BMW i3 vs. Mercedes C-Klasse EQ
Der Bayern-Trumpf sticht im Duell der Limousinen
Nachdem im vergangenen Herbst erstmals BMW iX3 und Mercedes GLC EQ aufeinandertrafen, geht es ein halbes Jahr später in die nächste Runde. Mit ähnlicher Technik treten nunmehr BMW i3 und Mercedes C-Klasse gegeneinander an. Was bieten die E-Limousinen?
München gegen Stuttgart: Welche Elektrolimousine gewinnt das süddeutsche Dauerduell?
BMW / Mercedes-Benz / Collage
Der elektrische Mercedes GLC ist noch nicht einmal auf dem
Markt, da legen die Schwaben bereits das Schwestermodell in weich gezeichneter Limousinensilhouette
nach. Auch die C-Klasse wird ab Herbst elektrisch und soll dabei nicht zuletzt dem
neuen BMW i3 das Leben schwer machen. Im vergangenen Jahr hatte BMW mit seinem neuen Elektro-SUV iX3
rund um die Münchner IAA den ganz großen Auftritt. Der im ungarischen Kecskemet
produzierte Elektro-Crossover schlug prächtig ein und stahl dabei nicht zuletzt
dem direkten Wettbewerber Mercedes GLC EQ die Schau, was die
Mercedes-Verantwortlichen mehr als ärgerte.
Das dürfte beim Schwestermodell, der elektrischen Mercedes
C-Klasse, nicht viel anders sein, denn auch hier ist der elektrische BMW i3 bei
Publikumspremiere und Marktstart ein paar Wochen früher dran als der
Wettbewerber mit Stern und dem selbstbewusst im Wind stehenden
Plakettenkühlergrill. Der BMW i3 feierte bereits Mitte März in München
seine offizielle Weltpremiere, während sich die Mercedes-Fans noch bis Ende
April gedulden müssen, ehe der C-Klasse EQ in Asien unter Applaus die Elektro-Showbühne
betreten dürfte.
Reichweite, Ladeleistung und Batterie: Wer bietet mehr?
In Sachen Plattform und Akkutechnik liegt der BMW i3
gegenüber der elektrischen C-Klasse ebenso weit vorne wie der iX3 gegenüber dem
GLC EQ. Neben dem Basismodell des Mercedes C 300 EQ wird als zweite
Motorvariante der C 400 EQ 4matic jene Kunden ansprechen, die mehr Leistung und
insbesondere einen Allradantrieb wollen. Die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse dürften
nach GLC-Vorbild gemeinsam 360 kW / 489 PS leisten und von einem 94 kWh großen
Batteriepaket im Unterboden mit Energie versorgt werden. Damit sollten locker
700 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp drin sein. Derweil dürfte das
800-Volt-Bordnetz ein Tanktempo von bis zu 330 kW ermöglichen.
Ein ähnliches Bordnetz bietet auch die neue Klasse aus dem
Hause BMW; jedoch mit beeindruckenderen technischen Daten. Seine Premiere
feiert der 4,76 Meter lange Viertürer in Spätherbst zunächst als BMW i3 50
xDrive. Für den Antrieb sorgen an beiden Achsen Elektromotoren der sechsten
Generation mit einer Gesamtleistung von 345 kW / 469 PS und einem maximalen
Drehmoment von bis zu 645 Nm. Während an der Hinterachse eine stromerregte
Synchronmaschine arbeitet, versorgt die vordere Achse ein Asynchronmotor mit
Energie, der komplett abgekoppelt werden kann und so den Realverbrauch senkt.
Dank des knapp 109 kWh großen Batteriepakets beträgt die
maximale Reichweite 900 Kilometer, ehe der Bayer, produziert im Werk München,
wieder an die Ladesäule muss, wo er mit bis zu 400 kW erstarkt. Am AC-Lader
sind bis zu 22 kW drin. Bei dieser Reichweite können allenfalls die sparsamen
Dieselversionen wie bisher ein BMW 320d mithalten.
Infotainment und Innenraum: Wer hat hier die Nase vorn?
So sehr der BMW i3 die elektrische C-Klasse bei der
Ladetechnik ausstechen kann, so sehr kann der Schwabe im Innern und bei der
Bedienung punkten.
Während BMW bei i3 / iX3 auf sein Panoramic Display, Head-Up
und zentralen 17,9-Zoll-Bildschirm setzt, bieten C- und GLC-Klasse hier
deutlich mehr. Edel, gut verarbeitet und mit einem imposanten Digitalcockpit,
das sich mit einer Diagonale von fast einem Meter (39 Zoll) von A- zu A-Säule
zieht. Keine Panorama-Spielereien wie im BMW iX3, sondern eine massive
Display-Wand, die Eindruck macht und ein Lenkrad, das besser in der Hand liegt.
Überraschend: im Unterschied zu Mercedes lässt BMW als einer
der wenigen Hersteller auch im neuen i3 ein Beifahrerdisplay außen vor. Das
Lenkrad bleibt auch in der Limousinenversion Geschmacksache. Der
Fahrzeugschlüssel kann wie bei Mercedes zuhause bleiben, denn für die Fahrt
braucht es nicht mehr als ein entsprechend vorbereitetes Smartphone.
Praktisch: wer BMW i3 oder Mercedes C-Klasse EQ einmal an
Freunde oder Bekannte geben will, kann den digitalen Schlüssel entsprechend per
Sendefunktion weiterleiten. Ankommen dürfte bei beiden Mittelklasse-Limousinen das
Platzangebot mit bequemen Sitzgelegenheiten vorne wie hinten – angenehm
beheizt, elektrisch verstellbar und auf Wunsch gekühlt.
Die Komfortausstattung des Elektro-Benz bietet auch der BMW i3,
der in München, Mexiko und China vom Band läuft und im Herbst einen identisch
aussehenden 3er mit Verbrenner zu Seite gestellt bekommt.
Assistenzen und Architekturen im Vergleich
Beim Thema Fahrerassistenz hätte man von beiden Modellen im
Modelljahr 2027 mehr erwartet. Level-drei-Fahren bieten weder Mercedes noch BMW
bei seinen Mittelklassemodellen und haben dieses Extra auch bei den Topversionen
S-Klasse und 7er gestrichen – zu hohe Kosten, zu wenig Kundennachfrage und eine
Nutzung bis Tempo 60 / 95 allein in Deutschland.
Fortgeschrittene Level-zwei-plus-Funktionen sorgen stattdessen
bei beiden Limousinen für Entspannung in Innenstadt und auf der Autobahn, doch echte
Lese- oder Ruhezeiten ohne die Augen von der Straße zu nehmen, bietet keiner
der beiden. Für die Vernetzung von Antrieb, Fahrwerk, Bordnetz und Akkupaket
sind in beiden Modellen die jeweils neuesten IT-Architekturen verbaut.
Während BMW im i3 auf vier Hochleistungsrechner setzt und dem
eigens entwickelte Operating System X mit dem „Heart of Joy“ eine stimmungsvolle
Marketingbezeichnung gegeben hat, lässt es Mercedes mit dem MB.OS-System etwas
bodenständiger, aber ähnlich schnell in Sachen Prozessortechnik angehen. Beide
Modelle bieten eigene Sprachassistenten mit KI-Unterstützung für einfache
Bedienung von verschiedensten Funktionen – natürlich „over-the-air-updatefähig“.
Fahrwerk und Komfort – Value for Money?
Größer sind die Unterschiede beim Fahrwerk. Seinen gehobenen
Komfortanspruch folgend ist die elektrische Mercedes C-Klasse auf Wunsch mit
einer Luftfederung inklusiv Hinterachslenkung unterwegs, während der Bayer auf Zweigelenk-Federbein-Vorderachse
und Fünflenker-Hinterachse – auf Wunsch mit adaptiver Verstellung – setzt.
Preislich dürfte es für beide Modelle zunächst bei rund 65.000
Euro losgehen. Weitere Motorvarianten mit weniger Leistung werden folgen, was
den Einstiegspreise BMW i3 und Mercedes C-Klasse EQ an die 60.000-Euro-Marke
drücken dürfte.
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