Schnellerer Aufbau von Sprechverbindungen

Netzbetreiber starten mit NG eCall neue Notruf-Technologie

Die deutschen Mobilfunknetzbetreiber bringen mit NG eCall die nächste Generation des Fahrzeugnotrufs in ihre Netze. Der automatische Notruf nutzt künftig 4G und 5G, übermittle Daten schneller und eröffne neue Möglichkeiten für digitale Sicherheitsdienste im Auto.

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Finger pressing emergency sos button to contact with call center to ask for help after car accident. SOS button in a car as a symbol for the eCall system in European cars.
Der eCall dient dazu, nach schweren Unfällen automatisch Hilfe zu alarmieren und ist seit 2018 für neue Fahrzeugtypen in der EU verpflichtend.

Die deutschen Mobilfunknetzbetreiber Vodafone, Deutsche Telekom und O2 Telefonica haben den Start des neuen Fahrzeugnotrufsystems Next Generation Emergency Call (NG eCall) in ihren Netzen bekannt gegeben. Mit NG eCall wird der automatische Notruf nicht mehr über die veraltete 2G Mobilfunktechnik abgewickelt, sondern über 4G LTE und perspektivisch auch über 5G. Ziel ist ein schnellerer Verbindungsaufbau zu den Leitstellen sowie eine beschleunigte und erweiterte Übertragung von Standort und Fahrzeugdaten.

Das bisherige eCall System bleibt weiterhin in Betrieb und wird parallel genutzt. NG eCall kommt nur dann zum Einsatz, wenn sowohl das Fahrzeug als auch die Notrufzentrale die neue Technologie unterstützen. Andernfalls erfolgt der Notruf wie bisher über das bestehende System. Der Parallelbetrieb soll sicherstellen, dass der automatische Notruf auch während der Übergangsphase zuverlässig funktioniert.

Technisch eröffne NG eCall neue Möglichkeiten für datenbasierte Dienste im Fahrzeug. Durch die höhere Bandbreite der modernen Mobilfunknetze könnten künftig zusätzliche Informationen übertragen werden, sofern die Fahrzeuginsassen dem zustimmen. Dazu zählen etwa medizinische Daten oder perspektivisch auch Live-Bilder aus im Fahrzeug verbauten Kameras. Rettungskräfte könnten so bereits vor dem Eintreffen am Unfallort ein genaueres Lagebild erhalten und sich gezielter vorbereiten.

Die Netzbetreiber sehen in der Einführung einen wichtigen Schritt für die Verkehrssicherheit. Vodafone betont, dass NG eCall Fahrzeugnotrufe zukunftssicher mache und Rettungskräften schneller einen umfassenderen Überblick über das Unfallgeschehen ermögliche. O2 Telefónica verweist auf die Bedeutung moderner Mobilfunknetze für einen verlässlichen Notruf, unabhängig davon, ob sich ein Fahrzeug auf der Autobahn oder auf dem Land befindet. Die Telekom hebt hervor, dass mit NG eCall die Leistungsfähigkeit der eigenen 4G und 5G Netze gezielt für sicherheitskritische Anwendungen genutzt werde. Im Netz von 1&1 ist NG eCall derzeit noch nicht umgesetzt. Das Unternehmen begründet dies mit fehlenden Partnerschaften für Flotten SIM Karten mit Fahrzeugherstellern und kündigt eine Implementierung an, sobald entsprechende Verträge bestehen.

Regulatorisch gewinnt der NG eCall an Bedeutung. Während das bisherige eCall System seit 2018 für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in der EU vorgeschrieben ist, gilt der NG eCall seit Januar 2026 als verpflichtend für neue Fahrzeugmodelle. Ab dem kommenden Jahr muss das System zudem in allen neu zugelassenen Fahrzeugen verbaut sein. Der Umstieg ist auch vor dem Hintergrund der geplanten Abschaltung älterer Mobilfunknetze relevant. Die 3G-Netze wurden in Deutschland bereits 2021 außer Betrieb genommen. Vodafone und Telekom planen die Abschaltung von 2G im Jahr 2028, wobei Vodafone für besonders kritische Anwendungen wie den eCall eine Nutzung bis Ende 2030 ermöglichen will. O2 Telefónica hat bislang keinen konkreten Termin für die Abschaltung von 2G genannt.