Mangelnde IT-Infrastruktur
Darum werden digitale Zwillinge in der Industrie ausgebremst
Digitale Zwillinge gelten als Schlüssel für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Doch noch scheitert ihr Einsatz häufig an fehlenden Daten und schwacher IT-Infrastruktur. Viele Unternehmen sehen sich als Nachzügler, positive Beispiele gibt es in der Autoindustrie.
Autobauer wie BMW setzen bereits auf digitale Abbilder der eigenen Prozesse.
BMW
Digitale Zwillinge spielen aus Sicht der Industrie eine
zentrale Rolle für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Dennoch kommen sie in der
Praxis oft nicht über Pilotprojekte hinaus. Hauptgrund ist laut einer aktuellen
Befragung des Digitalverbandes Bitkom der fehlende Datenzugang: 57 Prozent der
Industrieunternehmen geben an, dass die notwendigen Daten für den Einsatz
digitaler Zwillinge fehlen. Hinzu kommen Defizite in der IT-Infrastruktur, die
für 48 Prozent ein entscheidendes Hindernis darstellen. Der Bitkom hat für diese Zahlen 555 Unternehmen des
verarbeitenden Gewerbes in Deutschland befragt.
Hohe Erwartungen, schwache Umsetzung
Trotz der strukturellen Defizite ist der Nutzen digitaler
Zwillinge in den Unternehmen weitgehend anerkannt. 62 Prozent der Befragten
rechnen der Technologie eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit zu.
Besonders hoch sind die Erwartungen mit Blick auf die Produktion:
79 Prozent sehen digitale Zwillinge als Enabler für vorausschauende Wartung, 58
Prozent erwarten effizientere Produktionsprozesse. Ebenso viele verbinden die
Technologie mit neuen Geschäftsmodellen. Zudem sehen 66 Prozent Potenziale zur
Reduktion von Emissionen.
Industrie sieht sich selbst im Rückstand
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Grundlage für KI-Anwendungen und digitale Zwillinge in der Automobilindustrie
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Die Selbsteinschätzung der Unternehmen fällt jedoch
ernüchternd aus. Nur 23 Prozent sehen sich beim Einsatz digitaler Zwillinge in
einer Vorreiterrolle, während 60 Prozent ihr Unternehmen als Nachzügler
bezeichnen. Weitere 14 Prozent gehen davon aus, den Anschluss bereits verpasst
zu haben.
Bitkom-Vizepräsidentin und Bosch-CDO Tanja Rückert bringt
das Kernproblem auf den Punkt:
„Digitale Zwillinge haben herausragende Bedeutung für die Zukunft der deutschen
Industrie. Die Technologie braucht vor allem eines: Daten.“ Zugleich plädiert
sie für mehr Offenheit beim Datenteilen und eine stärkere politische
Unterstützung, etwa durch „niedrigschwellige KI-Förderprogramme für den
Mittelstand“.
Autoindustrie mit Vorstößen
Dass digitale Zwillinge unter den richtigen Voraussetzungen
funktionieren, zeigen mehrere Automobilhersteller bereits heute. BMW setzt in
seinem neuen Werk im ungarischen Debrecen konsequent auf einen vollständig
virtuellen Fabrikzwilling, der Planung, Aufbau und Betrieb integriert. Mercedes-Benz nutzt im Werk Rastatt digitale Zwillinge, um Produktionsprozesse
frühzeitig zu simulieren und flexibel auf Variantenvielfalt zu reagieren. General Motors wiederum treibt gemeinsam mit Nvidia virtuelle Fabrikumgebungen
voran , um Layouts, Materialflüsse und Automatisierung vorab zu optimieren.