Innovativer Innenraum

Diese Neuheiten prägen das nächste Kapitel im Fahrzeugcockpit

Vom projizierten Cockpit bis hin zur KI-gestützte Assistenz: Automobilhersteller und Zulieferer zeigen zum Jahresbeginn, wie sich das Fahrzeugcockpit weiterentwickelt und welche Lösungen das Nutzererlebnis künftig noch komfortabler gestalten sollen.

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Das Cockpit entwickelt sich zum softwaregetriebenen Erlebnisraum: Neue Displaykonzepte, klar strukturierte Bedienflächen und integrierte digitale Funktionen prägen die nächste Generation von Fahrzeuginnenräumen.

360° UX Conference

In den kommenden zehn Jahren wird sich die User Experience im Fahrzeug ähnlich wie im Bereich der Unterhaltungselektronik von funktional über interaktiv zu proaktiv verändern. Die Zeiten, in denen Tasten und Displays die einzigen Mensch-Maschine-Schnittstellen waren, die zwischen der realen und der digitalen Welt kommunizieren, sind längst vorbei. Buchen Sie jetzt Ihr Ticket für die 360° UX Conference am 13. Mai 2026 in München und hören Sie von Branchenführern praktische sowie strategische Einblicke in die Transformation der User Experience. Bauen Sie zudem Ihr Netzwerk an Branchenkontakten mit zahlreichen Networking-Möglichkeiten aufs während wir die Automobil-UX-, Design-, E/E- und IT-Community zusammenbringen.

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Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit in den vergangenen Jahren stark auf neue Antriebstechnologien richtete, hat sich parallel auch im Fahrzeuginnenraum ein tiefgreifender Wandel vollzogen. Cockpits entwickeln sich zunehmend zu softwaregetriebenen Erlebnisräumen, in denen Design, Bedienlogik und künstliche Intelligenz eng miteinander verzahnt sind. OEMs und Zulieferer arbeiten gleichermaßen an neuen Konzepten, um Nutzererlebnis, Funktionalität und Markenidentität neu auszubalancieren. Zum Jahresbeginn 2026 zeigen einige Unternehmen – unter anderem auf der Consumer Electronics Show (CES) 2026 in Las Vegas  – neue Serien- und Technologieansätze. Sie verdeutlichen, wohin sich das Fahrzeugcockpit entwickelt – von projizierten Oberflächen über KI-gestützte Interaktion bis hin zu neu gedachten Bedienkonzepten.

Aumovio präsentiert innovative Projektionslösung

Die Visualisierungsmöglichkeiten eröffnen ein neuartiges Markenerlebnis - von immersiver Ambientebeleuchtung bis intuitiver Informationsdarstellung.

Mit „Surface Projection“ stellt Conti-Tochter Aumovio auf der CES eine hoch entwickelten Projektionstechnologie vor, die Visualisierungen direkt auf die Oberfläche des Cockpits projiziert. Je nach Situation lassen sich auf der großen Darstellungsfläche dekorative Motive und emotionale Farb- und Lichteffekte sowie Fahrerinformationen, dezente Navigationsanweisungen oder Warnungen von Fahrerassistenzsystemen abbilden. Hierdurch entstehe ein dynamisches und einzigartiges Fahrerlebnis, das unter anderem Markenlogos optimiert inszenieren soll. Surface Projection nutzt kompakte, hochauflösende Projektoren, die in den Dachhimmel oder auch direkt in die Dachbedieneinheit integriert werden, um eine Pillar-to-Pillar-Bildausgabe über die gesamte Cockpit-Oberfläche zu realisieren. Das System arbeitet dabei mit bis zu drei Miniaturprojektoren, die in einer Einheit kombiniert werden, um eine minimale Bauraumnutzung zu erreichen. Die einzelnen Projektionen werden mittels intelligenter Software nahtlos aneinandergefügt, sodass die Illusion einer durchgehenden Projektionsfläche entstehe.

Mit unserer Projektionslösung zeigen wir eindrucksvoll, wie sich das Nutzererlebnis im Fahrzeuginterieur der Zukunft gestalten lässt. Die Projektion auf die Cockpit-Oberfläche verbindet dekorative Elemente mit funktionaler Darstellung (…)

Pavel Prouza, Aumovio

Bosch plant Milliarden-Umsatz mit In-Vehicle-Infotainment

Auch Zulieferer Bosch präsentiert auf der CES 2026 eine neue Interieurlösung, mit der das gesamte Cockpit zukünftig von KI-Unterstützung profitieren soll. Konkret handelt es sich um die „AI Extension Platform“, einen KI-fähigen Hochleistungsrechner zur Realisierung eines solchen KI-gesteuerten Cockpits. Zu den Funktionen  gehören unter anderem ein KI-Sprachassistent, der mitdenkt, ein umfassendes Szenenverständnis des Fahrzeuginnenraums, präzise Navigation und umfangreiche Entertainment-Optionen. So könne beispielsweise eine einfache Aussage wie „Mir ist kalt“ gleichzeitig mehrere koordinierte Aktionen auslösen, etwa das Einschalten der Sitzheizung oder die Anpassung der Innenraumtemperatur. „Das neue KI-gesteuerte Cockpit von Bosch ermöglicht es sowohl Fahrern als auch Autoherstellern, die Möglichkeiten moderner Automobilsoftware voll auszuschöpfen. So lassen sich dank ‚AI Extension Platform‘ künftig neue Funktionen viel schneller ins Fahrzeug implementieren“, kommentiert Bosch-CEO Markus Heyn.

Bosch sieht einen signifikanten und wachsenden Markt für solche KI-Cockpits. Verschiedene Marktforschungsinstitute, darunter Grand View Research und MarketsandMarkets, prognostizieren laut dem Zulieferer, dass der Markt für KI-fähige, sogenannte In-Vehicle-Infotainment (IVI)-Lösungen bis 2030 ein Volumen von rund 17 Milliarden Euro erreichen wird. An diesem Markt möchte Bosch partizipieren. Das Unternehmen erwartet einen Umsatz mit solchen IVI-Lösungen von über zwei Milliarden Euro bis zum Ende der Dekade und strebt damit eine führende Position an.

Nvidia-SoC als Fundament der Bosch AI Extension Platform

Das KI-gesteuerte Cockpit von Bosch soll vielfältige Domänen und Technologien im und außerhalb des Fahrzeugs nahtlos zu einem einheitlichen Nutzererlebnis verbinden.

Im Kern der Plattform arbeitet der „Nvidia Drive AGX Orin System-on-Chip“. Er basiert auf der „Nvidia Cuda“-Plattform, die es OEMs ermöglicht, ihre eigenen KI-Modelle und -Agenten zu integrieren. Die kompakte Einheit bietet 150 bis 200 Tera Operations Per Second (TOPS) zusätzliche Rechenleistung. Sie wird über einfache Strom- und Ethernet-Schnittstellen angeschlossen und durch flexible aktive Luft- oder Flüssigkeitskühlungsoptionen unterstützt. Um die Entwicklung und Bereitstellung komplexer KI-Funktionen zu beschleunigen, nutzt Bosch auch die Software-Suiten von Nvidia, einschließlich des „Nvidia NeMo Frameworks“ zur Verwaltung des gesamten KI-Lebenszyklus. Dieser ermögliche die nahtlose Integration fortschrittlicher In-Vehicle-Anwendungen wie etwa Echtzeit-Sensorverarbeitung, Vision-Language Models (VLMs) oder Kernfunktionen für logisches Denken und Sprachverarbeitung, unterstützt durch Nvidia-Nemotron-Modelle. 

Neues Cockpit für den VW ID. Polo

Weitere spannende Einblicke in den Fahrzeuginnenraum liefert zu Jahresbeginn Volkswagen: Der OEM öffnet erstmals die Türen des neuen ID.Polo, der als erstes Modell der Produktoffensive „Electric Urban Car Family“ den Weg zurück zu „echten Volkswagen“ ebnen soll. Ein über 90-prozentiger Gleichteileumfang innerhalb der neuen Elektro-Familie soll maximale Synergie in Zusammenarbeit mit den spanischen Kollegen bei Cupra ermöglichen, die die Gesamtfahrzeugentwicklung der Electric Urban Car Family verantworten. Dementsprechend liefert der ID.Polo erste Eindrücke für eine neue Cockpit-Generation bei Volkswagen, denn der neue gesamtheitliche Designansatz, in den insbesondere das Feedback von Kundinnen und Kunden eingeflossen sei, soll auch das Cockpit künftiger ID. Modelle prägen.

Klare Linien, hochwertige Materialien und Details wie die „Retro-Anzeige“ machen den ID. Polo zum Vorreiter der neuen Volkswagen Innenraumgeneration.

„Unsere neue Innenraumarchitektur, beginnend mit dem neuen ID. Polo, hebt das Kundenerlebnis auf ein ganz neues Niveau: mit klaren Linien, hochwertigen Materialien sowie einer intuitiven Bedienwelt mit physischen Tasten und neu strukturierten Bildschirmen. Darüber hinaus sorgen wir ab dem ID. Polo mit der nächsten Software-Generation für spürbar mehr Komfort und Funktionen für unsere Kunden. Dafür stehen etwa die dritte Generation des „Travel Assist“, die künftig auch rote Ampeln und Stoppschilder erkennt, sowie das komfortable One-Pedal-Driving“, fasst Kai Grünitz, Volkswagen Markenvorstand für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung, zusammen.

Darüber hinaus setzt Volkswagen in seiner neuen Cockpit-Landschaft durch mehr Tasten für Direktfunktionen sowie ein Multifunktionslenkrad mit klarer Tastensteuerung auf eine noch intuitivere Bedienung. Separat in eine Leiste unterhalb des Infotainmentscreens sind Tasten für die zentralen Klimafunktionen und den Warnblinkschalter integriert. Ebenfalls komplett neu ist das Multifunktionslenkrad mit seinen klar gegliederten Tastenfeldern. Zwischen der Smartphone-Ablage und den Cupholdern angeordnet ist ein für Fahrer und Beifahrer gleichermaßen gut erreichbarer Drehregler für die Audio-Bedienung, über den die Lautstärke eingestellt wird, aber auch Songs und Sender per Track-Funktion gewechselt werden können. 

Interieur- und Cockpit-Architektur wurde auf Basis von Kundenfeedback komplett neu gestaltet und systematisch optimiert.

Zudem prägen zwei große Displays, die auf einer Sichtachse angeordnet sind, die neue Cockpitarchitektur: Das hinter dem Lenkrad angeordnete „Digital Cockpit“ mit einer Bildschirmdiagonale von 10,25 Zoll und das knapp 13 Zoll große Touchdisplay des Infotainmentsystems. Weiterentwickelt wurde auch das „ID.Light“: Die interaktive und intuitive vom Fahrer wahrgenommene Lichtleiste erstreckt sich im unteren Bereich der Windschutzscheibe erstmals nicht nur über die Breite der Instrumententafel, sondern nun bis in die Vordertüren.

Mercedes integriert Infotainment, Assistenz und KI

Während Volkswagen mit dem ID. Polo einen stark nutzerzentrierten, funktional geprägten Ansatz für das Cockpit der nächsten Generation vorstellt, setzt Mercedes-Benz auf der CES 2026 einen anderen Akzent und fokussiert sich darauf, wie sich der Fahrzeuginnenraum über Software, Rechenleistung und digitale Inhalte weiterentwickeln lässt. Der Hersteller nutzt die Technologiemesse in Las Vegas, um seine aktuelle Cockpit-Strategie entlang von Infotainment, Assistenzsystemen und Partnerökosystemen zu präsentieren. Im Mittelpunkt steht dabei die US-Premiere des vollelektrischen GLC, der als Technologieträger für das digitale Interieur der kommenden Jahre dienen soll.

Eine zentrale Rolle spielt das neue, KI-basierte Betriebssystem MB.OS in Kombination mit der vierten Generation des Infotainmentsystems MBUX. Erstmals integriert Mercedes-Benz dabei KI-Technologien von Microsoft und Google, um Sprachbedienung, Personalisierung und Kontextverständnis im Fahrzeug weiter auszubauen. Ergänzt wird die Softwarearchitektur durch den optionalen 39,1 Zoll großen MBUX Hyperscreen, der als durchgängige Displayfläche Fahrer und Beifahrer adressiert. 

Der neue elektrische Mercedes-Benz GLC feiert auf der CES 2026 sein Debüt in den USA.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erweiterung digitaler Inhalte im Innenraum. Auf der CES demonstriert Mercedes-Benz unter anderem Spatial Audio mit Dolby Atmos in Apple CarPlay sowie natives Musik- und Hörbuch-Streaming. Auch Videoangebote gewinnen an Bedeutung: Lösungen wie DTS AutoStage Video, Ridevu von Sony Pictures Entertainment und IMAX-optimierte Inhalte zielen darauf ab, Stand- und Ladezeiten stärker für Entertainment zu nutzen. Parallel dazu rückt die Integration von Assistenzsystemen und Cockpitfunktionen in den Fokus. Die nächste Generation von MB.DRIVE, entwickelt in Partnerschaft mit Nvidia, verbindet Fahrassistenz, Navigation und KI-gestützte Rechenplattformen zu einem integrierten Nutzererlebnis auf SAE-Level-2-Niveau. 

Valeo treibt sicherheitsrelevantes Monitoring voran

Ein weiteres Unternehmen, das den Fahrzeuginnenraum in den Fokus seiner diesjährigen CES-Exponate stellt, ist Valeo. Gemeinsam mit Seeing Machines, einem Anbieter von Computer-Vision-Technologien und KI-basierten Fahrerüberwachungssystemen, stellt der französische Automobilzulieferer in Las Vegas eine In-Cabin-Monitoring-Lösungen (ICMS) für Fahrer- und Insassenanwendungen vor. Valeo nutzt die Fahrer- und Insassenüberwachungsfunktionen (DMS/OMS) von Seeing Machines für zahlreiche Anwendungen, um Automobilherstellern – und letztlich den Fahrern – mehr Sicherheit und Komfort zu bieten. Seeing Machines unterstützt Valeo durch die Integration seiner ICMS-Software. Dadurch werden klassische Fahrerüberwachungsfunktionen erweitert – unter anderem um Blickverfolgung, mit der erkannt wird, ob der Fahrer eine erkannte Gefahr wahrgenommen hat, sowie um eine Helmerkennung für Zweiräder.  Diese Funktionen werden auf drei unterschiedlichen System-on-Chips (SoCs) implementiert und sollen  die Multi-Plattform-Integrationsfähigkeit der Lösung demonstrieren. 

Mithilfe von Kameras und Software erkennen Systeme von Seeing Machines in Echtzeit die Aufmerksamkeit und Müdigkeit von Fahrern, um Ablenkung und Dösigkeit zu verhindern und somit Verkehrsunfälle zu reduzieren.

Die Kombination aus ganzheitlicher Systementwicklung und -integration mit fortschrittlichen Wahrnehmungstechnologien soll eine erstklassige, vollständig integrierte Innenraumsensorik-Lösung ergeben, die auf kommende Sicherheitsanforderungen ausgerichtet ist. Marc Vrecko, CEO der Valeo Brain Division, erklärt: „Was wir auf der CES 2026 zeigen, verdeutlicht, dass fortschrittliches Monitoring – von blickbasierten Warnungen über die umfassende Innenraumanalyse bis hin zur Helmerkennung – unmittelbaren Mehrwert für Automobilhersteller schafft und echten Schutz für Fahrer und Zweiradnutzer bietet.”

Appning & Radioline kooperieren für personalisierte UX 

Appning, eine Marke der Forvia-Gruppe und ein Anbieter von App-Marktplätzen für vernetzte Fahrzeuge, und Radioline, eine europäische Plattform für Radio und Podcasts, haben bereits Ende 2025 eine strategische Partnerschaft verkündet, um das In-Car-Content-Erlebnis in Zukunft gezielt weiterzuentwickeln. Im Rahmen der Zusammenarbeit wird die Service-on-Demand-Plattform von Appning in die Automotive-Anwendung von Radioline integriert. Die Einbindung verknüpft das Live-Radio mit personalisierten Drive-to-Store-Empfehlungen und ermögliche eine nahtlose sowie skalierbare Implementierung für Automobilhersteller und Entwickler. So könnten kontextbezogene, wertschöpfende Services direkt im Fahrzeug bereitgestellt werden, um das Nutzererlebnis ganzheitlich zu verbessern ohne den Fahrerfluss zu beeinträchtigen.  „Werbung wird zunehmend zu einer zentralen Säule vernetzter Fahrzeuge, angetrieben von Personalisierung und Echtzeit-Kontextualisierung. Radioline setzt sich dafür ein, das Radio im Auto weiterhin in den Vordergrund zu stellen und sowohl für Nutzer als auch für Werbetreibende wertvoll zu machen – mithilfe der neuen On-Demand-Serviceplattform von Appning", erklärt Xavier Filliol, COO von Radioline.