mit Kapital ausgestattet.

Welche Rolle spielen Startups in der Bosch-Strategie?

Neben der Beteiligung über Bosch Ventures baut Bosch auch interne Gründungsaktivitäten aus. Für Bosch Business Innovations sollen in den nächsten fünf Jahren rund 200 Millionen Euro bereitgestellt werden. Ziel ist es, Startups aufzubauen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zu den ersten Feldern zählen softwaregesteuerte Fertigung, medizinische Fernüberwachung sowie Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Treibhausgasen.

Bosch Ventures und Bosch Business Innovations verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze. Während Bosch Ventures in externe Startups investiert, zielt Bosch Business Innovations auf Geschäftsaufbau aus dem Unternehmen heraus. Die Beteiligung an Quantum Motion ergänzt damit die Suche nach Technologien außerhalb des bestehenden Kerngeschäfts. Für Bosch entsteht dadurch ein zweigleisiger Innovationsansatz aus Beteiligungen und internen Ausgründungen. Entscheidend wird sein, ob aus diesen Aktivitäten tragfähige Geschäftsmodelle mit industrieller Relevanz entstehen.

Silizium als technologische Grundlage für Quantum Motion

Quantum Motion entwickelt eine Architektur, die auf standardisierten Siliziumtransistoren basiert. Nach Unternehmensangaben sollen Quantencomputer dadurch leichter in Rechenzentren integriert werden können. Spezialinfrastruktur soll weniger stark erforderlich sein als bei anderen Ansätzen. Der Bezug zur bestehenden Halbleiterfertigung ist dabei ein zentraler Bestandteil des technologischen Konzepts.

Der Energiebedarf von Rechenzentren steigt durch KI-Anwendungen und datenintensive Prozesse. Bosch stellt die Beteiligung daher auch in den Kontext künftiger digitaler Infrastruktur. Ob und wann siliziumbasierte Quantencomputer industrielle Anwendungen in größerem Umfang erreichen, hängt jedoch von Skalierung, Stabilität und Marktakzeptanz ab. Für industrielle Nutzer zählt am Ende nicht allein die Rechenleistung, sondern auch die Einbindung in bestehende IT- und Fertigungsumgebungen. Genau an dieser Schnittstelle könnte sich entscheiden, ob der Ansatz von Quantum Motion über die Forschungsphase hinaus wirtschaftliche Bedeutung erhält.

Welche Bedeutung hat die Finanzierungsrunde?

Die Series-C-Runde verschafft Quantum Motion zusätzliches Kapital für die Weiterentwicklung seiner Technologie. Für Bosch Ventures ist es nicht die erste Beteiligung an dem Unternehmen: Bereits 2023 führte die Venture-Capital-Einheit eine Series-B-Runde über 50 Millionen US-Dollar an. Die erneute Beteiligung deutet darauf hin, dass Bosch Ventures den technologischen Ansatz weiterverfolgt.