Frau steht mit Tablet vor Auto

Egal ob in der Entwicklung, Produktion oder im Auto selbst – Cloud-Technologie ist das Mittel der Wahl, sämtliche Bereiche zu vernetzen. Bild: Bosch

Mit Software as a Service (SaaS) fing alles an: Sales-Manager nahmen ihre Kreditkarte in die Hand und richteten sich ein Konto ein. Schon bald danach hatte die IT große Probleme, um diese Schatten-IT in den Griff zu bekommen. Noch immer repräsentiert SaaS den Löwenanteil im Cloudgeschäft. Laut Gartner wird der Cloudmarkt in diesem Jahr 305 Milliarden Dollar ausmachen, davon entfallen knapp 40 Prozent auf Software as a Service. Das liegt daran, dass es sich bei SaaS überwiegend um Querschnittslösungen handelt, die von allen Unternehmen und allen Mitarbeitern genutzt werden.

Und der Boom beim Homeoffice hat diese Nutzung noch verstärkt. Neben SaaS kommen auch die anderen Cloudformen wie Infrastructure as a Service (IaaS), Plattform as a Service (PaaS) und Business Process as a Service (BPaaS) immer stärker zum Einsatz, denn die zunehmende Digitalisierung findet vor allem in der Cloud statt. So sind die neuen Anwendungen in den Bereichen künstliche Intelligenz, IoT, Edge und 5G zunehmend cloudbasiert.

Das Ende der Legacy-Welt ist nah

Natürlich gibt es bei den großen Unternehmen immer noch Mainframes mit ihren Legacy-Anwendungen, doch deren Anteil geht zurück. „Bei neuen Anwendungen gilt fast überall ‚cloud first‘, und auch bei den bestehenden erfolgt zunehmend ein ‚cloud native‘ Redesign“, sagt Jeffrey Hewitt, Research Vice President bei Gartner. Das aber bedeutet praktisch eine komplette Neuentwicklung, denn für „cloud native“ muss auch die Architektur, die Datenbank und die Benutzeroberfläche komplett umgestellt werden. Viele Software- und Beratungshäuser haben sich deshalb bereits auf die Umstellung von Legacy auf Cloud in der Autoindustrie spezialisiert, dazu gehören unter anderen Treehouse Software und Infosys.

„Cloud Computing hat sich in der Automobilbranche zum bedeutendsten Trend entwickelt“, sagen die Analysten von Forrester. Erst kürzlich vermeldete Volkswagen eine neue Partnerschaft mit Microsofts Cloud Azure, obwohl der Volumenhersteller bereits seit 2018 zusammen mit Amazon an einer Industrial Cloud arbeitet. Zu den weiteren Kooperationen gehören Ford und Renault mit Google sowie BMW mit Microsoft im Rahmen der Open Manufacturing Platform.

„Eine Plattform, die alle Werke samt Zulieferer vernetzt, klingt vielversprechend, ist aber sehr ambitioniert – und erfordert enorme Ressourcen in den global verteilten Werken sowie bei den Zulieferern“ – Stefanie Naujoks, IDC

Das Ziel dieser neuen Plattformen ist bei allen Autobauern gleich: Standardisierung von Prozessen bei sich und allen beteiligten Partnern. Bei der VW-Plattform geht es um den Austausch und die Analyse von Maschinen- und Produktionsdaten. Je mehr Produktionsdaten ein Algorithmus über die Cloud erhält, umso effizienter kann er die Systeme steuern. Doch diese Daten rücken die Zulieferer nur ungern heraus, steckt darin doch ein großer Teil des eigenen Knowhows. Folglich sind bislang nur elf Firmen dabei, darunter ABB und Dürr. Und was die weiteren Aussichten angeht, so ist Skepsis angebracht. „Eine Plattform, die alle Werke samt Zulieferer vernetzt, klingt vielversprechend, ist aber sehr ambitioniert – und erfordert enorme Ressourcen in den global verteilten Werken sowie bei den Zulieferern“, meint IDC-Analystin Stefanie Naujoks.

 

Edge und High-Performance Computing im Trend

Ein anderes Segment sind Spezialanwendungen, die praktisch nur als „cloud only“ Sinn ergeben. Da ist zunächst Edge Computing zu nennen. Dieser Bereich ist eng mit dem Internet der Dinge verbunden – gehörte also schon von Anbeginn an zu einer bevorzugten Cloudanwendung. „In jüngster Zeit wurden beim Edge Computing viele Innovationen aus den Bereichen Kommunikation und ,cloud native‘ integriert, um auf diese Art viele Cloud-to-Edge-Lösungen weiter voranzubringen“, meint Hewitt.

Auch die neuen Blockchain-Lösungen in der Logistik lassen sich sinnvollerweise nur in der Cloud realisieren. Hier ist Oracle einer der führenden Anbieter. Dessen vorgefertigtes Angebot ist speziell auf die Belange der Logistik ausgerichtet. Im Rahmen der neuesten Database 20c wurden sogenannte Blockchain Tables hinzugefügt. Diese bieten eine äußerst manipulationssichere Persistenzoption direkt in der Oracle-Datenbank.

Ein ganz besonderes Anwendungsszenario für Cloud Computing in der Automobilindustrie ist High-Performance Computing (HPC). Sobald es um die Analyse, Modellierung oder Simulation komplexer Systeme oder die Verarbeitung großer Datenmengen geht, kommt immer häufiger HPC aus der Cloud zum Einsatz. Das liegt vor allem daran, dass hier die Flexibilität und die Skalierbarkeit von Cloud Computing voll ausgeschöpft werden können. Nissan berichtet beispielsweise, dass man cloudbasiertes HPC bei Computational Fluid Dynamics (CFD), Crash-Simulationen und 3D-Visualisierungen einsetzt. Auch das auf Hightech spezialisierte Ingenieurhaus Altair Engineering hat seine internen Aufgaben und kundenorientierten SaaS-Dienste in die Cloud verlegt.

„HPC in der Cloud hilft uns, komplexe Probleme schneller, einfacher und intelligenter zu lösen“, gibt Sam Mahalingam, CTO bei Altair, als Begründung an. „In den nächsten fünf Jahren werden Cloud-native-Technologien wie Container und Serverless eine neue Ära verteilter Unternehmenssoftware einleiten. Das betrifft die Cloudanbieter, Edge-Anbieter und Softwareanbieter gleichermaßen“, lautet die Prognose von Brian Hopkins, Principal Analyst bei Forrester.

Die Supportlast verteilt sich global

Die Analysten von Gartner meinen, dass sich die Cloudressourcen weit verteilen werden – eine Art Distributed Cloud, bei der sich die Supportlast auf die Provider verlagert. Dieser Ansatz würde zu einer flexiblen Lokalisierung und zu einer Reduzierung der Latenz führen. „Das Konzept verteilter Cloudressourcen steckt noch in den Kinderschuhen. Das bedeutet, dass die Kosten hoch und die Bereitstellungsmodelle komplex sein können“, lautet die Warnung von Hewitt.

Zum Schluss noch ein besonders guter Ausblick: Eine neue IDC-Prognose besagt, dass mit dem zunehmenden Einsatz von Cloud Computing in den nächsten vier Jahren mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 eingespart werden kann. Die Analysten begründen das mit der höheren Effizienz von aggregierten RZ-Ressourcen, einer optimalen Kühlung und dem Einsatz von energieeffizienten Servern.

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