| von Stefan Grundhoff

Die Lust am eigenen Auto ist durch die Corona-Pandemie spürbar gewachsen. Viele Menschen wollten und wollen sich die Infektionsgefahr in einem öffentlichen Verkehrsmittel nicht aussetzen. Flugzeuge, Busse, Züge und Bahnen werden gemieden. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend nach dem etwaigen Ende der Pandemie nicht wieder auflösen wird und viele den Nutzen eines eigenen Autos langfristig zu schätzen wissen werden. Davon dürften in erster Linie der Gebrauchtwagenmarkt sowie Leasingmodelle profitieren, denn jemand, der zuvor kein Auto besessen hat, dürfte kaum dazu übergehen, sich ein teures Fahrzeug für den Eigengebrauch zu kaufen. Eine Alternative zu einem Neuwagenleasing oder dem günstigen Gebrauchten ist das Auto-Abo, das sich in Europa und speziell Deutschland bisher eher schwertat. Durch den zunehmenden Elektrotrend wittern hier viele eine neue Chance.

Während Automobilunternehmen in der Vergangenheit über Abonnements gesprochen haben, stiegen die Diskussionen in den Gewinnmitteilungen im vergangenen Jahr mit dem Eintritt von mehr OEMs in diesen Bereich stark an. Die Erwähnung von Abonnements in Gewinnmitschriften stieg 2020 um rund 73 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so die Analytics-Plattform von GlobalData. "Eine wichtige Lektion des Jahres 2020, die mehrere Unternehmen auf die harte Tour gelernt haben, ist die Diversifizierung der Vertriebskanäle", so Rinaldo Pereira, Analyst bei Global Data. "Mehrere Autohersteller wie Audi und BMW haben in den letzten fünf Jahren den Abo-Vertrieb ausprobiert, waren aber nicht übermäßig erfolgreich. Dennoch gibt es immer noch eine große Chance für Automobilhersteller, wiederkehrende Umsätze über ein Abo-Modell zu generieren - zum Beispiel, um Kunden zu gewinnen, die auf Elektrofahrzeuge umsteigen wollen."

Vielen Interessenten ist das Risiko beim Kauf eines Elektroautos zu groß, weil der Akkufortschritt die Gebrauchtwagenpreise in einigen Jahren schwer abschätzbar macht und so mancher Kunde die moderne Mobilität nicht im Rahmen eines statischen Kaufes sieht. Die zunehmende Affinität der Verbraucher zu Elektroautos hat Abonnement-Unternehmen wie Facedrive dazu veranlasst, ihre Angebote an elektrifizierten Fahrzeugen auszubauen. Laut Global Data wird die Elektroauto-Produktion bis zum Jahre 2028 voraussichtlich 38 Prozent der weltweiten Light-Vehicle-Produktion erreichen und bis 2030 bei knapp über 23,5 Millionen Einheiten liegen. Kaum ein Hersteller, der sein Angebot an Elektrofahrzeugen in den kommenden Jahren nicht mächtig nach oben schraubt.

Geely-Konzern setzt auf Abos

Hersteller wie Tesla, General Motors oder Volkswagen wollen auch andere Abo-Dienste wie Konnektivität (Datentarife, Navigationskarten, Spiele, Musik und andere internetbasierte Dienste) in Verbindung mit selbstfahrenden Funktionen in ihren jeweiligen Elektromodellen anbieten. Dazu bietet der chinesische Tesla-Konkurrent als einer von wenigen eine Batterie im Abopaket an. Bei Renault und dem Elektrokleinwagen Zoe hatte sich das Batterie-Abonnement in Europa dagegen nicht durchgesetzt. "Die Verbraucher wollen den Stress des Autokaufs vermeiden und gleichzeitig die Flexibilität haben, ein bestimmtes Budgetauto zu wählen", erläutert Rinaldo Pereira, "Facedrive ist ein solches Unternehmen, das diesen Wandel vorantreibt - es stellt sich als das Netflix der Autoindustrie vor und setzt dabei auf Nachhaltigkeitstrends."

Doch bisher tun sich die Autohersteller mit den hauseigenen Aboservices schwer. Der Geely-Konzern setzt mit Marken wie Volvo und Lynk & Co. mehr als andere Hersteller auf den Zeitmietvertrag. Lynk & Co bietet sein 01-Modell für 42.000 Euro an; geht jedoch davon aus, dass sich die meisten Kunden für ein Abo entscheiden, das 500 Euro im Monat kostet und monatlich kündbar ist. Enthalten sind 1.250 Kilometer sowie die Wartung und die Versicherung. Wer mehr als die Gratis-Kilometer fährt, zahlt pro Kilometer 0,15 Cent, fährt man weniger, werden die Bonus-Meter auf den nächsten Monat übertragen.

Der Kniff des Lynk & Co-Modells ist, dass man das Auto eigenmächtig mit anderen Personen teilen kann und sich dadurch die Kosten spart. Volvo hat vor rund drei Jahren das Programm Care ins Leben gerufen. Das günstigste verfügbare Modell ist aktuell der Volvo XC40 zu einer Monatsgebühr von mindestens 479 Euro. Die größeren Modelle XC60 und XC90 gibt es ab 659 bzw. 909 Euro. Man kann 30 Tage unverbindlich testen, danach gibt es eine dreimonatige Kündigungsfrist und einen Paketpreis, in dem außer das Benzin alles enthalten ist. Wenn Volvo in den kommenden Jahren komplett elektrisch wird, sollen nicht mehr als die Stromkosten anfallen.

Teure Autovermieter

Leichter als die Autohersteller selbst tun sich eigens gegründete Aboanbieter ohne Markenbindung. Vive La Car bietet neben einem etwas unglücklichen Namen ein besonders großes Angebot an Fahrzeugen aller Art zur Nutzung auf Zeit. Während ein Mini Cooper 320 Euro pro Monat kostet, liegt der BMW 320d Touring bei 520 Euro oder ein Hyundai i10 als Einstiegsmodell bei knapp 190 Euro. Vive La Car bietet sogar Wasserstofffahrzeuge wie den Hyundai Nexo für 520 Euro an. Weiterhin im Fuhrpark: Elektroautos wie der Hyundai Kona Electric, ein Nissan Leaf oder der Kia Soul - jeweils zu Preisen von rund 260 Euro. Da kommen die bekannten großen Mietwagenanbieter nicht mit. Hier kosten die Dauermieten pro Monat schnell 500 bis 1.000 Euro.

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