Mitarbeiter:innen von amplimind sitzen auf Stufen

Bettina Bernhardt und Nils Büring (l.o.) führen das neue Joint Venture und wollen ihren Mitarbeitern möglichst viel Freiraum bei der selbstorganisierten Arbeit lassen. (Bild: Audi)

Es hatte sich schon länger angekündigt, nun ist das neue Joint Venture zwischen Audi und Lufthansa Industry Solutions (LHIND), der IT-Tochter der größten deutschen Luftfahrtgesellschaft Lufthansa, unter Dach und Fach. Nachdem die Behörden ihre Genehmigungen erteilt haben, erfolgte noch im Juni die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens mit dem Namen Amplimind. Das Vorhaben der beiden Industrieunternehmen soll Ende des Jahres den Betrieb aufnehmen und den eigenen Ansprüchen nach „die digitale Transformation der Audi AG und der Mobilitätbranche beschleunigen“.

Ganz konkret steht für die Amplimind-Experten, die sich zunächst aus Mitarbeitenden von Audi und LHIND zusammensetzen, agile und individuelle Softwareentwicklung, die Integration und den Betrieb strategischer Applikationen sowie Beratungsleistungen in den Bereichen IT-Security und Cloud-Plattformen im Fokus der Arbeit. Diese laufe in erster Linie „remote-first“ ab, die Standorte am Münchener Flughafen und in Norderstedt sollen in erster Linie als „Projektionsflächen für kollaboratives Arbeiten, Austausch und Kreativität“ dienen, heißt es aus Ingolstadt. Zudem soll das junge Unternehmen den Ansprüchen der Green-IT gerecht werden.

Die Geschäftsführung von Amplimind übernehmen die ehemalige Leiterin der Audi Business Innovation GmbH, Bettina Bernhardt, sowie der Automotive-Chef bei Lufthansa Industry Solutions, Nils Büring. Beide verfügen über langjährige Erfahrungen im Bereich Agilität und dem Management von IT-Projekten.

Joint Venture ist Konsequenz von Audis IT-Strategie

Die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens steht im Kontext der IT-Strategie Next:IT, die seit 2018 maßgeblich von CIO Frank Loydl vorangetrieben wird und das Ziel hat, die Kerneigenleistung im Bereich Softwareentwicklung zu erhöhen. „Da wir selbst jedoch nicht so schnell wachsen und die Transformation allein schultern können, lag es nahe, sich starke Partner relativ nah an die Enterprise-IT zu holen“, erklärt Loydl gegenüber automotiveIT. Als erste externe Hilfe holte sich Loydl daher im vergangenen Jahr Capgemini ins Boot. Gemeinsam entstand das Joint Venture XL2 mit dem Schwerpunkt auf Produktion, SAP und Cloud.

„Da hatten wir schon das Schwerpunktthema Engineering und den Aufbau einer Engineering-Plattform im Hinterkopf, das ganz andere Anforderungen in Sachen Softwareentwicklung stellt. Für das nächste Joint Venture brauchten wir daher einen Partner, mit dem wir bereits gute Erfahrungen in unserem Software Development Center gesammelt haben“, so Loydl weiter. Amplimind sei dabei nicht nur eine Ergänzung zu XL2, sondern erweitere auch das Portfolio der 2020 gegründeten Audi-Holding A4nXT Gmbh, die sich an Jungunternehmen und strategischen Joint Ventures beteiligt, heißt es vonseiten Audis.

Wie kann Lufthansa Industry Solutions Audi helfen?

Die IT-Tochter von Lufthansa soll im Rahmen des Joint Ventures die eigenen Kompetenzen in den Bereichen künstliche Intelligenz, Programm- und Projektmanagement und eben agile Softwareentwicklung einbringen. „Die Nachfrage danach wächst rasant,“ bekräftigt auch Jörn Messner, Managing Director bei LHIND, im Gespräch mit automotiveIT. Für Messner ist das Joint Venture der nächste konsequente Schritt in einer langjährigen Partnerschaft bei den genannten Themen: „Wir begreifen uns auch als Partner, der Technologien, die in anderen Industrien vielleicht viel intensiver genutzt werden, in das Gemeinschaftsunternehmen mit einbringt.“

Neben der Entwicklung von maßgeschneiderten Anwendungen im Bereich Cloud, soll LHIND beim Thema IT-Security weiterhelfen – ein Bereich bei dem Loydl und sein Team in der Audi-IT den Anspruch formuliert hat, auf eine Kerneigenleistung von einhundert Prozent zu kommen. „Momentan dreht sich so gut wie jedes Projekt um die Cloud und dabei steht das Thema Security natürlich prominent im Vordergrund“, berichtet Messner.

Green-IT und New Work sind Grundpfeiler

Das Gemeinschaftsunternehmen von Audi und Lufthansa soll jedoch nicht nur bei Technologiethemen neue Wege gehen. Besonders betonen die Partner das zugrundeliegende Wertesystem des Joint Ventures, das sich die Mitarbeitenden in Form einer eigenen Charta gegeben haben, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. „Daraus folgt beispielsweise, dass Mitarbeitende sich ihre vorgesetzte Person aussuchen können oder dass wir im großen Maßstab Remote Work realisieren wollen“, erläutert Audi-IT-Chef Frank Loydl. Zudem sollen die Beschäftigten selbstorganisiert und netzwerkbasiert arbeiten können.

Zu dem Wertekanon zählt auch das Thema Responsibility beziehungsweise Nachhaltigkeit. Demnach sollen die Entwickler von Amplimind das sogenannte Green Coding umsetzen, wonach so ressourcenschonend wie möglich programmiert werden soll.

„Neben der Verwendung einer möglichst ressourcenschonenden Programmiersprache wie etwa GO, muss ich als Entwickler zusätzlich auf Standards achten, die dafür sorgen, möglichst wenig Rechenleistung für neu erstellte Software zu verschwenden“, erklärt LHIND-Chef Jörn Messner. Unter der Prämisse Green-IT seien ebenso Aspekte wie eine effiziente Architektur, das Anwendungsdesign und die Wahl der Infrastruktur wichtig, so der IT-Experte.

Die angestrebte moderne Arbeitskultur soll mittelfristig auch junge Talente im Bereich Softwareentwicklung anziehen. Den Teams, die sich anfangs aus Mitarbeitenden von Audi und Lufthansa Industry Solutions speisen, sollen sich auch neue IT-Fachkräfte an den Amplimind-Standorten München und Norderstedt anschließen. Pro Jahr sollen 30 bis 45 neue Stellen besetzt werden, bis zum Jahr 2027 haben sich die Partner das Zielbild von 250 Beschäftigten gesetzt.

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