Mercedes-Benz Automated Valet Parking Stuttgart Flughafen

Für einige Varianten der Mercedes-S-Klasse sowie des EQS wird der Traum vom autonomen Parken zukünftig auf das nächste (SAE-)Level gehoben. (Bild: Mercedes-Benz)

Einmal waschen, laden, parken, bitte. Und zwar automatisiert und fahrerlos. Schöne neue Welt des Parkens! Was auf der IAA Mobility 2021 noch eine Demonstration des technisch Denkbaren war, nimmt langsam Gestalt an. Die Art, wie wir parken, wird sich künftig grundlegend wandeln. Es wird bequemer, reibungsloser, komfortabler. Bis Roboter automatisch im Parkhaus abgestellte Stromer betanken oder waschen werden, wie bei dem Gemeinschaftsprojekt des Verbandes der Automobilindustrie anlässlich der IAA, wird noch etwas Zeit vergehen. Doch mit dem Parken klappt es schon ganz gut. Stichwort: Automated Valet Parking (AVP).

Die Ära des AVP scheint angebrochen. Dabei fährt der Fahrer mit seinem Auto ins Parkhaus, stellt es in einer Drop-off-Zone ab und übergibt es per App an den automatischen Butler, sprich: die Technik, die es vollautomatisiert und fahrerlos nach SAE-Level 4 zu einem (vorher gebuchten) freien Parkplatz fahren lässt. In einer Pick-up-Zone wird das Auto dann wieder abgeholt, nachdem es vollautomatisiert vorgefahren ist.

„Die Digitalisierung von Parkvorgängen bietet die Möglichkeit, bestehende Infrastruktur besser zu nutzen“, sagt Nils Heller, Referent Mobility beim Digitalverband Bitkom, „Beim Automated Valet Parking können Fahrzeuge den in Parkhäusern oftmals sehr beschränkten Platz effizient ausschöpfen.“ Besonders im städtischen Raum könnten digitale Lösungen den Parksuchverkehr stark reduzieren: „Sie haben somit nicht nur positive Auswirkungen für Autofahrende, sondern auch für die Umwelt, da die Parkplatzsuche einen nicht unwesentlichen Teil städtischer Fahrten ausmacht.“

So werden Parkhäuser smarter

Zulieferer Continental verfolgt zwei Ansätze für AVP, erklärt Technologiesprecher Sören Pinkow. Zum einen den des intelligenten Fahrzeugs (Typ 1) und zum anderen den der intelligenten Infrastruktur (Typ 2). Bei einem Typ-1-System befindet sich die Intelligenz (einschließlich aller Sensoren, Recheneinheiten und Algorithmen) im Fahrzeug, während sich bei einem Typ-2-System die Intelligenz (einschließlich Sensoren und AVP-Managementsystem) in der entsprechenden Infrastruktur befindet, etwa einem Parkhaus, sodass das Fahrzeug von der Infrastruktur gesteuert wird.

„Der Typ-1-Ansatz ermöglicht das fahrerlose Ein- und Ausparken in Parkhäusern. Starten lässt sich der Vorgang via Smartphone“, erklärt Pinkow. Alles Weitere übernimmt das Fahrzeug selbstständig. Und es fährt auf Knopfdruck auch wieder automatisch aus dem Parkhaus heraus, um den Fahrer am Ausgang bequem zusteigen zu lassen.

Bei Typ 2 kommuniziert die Verkehrsinfrastruktur mit Autos, übernimmt die zentrale Steuerung beim automatisierten Parken und der Orchestrierung von Fahrzeugen. „Das Besondere dabei ist, dass sich Schlüsselkomponenten auch außerhalb des Fahrzeuges im Ökosystem der Infrastruktur einsetzen lassen“, erklärt Pinkow. Mithilfe von in der Infrastruktur verbauten Kameras verarbeitet ein intelligenter Algorithmus in einem zentralen Steuerungssystem die Sensordaten und koordiniert die Bewegungen der Fahrzeuge. Infrastrukturbasierte Objekterkennung, dynamische Streckenplanung sowie eine Notbremsfunktion und weitere Funktionen sind integriert.

„Die Fahrzeuge benötigen lediglich ein Automatikgetriebe, eine elektrische Feststellbremse, eine elektrische Lenkunterstützung sowie eine intelligente Kommunikationseinheit“, erklärt der Conti-Vertreter. Das System, das die Hannoveraner gemeinsam mit dem Start-up Kopernikus Automotive entwickelt haben, soll ab 2023 unter anderem in Parkhäusern, an Bahnhöfen oder Hotels, aber auch in Fahrzeug-Produktionswerken installiert werden.

Quelle: Continental

Behörden haben smartes Parken abgesegnet

Derweil feierten Mercedes-Benz und Bosch eine Weltpremiere beim AVP: Das Apcoa Parkhaus P6 am Stuttgarter Flughafen ist seit Dezember das erste weltweit, in dem das fahrerlose Parksystem nach Level 4 mit dem Segen des Kraftfahrt-Bundesamtes im Serienbetrieb ist. Der vollautomatische Hol- und Bringservice ist aktuell zwar nur bestimmten Varianten der S-Klasse und des EQS mit intelligentem Park-Pilot vorbehalten, doch weitere Modelle sollen rasch folgen.

Dabei spielt die im Parkhaus installierte, intelligente Infrastruktur von Bosch mit der Fahrzeugtechnik von Mercedes-Benz zusammen: Bosch-Sensoren im Parkhaus überwachen den Fahrweg samt Umfeld und liefern die Informationen für die Steuerung. Auf diese Weise können Autos auch eigenständig Rampen hoch- und herunterfahren sowie innerhalb des Parkhauses Stockwerke wechseln. Erkennen die Infrastruktursensoren ein Hindernis, stoppt das Fahrzeug und fährt erst weiter, wenn die Bahn wieder frei ist.

„Fahrerloses Parken ist ein wichtiger Baustein automatisierter Mobilität“, sagt Dr. Markus Heyn, Bosch-Geschäftsführer und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions, „Der Alltag des automatisierten Fahrens beginnt mit dem fahrerlosen Parken.“ Heyn sieht in dem Ansatz, die Infrastruktur in Parkhäusern intelligent zu machen, die Zukunft: „Unser Ziel ist es, künftig weitere Parkhäuser mit der entsprechenden Infrastrukturtechnik auszustatten – in den kommenden Jahren sollen es weltweit bereits mehrere Hundert sein.“

Vier mittelalte weiße Männer in Anzügen im Parkhaus auf AVP-Parkplatz
Sie haben die Weltpremiere zusammen geschafft (v.l.n.r.): Walter Schöfer vom Flughafen Stuttgart, Markus Schäfer von Mercedes-Benz, Markus Heyn von Bosch und Niels Christ von APCOA Parking. (Bild: Mercedes-Benz)

Dabei wird eine sichere und latenzarme Kommunikation eine herausragende Rolle spielen. Worauf die AVP-Projektpartner BMW, Valeo und Telekom verweisen. In einem Münchner Pilotprojekt wird ein mit Valeo-Technik ausgerüsteter BMW über das öffentliche 5G-Netz der Deutschen Telekom fahrerlos zu einem freien Parkplatz geleitet. „5G sehen wir als zentralen Enabler für viele innovative Fahrzeugfunktionen und auch für das Automated Valet Parking“, sagt Nicolai Martin, Senior Vice President BMW Group Driving Experience. Ziel müsse es sein, ein standardisiertes und interoperables AVP-Ökosystem aufzubauen. Denn noch wurschtelt jeder für sich vor sich hin.

Warum auch die ewige Parkplatzsuche am Straßenrand enden dürfte

Aber auch außerhalb des geschützten Raumes eines Parkhauses soll Parken smarter werden, indem freie Stellplätze erfasst und die Infos in Echtzeit an Suchende übermittelt werden. So wird bereits in einigen Städten mittels mobiler Scan-Technologie kontinuierlich die Auslastung erhoben. Über LIDAR-basierte Scanner, die an Taxis oder Lieferfahrzeugen installiert sind, werden rund um die Uhr Informationen zur Parksituation für jeden Wochentag und jede Tageszeit gesammelt. Das Ziel ist, so Datensätze mit Echtzeitdaten aus stationärer Sensorik sowie eigenen Transaktionsdaten anzureichern, um genauere Aussagen (und Vorhersagen) zur Parkplatzverfügbarkeit bereitstellen zu können.

Bei Bosch erprobt man derweil das Community-Based Parking: Dabei wird der Autofahrer zum Parkplatzmelder. Eine Lösung, die sich relativ schnell breit ausrollen ließe. Denn dazu braucht es im Grunde nur Ultraschall-Sensoren, die in Fahrzeugen mit Einparkhilfe ohnehin schon vorhanden sind. Sie liefern Infos über freie Parkplätze im Vorbeifahren: Die Sensoren detektieren, wo der Straßenrand besetzt oder frei ist, gleicht dies mit Straßenkarten ab und sendet diese Information an die Cloud des jeweiligen Automobilherstellers, von der sie an die vernetzte Fahrzeugflotte verteilt wird.

So rüsten Parkplatzbetreiber auf

Bis es so weit ist, erleichtern immerhin etliche Apps von Parkplatzbetreibern den Job. Anbieter wie EasyPark erfassen in einigen europäischen Städten die Straßen inklusive Parkplätzen, so dass man sich immerhin einen Überblick samt Informationen über Parkregeln und -beschränkungen, Ein- und Zufahrten, Ladezonen und Bushaltestellen verschaffen kann.

Unternehmen wie Evopark unterstützen dabei per App, freie Parkplätze in Parkhäusern zu finden und mittels RFID-Karte dort einzufahren. Abgerechnet wird am Monatsende. Ähnlich auch der Ansatz des Parkraumbewirtschafters Apcoa. Die Firma bietet in einigen Parkhäusern berührungsloses Ein- und Ausfahren samt automatischer Erfassung der Parkzeit und bargeldloser Bezahlung an.

Bosch wiederum zeigt ein Herz für Brummifahrer: Ihnen mangelt es an sicheren Stellplätzen, was zu fragwürdigen Parkmanövern, langen Suchzeiten und unter Umständen zu erhöhtem Frachtdiebstahl führt. Ab Anfang 2023 sollen nun Nutzer der Services Bosch Secure Truck Parking und Travis Road per App europaweit sichere Parkplätze buchen und bezahlen können. Die Portale vermitteln Speditionen Parkplätze auf unterschiedlichen Flächen, etwa auf Rastplätzen oder Firmengeländen.

Ob Pkw oder Lkw: An Initiativen und Technologien mangelt es nicht. Eher an einheitlichen Standards. Denn erst wenn sich die vielfältigen Lösungen zu einem Ökosystem vereinen, wird Parken wirklich smart werden.

Diverse LKW auf einem Autobahn-Parkplatz
Parkraum für LKW ist an deutschen Straßen knapp. Technologien wie Bosch Secure Truck Parking sollen hier Abhilfe schaffen. (Bild: Bosch)

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