Deutsche sehen digitale Innovationen als Chance für Autobranche
Software, KI und vernetzte Funktionen gewinnen für die deutsche Automobilindustrie an Bedeutung. Eine Bitkom-Umfrage zeigt, welche Technologien Verbraucher beim Autokauf erwarten und wie sich ihre Einstellung zum autonomen Fahren verändert.
Ronja SchmiedchenRonjaSchmiedchenRedaktion, Social Media & Moderation
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Besonders bei Konnektivität und intelligenten Fahrzeugsystemen steigen die Erwartungen der Verbraucher.stock.adobe.com / metamorworks
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Die deutsche Automobilindustrie steht angesichts internationaler Konkurrenz und technologischer Veränderungen unter erheblichem Druck. Dennoch trauen ihr 71 Prozent der Deutschen eine Rückkehr zu früherer Stärke zu. Voraussetzung dafür sind aus Sicht vieler Befragter vor allem digitale Innovationen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor, für die 1.003 Personen ab 16 Jahren befragt wurden. Demnach sind 79 Prozent überzeugt, dass die heimische Automobilbranche ohne digitale Innovationen langfristig nicht wettbewerbsfähig bleiben kann. Sieben von zehn Befragten halten Kooperationen mit Technologieunternehmen für notwendig, um international mithalten zu können. Gleichzeitig sprechen sich 49 Prozent dafür aus, dass sich die Hersteller wieder stärker auf ihre traditionellen Stärken konzentrieren.
Die Herausforderungen für die deutsche Automobilindustrie sind nach Einschätzung der Befragten vielfältig. Als besonders problematisch gelten steigende Benzin- und Energiepreise, die 69 Prozent nennen. Handelskonflikte werden von 67 Prozent als Belastung betrachtet. Mehr als die Hälfte sieht zudem neue Wettbewerber als Herausforderung für die Marktposition deutscher Hersteller. Auch der technologische Wandel stellt die Branche vor Aufgaben. So betrachten 48 Prozent die Abhängigkeit von Batterielieferanten als problematisch. Einen Mangel an Ingenieurinnen und Ingenieuren mit IT-Fachwissen nennen 38 Prozent. Dagegen stufen lediglich 25 Prozent die Entwicklung hin zu vernetzten und autonomen Fahrzeugen als Herausforderung ein.
Konnektivität gewinnt beim Autokauf an Bedeutung
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Digitale Funktionen spielen bei der Kaufentscheidung inzwischen eine wichtige Rolle. Für 80 Prozent der Befragten ist ein Internetzugang im Fahrzeug relevant. Im Jahr 2023 lag dieser Anteil noch bei 66 Prozent. Damit wird Konnektivität mittlerweile häufiger als wichtig eingestuft als das Fahrzeugdesign oder die Marke, die jeweils auf 56 Prozent kommen. Auch moderne Fahrerassistenzsysteme stehen bei vielen Verbrauchern im Fokus. 77 Prozent messen ihnen eine hohe Bedeutung bei, während 74 Prozent auf die Kompatibilität des Cockpits mit dem eigenen Smartphone achten. Fahrzeugdatenbasierte Dienste sind für 71 Prozent wichtig. Zwei Drittel legen zudem Wert darauf, dass sich die Fahrzeugsoftware über das Internet aktualisieren lässt. Klassische Kaufkriterien behalten dennoch ihren hohen Stellenwert. Sicherheit ist für 98 Prozent der Befragten wichtig. Es folgen Umwelteigenschaften mit 94 Prozent und Komfort mit 93 Prozent. Auch der Anschaffungspreis bleibt für die große Mehrheit ein entscheidender Faktor.
Digitale Ausstattung gewinnt beim Autokauf an Bedeutung.Bitkom
Beim Einsatz künstlicher Intelligenz im Fahrzeug stehen sicherheitsbezogene Funktionen besonders hoch im Kurs. 83 Prozent würden eine Technologie begrüßen, die das Auto bei einem erkannten Diebstahlversuch automatisch blockiert. Eine KI, die zur Unfallvermeidung selbstständig die Fahrzeugsteuerung übernimmt, befürworten 78 Prozent. Weitere 69 Prozent stehen Systemen positiv gegenüber, die eine mögliche Fahruntüchtigkeit durch Müdigkeit oder Alkoholeinfluss erkennen und vor der Weiterfahrt warnen. Etwas mehr als die Hälfte würde darüber hinaus einen aktiven Eingriff durch KI bei überhöhter Geschwindigkeit oder riskantem Fahrverhalten begrüßen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Akzeptanz künstlicher Intelligenz besonders hoch ist, wenn ihr Einsatz mit einem konkreten Sicherheitsgewinn verbunden wird.
Autonomes Fahren findet zunehmend Zustimmung
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Auch die Erwartungen an autonomes Fahren haben sich verändert. Mittlerweile gehen 69 Prozent der Befragten davon aus, dass entsprechende Technologien künftig zum Standard werden. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 53 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die autonomes Fahren für einen vorübergehenden Hype halten, von 43 auf 24 Prozent. Besonders groß ist die Bereitschaft zur Nutzung autonomer Verkehrsmittel im öffentlichen Verkehr. 71 Prozent könnten sich vorstellen, einen selbstfahrenden Bus zu nutzen.
Bei U- und S-Bahnen liegt der Anteil bei 69 Prozent. Auch autonome Privatfahrzeuge und Robotaxis stoßen auf Interesse. Ihre Nutzung kommt für 62 beziehungsweise 60 Prozent infrage. Die praktischen Erfahrungen beschränken sich bislang allerdings weitgehend auf niedrigere Automatisierungsstufen. Während 47 Prozent bereits Systeme der Stufe 1 genutzt haben, verfügen 34 Prozent über Erfahrungen mit teilautomatisiertem Fahren auf Level 2. Mit Level 3 kamen bislang fünf Prozent der Befragten in Berührung. Bei Level 4 sind es lediglich zwei Prozent.
Trotz der gestiegenen Akzeptanz sehen viele Befragte weiterhin Hürden für den Einsatz autonomer Fahrzeuge. 63 Prozent betrachten unsichere rechtliche Rahmenbedingungen als Hindernis. Technische Probleme bereiten 59 Prozent Sorgen, während 47 Prozent mögliche Hackerangriffe als Risiko einstufen. Gleichzeitig verbinden viele Menschen mit der Technologie konkrete Verbesserungen. 44 Prozent erwarten einen besseren Verkehrsfluss, 41 Prozent eine geringere Lärmbelastung. Ein ähnlich hoher Anteil erhofft sich mehr Sicherheit für Fahrzeuginsassen.
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Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich dafür aus, dass Deutschland beim autonomen Fahren eine Vorreiterrolle übernimmt. Eine aktive staatliche Förderung unterstützen 50 Prozent. Tests autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen am eigenen Wohnort würden 45 Prozent begrüßen.
Digitalisierung gilt mehrheitlich als Chance für die Mobilität
Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine überwiegend positive Haltung gegenüber der Digitalisierung des Verkehrs. 85 Prozent der Befragten betrachten sie als Chance für die Mobilität. Lediglich zwölf Prozent bewerten die Entwicklung als Risiko. „Digitale Innovationen sind ein wesentlicher Schlüssel, um im Wettbewerb zu bestehen. Ingenieurskunst und Qualität bleiben wichtige Stärken – sie müssen aber konsequent mit hochmoderner Software, KI und autonomen Technologien verbunden werden“, kommentiert Bitkom-Vizepräsidentin Tanja Rückert.