Auf dem Weg zum Software-Defined Vehicle
Neue E/E-Architektur von VW und Rivian besteht Wintertest
Volkswagen und Rivian schließen erfolgreiche Wintertests in Arjeplog ab. VWs ID.Every1 wird das erste mit gemeinsamer Elektronik-Architektur – ein wichtiger Meilenstein für Volkswagens neuen E-Auto-Kurs.
Im nordschwedischen Arjeplog wurde in diesem Winter die neue SDV-Architektur auf eine harte Probe gestellt.
Volkswagen
Volkswagen und Rivian haben erste Fahrzeuge ihrer
Gemeinschaftsfirma „RV Tech“ erfolgreich getestet. Die seit November laufenden
Wintertests im nordschwedischen Arjeplog, nur wenige Kilometer südlich des
Polarkreises, seien erfolgreich abgeschlossen worden, teilten die Wolfsburger
mit. Im nordischen Winter waren drei Referenzfahrzeuge von VW, Audi und der von
VW wiederbelebten US-Marke Scout einem Härtetest unterzogen worden, darunter
der geplante Einstiegsstromer VW ID.Every1.
ID.Every 1 ist Vorreiter für Konzernmodelle
Der ID.Every1, der 2027 für rund 20.000 Euro auf den Markt
kommen soll, wird das erste VW-Modell sein, das mit der neuen
Elektronik-Architektur aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit Rivian an den Start
geht. Danach will Volkswagen die Architektur konzernweit über alle Marken
ausrollen. Nach Audi und Scout sollen früheren Angaben zufolge auch Porsche und
danach alle anderen Konzernmarken folgen. Zum Einsatz kommt die Technik aber
nur bei Elektroautos.
„Mit dem erfolgreichen Abschluss der Wintertests zeigt unser Joint Venture
erneut, wie schnell und präzise dort gearbeitet wird“, sagte Konzernchef Oliver
Blume laut Mitteilung. Die Ergebnisse zeigten, dass die neue Architektur „unter
harten winterklimatischen und anspruchsvollen fahrdynamischen Bedingungen
bereits zuverlässig funktioniert“, hieß es der Mitteilung. Damit seien die
Voraussetzungen erfüllt für die nächsten Entwicklungsschritte im
Gemeinschaftsunternehmen sowie die weitere Planung in den Marken.
VW investiert 5,8 Milliarden Dollar in das Projekt
Das im November 2024 gegründete Gemeinschaftsunternehmen entwickelt die
Elektronik-Architektur künftiger Elektroautos von Volkswagen für westliche
Märkte, also vor allem außerhalb Chinas. Volkswagen entschloss sich im
vergangenen Jahr für eine milliardenschwere Kooperation mit Rivian, um
technologisch zu Tesla und chinesischen Konkurrenten aufzuschließen. Volkswagen
lässt sich die Zusammenarbeit bis zu 5,8 Milliarden Dollar kosten. In China
wird die Fahrzeugarchitektur für den dortigen Markt mit dem einheimischen
Partner Xpeng entwickelt.
Mit den nun erfolgreich abgeschlossenen Wintertests wurde einer der im Vorfeld
fest vereinbarten Meilensteine erreicht, an die jeweils Meilenstein-Zahlung der
Wolfsburger an den US-Partner geknüpft sind. Damit liege man voll im Zeitplan,
hieß es in Wolfsburg. Zuletzt hatte VW im Juni 2025 eine Milliarde Dollar
überwiesen und damit seinen Anteil an Rivian erhöht. Wann und wie die jetzt
fällige Zahlung von erneut einer Milliarde Dollar fließen wird, blieb zunächst
offen.
Weniger Kontrolleinheiten und kürzere Kabelstränge
Ein zentraler Unterschied der bei Rivian entwickelten Architektur ist, dass sie
nach Zonen im Fahrzeug statt nach Funktionen aufgebaut ist. Traditionell gibt
es etwa separate Kontrolleinheiten für einzelne Aufgaben wie zum Beispiel die
Temperatur-Steuerung. Im Rivian-Konzept werden die Funktionen hingegen
gebündelt – so kann zum Beispiel ein Computer auf der Fahrerseite sowohl das
Gaspedal als auch die Fensterheber steuern. Bei der Gemeinschaftsfirma soll die
Technik weiterentwickelt werden.
Die Lösung sorgt für weniger Komplexität und kürzere Kabelstränge – und drückt
damit auch die Kosten. Auf Zonen-Architektur setzen auch der
Elektroauto-Vorreiter Tesla und diverse chinesische Hersteller. Bei der Zusammenarbeit mit Volkswagen geht es unter anderem darum, dass die bei
Rivian entwickelten Steuergeräte mit Bauteilen des deutschen Konzerns
zusammenspielen. Der ID.Every1 soll mit einem Zonen-Kontroller auskommen, bei
Premium-Modellen von VW werden es mehr sein, da der Funktionsumfang größer ist.